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Die Schweiz wird sich aus der Affäre ziehen

In der Irak-Krise stehen sich zwei Weltsichten gegenüber. Keystone

Die Schweizer Wirtschaft fürchtet die Folgen der Irak-Krise. Umso mehr, als diese ihre wichtigsten Partner spaltet.

Aber wie schon früher wird sich die Schweiz auch diesmal aus der Affäre ziehen. Was auch immer geschieht.

Rund die Hälfte der Exporte unseres Landes gehen in die Mitgliedsländer der Europäischen Union.

«Aber», räumt der Direktor von economiesuisse, Rudolf Ramsauer, gegenüber swissinfo ein, «der zweitwichtigste Absatzmarkt für Schweizer Exportprodukte sind die USA. Und dorthin gehen die meisten Schweizer Direktinvestitionen.»

Die Schweizer Arbeitgeber hoffen deshalb, dass das diplomatische Seilziehen zwischen den Mitgliedern des UNO-Sicherheitsrats zu einer Einigung führt.

Die Glaubwürdigkeit der UNO

Ein Kompromiss wäre umso wichtiger, als die Glaubwürdigkeit der UNO auf dem Spiel steht.

«Eine Schwächung internationaler Organisationen wie UNO und WTO ist überhaupt nicht in unserem Interesse», erklärt der Direktor der Dachorganisation der Schweizer Unternehmen. «Denn diese bieten der Wirtschaft einen stabilen und vorhersehbaren Rahmen.»

Dieser institutionelle Rahmen könnte von der ganzen Affäre ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen werden, betont Victor-Yves Gebali, Professor am Universitäts-Institut für Internationale Studien in Genf (HEI), gegenüber swissinfo.

«In der Irak-Krise stehen sich zwei Weltsichten gegenüber», sagt Gebali, der auf Sicherheitspolitik spezialisiert ist.

«Einerseits», so Gebali, «haben wir jene, die an der internationalen Rechtmässigkeit festhalten, eine Linie, die vor allem von Frankreich und Deutschland verfochten wird. Auf der anderen Seite sind die USA eine Supermacht, die von ihrer eigenen Vormachstellung überzeugt ist und ihr Gesetz, das Gesetz des Stärkeren, auf internationaler Ebene durchsetzen will.»

Die Schweizer Diplomatie hat sich entschieden

Die Schweiz – zumindest ihr Aussenministerium – hat sich für ein Lager entschieden: Sie schliesst sich den Anhängern der Rechtmässigkeit an. Und ihre Position steht mehr oder weniger im Einklang mit jener Frankreichs.

Die helvetische Diplomatie hat das Einstehen des Bundes für eine Verhandlungslösung mehrmals klar und deutlich festgehalten. Und zwar im Rahmen der Vereinten Nationen. Gerade diese Woche hat UNO-Botschafter Jenö Staehelin diese Position in New York wiederholt.

Fragt sich, ob sie haltbar ist. Ob sie im Fall von militärischen Operationen seitens der USA und ihrer britischen Alliierten, unter Missachtung der UNO, nicht wirtschaftlichen Schaden anrichtet.

«In dieser Krise», meint Gebali, «muss man sich zwischen wirtschaftlichen Interessen und der Respektierung der demokratischen Werte entscheiden.»

Der auf Gegenwartsgeschichte spezialisierte Historiker Hans-Ulrich Jost ist überzeugt, «dass die Schweizer Regierung weiss, wie sie mit ihren Partnern, insbesondere mit den USA, umgehen muss». Das zeigten die Schritte an, die Bundespräsident Pascal Couchepin bereits unternommen habe.

Couchepin arbeitet für die Wirtschaft

Es ist denn auch kein Zufall, dass Pascal Couchepin seine Bereitschaft für ein Treffen mit US-Präsident George W. Bush anlässlich des kommenden G8-Gipfels sehr früh zu erkennen gab.

Couchepin ist zwar nicht mehr Wirtschaftsminister, doch laut Jost steht der Bundespräsident trotzdem weiter für die Schweizer Wirtschaft ein.

«Die Schweiz hat sich seit ihrer Gründung immer als kleines Land ohne Ressourcen dargestellt», betont der Historiker. «Dabei zählt sie seit einem guten Jahrhundert zu den fünfzehn wichtigsten Wirtschaftsmächten der Welt.»

Unser Land habe seine Aussenpolitik zugunsten eines wirtschaftlichen Opportunismus aufgegeben, der schliesslich immer auf der Seite der Stärkeren stehe, sagt Jost. «Aber die Schweiz vergisst dabei nicht, auch auf die anderen Rücksicht zu nehmen.»

swissinfo, Frédéric Burnand, Genf

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