Aus für TV3
Der Privatsender TV3 ist definitiv am Ende. Die Verhandlungen mit möglichen Investoren sind abgebrochen worden. 85 Mitarbeitende verlieren den Job.
TV3-Chef Jürg Wildberger verhandelte in den letzten Wochen mit diversen in- und ausländischen Investoren. Die Tamedia hatte am 21. November den Sender aus wirtschaftlichen Gründen fallen gelassen. Wildberger sah dennoch gute Chancen, dass der Unterhaltungs-Sender gerettet werden könnte.
Für einen Verhandlungserfolg sei jetzt aber die Zeit zu knapp gewesen, sagte Wildberger. Mit wem er verhandelte, wollte er nicht bekannt geben. Die Ausgangslage war laut TV3-Mediensprecherin Andrea Hemmi schwierig, nachdem sich Tamedia im Oktober noch hinter den Sender gestellt und ein Monat später plötzlich die Unterstützung entzogen habe.
Sozialplan für 5 Mio. Franken
Über seine berufliche Zukunft konnte Wildberger keine Angaben machen. Sicher ist, dass die 85 Angestellten des Tamedia-Senders definitiv ihren Job verlieren.
Sie hatten bereits Ende November die Kündigung erhalten und wären wieder angestellt worden, falls die Verhandlungen zum Erfolg geführt hätten. Für sie tritt jetzt der durch die Gewerkschaften bereits genehmigte Sozialplan in Kraft. Er kostet Tamedia laut Mediensprecher Peter Hartmeier 4,5 bis 5 Mio. Franken.
Untergang mit «Titanic»
Am 22. Dezember flimmert die letzte TV3-Sendung über den Bildschirm, zuletzt wird sinnigerweise der Spielfilm «Titanic» gezeigt. Offen ist laut Tamedia-Mediensprecher Peter Hartmeier noch die Einigung mit den Gläubigern. Dabei gehe es um mehrere Millionen Franken. Ob man sich aussergerichtlich einigen könne, oder ob der Sender letztlich in Konkurs geht, ist laut Tamedia noch offen.
Der letzte grosse TV-Privatsender in der Schweiz startete vor zwei Jahren. Nach dem Rückzug der 50-Prozent-Partnerin SBS Broadcasting SA Anfang dieses Jahres musste Tamedia den hoch defizitären Sender allein finanzieren.
Mit den auf rund 20 Mio. Franken geschätzten Schliessungskosten hat Tamedia mit seinem TV-Abenteuer rund 110 Mio. Franken in den Sand gesetzt.
swissinfo und Agenturen
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