Presseschau vom 24.09.2003
"Kein Grund zu Euphorie"; Die Schweizer Presse ist skeptisch, ob der Beitritt zur Allianz Oneworld die richtige Lösung für die Probleme der Swiss sei. Doch es habe keinen anderen Weg gegeben, so der Tenor.
Zustimmung gibts vor allem aus der Westschweiz.
Bereits bei ihrem Start war für die Swiss klar, dass sie eine Allianz finden müsse. Nun, rund zwei Jahre später, kam der Beitritt zu Oneworld.
«Das von einer verwöhnten Piloten-Kaste bedrängte Management tat sich schwer, die dazu notwendigen Entscheide zu fällen. (…) Und während dieser zwei Jahre leerte sich die Swiss-Kasse», schreibt der TAGES-ANZEIGER.
Die Arbeit habe erst begonnen, so das Blatt weiter: «Die Swiss-Führung muss jetzt alte und neue Kreditgeber von der Nachhaltigkeit dieser Strategie überzeugen. Als kleine Gesellschaft läuft die Swiss andernfalls Gefahr, im weltweiten Bereinigungsprozess nicht mithalten zu können: Denn Allianzen sind kein Ersatz für Cash.»
«Mangelndes Vertrauen der Banken»
Skeptisch ist auch die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG. Sie sieht ebenfalls Probleme beim Geld:
«Was bringt nun der britische Partner? Würde British Airways die Rolle des Retters übernehmen, wenn es hart auf hart käme? Die Frage ist wohl zu verneinen. (…) Die Tatsache, dass trotz Vollbeitritt zu Oneworld und trotz einem Sonderabkommen mit British Airways der seit Monaten diskutierte Betriebskredit noch immer nicht zustande gekommen ist, spiegelt mangelndes Vertrauen der Banken und der Investoren.»
Die Westschweizer Wirtschaftszeitung L’AGEFI ist der Meinung, die wirtschaftliche Situation der Swiss habe sich substanziell verbessert. Aber damit sei die Finanzkrise, in der die Fluggesellschaft stecke, jedoch noch lange nicht behoben.
Die NEUE LUZERNER ZEITUNG bewertet deshalb die Allianz bloss als «Teilerfolg, mehr noch nicht».
Das sieht auch der Berner BUND ähnlich. Doch der Kommentator verweist noch auf ein anderes Problem: «Die Einheitskosten müssen weiter gesenkt werden. Hier muss der Fokus des Managements, das bisher nicht immer gute Figur machte, liegen.»
«Keine andere Wahl»
Es gebe wirklich «keinen Grund zu Euphorie», schreibt die BERNER ZEITUNG. «Die Swiss hat für den Allianzbeitritt einen hohen Preis bezahlt. Doch sie hatte letztendlich keine andere Wahl.»
Gleicher Ansicht ist die BASLER ZEITUNG. Die BAZ blickt zudem nach vorne:
«Was kommt nach der Allianz? Eine Beteiligung der Briten an Swiss? Ein Aufkauf? BA-Chef Rod Eddington (…) schloss gestern nicht aus, dass BA eine Beteiligung ‚in Erwägung‘ zieht. Das wiederum könnte die Vorstufe einer Fusion sein.»
Für den Moment zumindest sieht die AARGAUER ZEITUNG das anders. Die Swiss bewahre weitgehend ihre Selbstständigkeit, der Hub Zürich seine strategische Bedeutung und «der Brand Swiss wirkt in der anglosächsischen Welt stärker als in Deutschland. Emotional bewahren wir die nötige Distanz zum Grossen Bruder.»
Auch Lob für Dosé
Während auch die AZ das Management der Swiss kritisch beurteilt, titelt der BLICK: «Swiss-Dosé: Richtig mutig!» Und weiter: «Dosé und die Swiss-Spitze haben entschieden. Richtig entschieden.»
Dosé verkörpere «den Kampf für seine Idee, die Swiss, die Schweiz».
Lobende Worte findet auch der Kommentator der SÜDOSTSCHWEIZ: Dem in der Vergangenheit viel gescholtenen Swiss-Konzernchef André Dosé müsse für einmal ein «Kränzchen gewunden werden». Dass die Swiss mit Oneworld und British Airways als starke Partner auf deutlich festeren Beinen stehe als alleine, sei unbestritten.
Westschweizer Presse begrüsst Schritt
«Swiss sort enfin de son isolement» – Swiss tritt endlich aus der Isolierung heraus, titelt LE TEMPS. Nun gehe es primär darum, die Negativspirale ins Positive zu transformieren.
Für die TRIBUNE DE GENEVE stellt die Allianz mit Oneworld ebenfalls eine bessere Lösung dar als ein Entscheid für Lufthansa. Die Swiss behalte so ihre Unabhängigkeit und bleibe dennoch nicht isoliert.
Die bisherigen acht Mitglieder der Oneworld gratulieren der Schweizer Airline übrigens im BLICK zu ihrem Allianzbeitritt. So zum Beispiel die Finnair:
«Swiss on myös Finnairin pitkäaikainen, hyväja laadukas kumppani!» – Mit der Swiss arbeitet Finnair seit langem zusammen, sie ist ein guter und verlässlicher Partner.
swissinfo, Eva Herrmann
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