SARS eines von vielen Problemen der Swiss
Irak-Krieg, Lungenseuche SARS und ungenügende Sitz-Auslastung sind Probleme, welche die Airline Swiss im ersten Quartal 2003 belasteten. Die ganze Branche kämpft mit Überkapazitäten.
Experten und Politiker sehen die Zukunft der Airline unsicherer als je.
Die Swiss ist schlecht ins neue Jahr gestartet. Am Mittwoch gab das Unternehhmen die Zahlen fürs erste Quartal dieses Jahres bekannt: Transportiert wurden 2,7 Mio. Passagiere, geflogen wurden 56’552 Flüge, der Sitzladefaktor belief sich auf 67,9%.
Im Europaverkehr lag dieser Faktor bei 49,6%, in der Vergleichsperiode vom letzten Jahr noch bei 50,1%. Im Interkontinental-Verkehr betrug die Auslastung 77,2%. Vergleichszahlen zum Vorjahr gibt es bei der jungen Airline noch keine.
Kurzarbeit bei Lufthansa
Auch die Konkurrenz hat Probleme: Lufthansa gab am Mittwoch eine Gewinnwarnung aus. Die Lage nach dem letzten Quartal – wo die Sitzauslastung noch bei 68,4% gelegen hatte – habe sich dramatisch verschlechtert. Fürs Bodenpersonal in Deutschland wurde Kurzarbeit angeordnet. Die Flüge nach Kuwait bleiben weiterhin gestrichen.
Streckennetz angepasst
Auch bei Swiss sind wegen des Irak-Kriegs Flüge in den Nahen Osten betroffen; Kairo wird deshalb nur noch viermal wöchentlich angeflogen.
Das Netz nach Südostasien wurden ebenfalls gelichtet: Der Montagsflug nach Tokio fiel der mangelnden Nachfrage zum Opfer, ebenso der Rückflug am Dienstag.
Weitere Abstriche seien nicht ausgeschlossen, erklärte Swiss-Sprecher Jean-Claude Donzel.
Swiss hat für Mai einen neuen Businessplan angekündigt. Bisher konnte die Swiss noch nicht überzeugen, die Skepsis in der Schweiz wächst.
Bundesrat besorgt
Der Schweizer Wirtschaftsminister Joseph Deiss zeigte sich am Montag äusserst besorgt über die Swiss. «Es müssen unbedingt ein paar Entscheide fallen», erklärte er, und rief die Fluglinie auf, jene Geschäftsbereiche abzustossen, die Verluste bringen.»Als Volkswirtschaftsminister kann ich nur sagen, dass ich besorgt bin», fügte er bei.
«Ich würde keine Aktien der Swiss kaufen», erklärte Patrik Schwendimann, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank, gegenüber swissinfo. «Die Swiss muss besser werden. Das bedeutet, dass ein weiterer Kostenabbau nötig ist.»
Krisengipfel von Dosé
Die Fluglinie hat in letzter Zeit wenig getan, um das Gefühl einer drohenden
Krise zu zerstreuen. Letzte Woche berief CEO André Dosé einen Dringlichkeitsgipfel zwischen der Regierung, der Swiss sowie der Zürcher Flughafengesellschaft Unique ein.
Voller Betriebsamkeit reiste Dosé ausserdem nach Brüssel, um sich mit der Verkehrskommissärin der Europäischen Union zu treffen, und in Bern führte er Gespräche mit dem Schweizer Verkehrsminister Moritz Leuenberger.
Die Treffen wurden von ständigen Spekulationen in den Medien begleitet, Dosé werde bald um staatliche Hilfe nachsuchen.
Laut unbestätigten Berichten der Sonntagspresse soll es einen Plan geben, wonach die Flotte der Fluglinie verkleinert und das Geschäft in Lang- und Kurzstreckenflüge aufgeteilt werden soll.
Keine Hoffnung auf Subventionen
Letzten Monat wies die Leitung der Swiss für 2002 einen Verlust von 980 Mio. Franken aus. Ausserdem warnte sie, dass 2003 das härteste Jahr in der Geschichte der Luftfahrtindustrie werde.
Zwar bestreiten nur wenige in der Schweiz, dass die Fluglinie gefährlich nahe am Abgrund fliege, doch die Politikerinnen und Politiker des Landes sprachen sich kategorisch gegen weitere Finanzspritzen aus.
In den letzten Tagen schlossen alle politischen Lager weitere Gelder für die Fluglinie aus. Nur die Sozialdemokratische Partei liess die Möglichkeit von Subventionen offen.
Keinen Streit mit der EU provozieren
Laut Pierre Condom, Herausgeber einer Monatszeitschrift für die Luftfahrt, wird die Regierung keinen Streit mit der EU riskieren, indem sie die Swiss subventioniert. «Die Europäische Kommission wird niemals einer weiteren Finanzspritze für die Swiss zustimmen, zumindest nicht kurzfristig», sagte Condom.
ZKB-Analyst Schwendimann sieht es ähnlich. Er geht davon aus, dass die Swiss höchstens Staatssubventionen erwarten kann, wenn andere europäische Staaten ihre eigenen nationalen Fluglinien finanziell unterstützen. «Doch in der heutigen Zeit können europäische Fluglinien kaum mit Staatshilfe rechnen. Sie müssen selber den Weg aus der Krise finden», meint er.
Angeschlagener Nationalstolz
Wenn der Bundesrat der Swiss nicht weiter helfen will, dürfte dies harte Folgen haben für die Gesellschaft. Condom glaubt aber, dass die Regierung kaum weiteres Geld einschiessen wird. «Das ist ein politisches Problem, aber ich glaube, es ist nicht mehr das gleiche wie damals bei der Swissair.» Er fügt bei: «Meinungsumfragen zeigten, dass die Schweizer Bevölkerung heute viel weniger zu weiteren Zahlungen bereit ist».
Condom glaubt auch, dass der Wunsch der Öffentlichkeit nach einer Fluglinie abnimmt, welche den Nationalstolz spiegelt – und das war der wichtigste Grund, warum die Swiss nahezu eine Mrd. Franken aus der Bundeskasse erhielt.
«Die Leute wollen eine Fluglinie, die der Schweiz etwas bringt, nicht einfach eine Schweizer Fluglinie.»
Allianzfrage und Albtraumszenario
Alle Airlines kämpfen mit der gegenwärtigen Lage. «Das ist ohne Zweifel das Schlimmste, das ich je gesehen habe», sagte Rod Eddington, Chef von British Airlines (BA). Eddington sagte, dass BA sich im Moment auf die eigene finanzielle Stabilität konzentriere und keine neue Allianzen in Betracht ziehe. Was natürlich ein Schlag ist für die Swiss, die hoffte, der Oneworld Alliance von BA beizutreten.
Die ganze Branche bereitet sich nun aufgrund der gleichzeitigen Auswirkungen der Problem-Faktoren auf ein Albtraumszenario vor. «Es ist eine gefährliche Zeit für die Swiss. Sie ist eine junge Gesellschaft», erklärte Experte Condom. Sollte das Katastrophen-Szenario eintreten, würde die Swiss als eine von vielen Fluglinien untergehen. Condom: «Letzen Endes wäre der Untergang der Swiss ein unwichtiges Ereignis mitten in einem Katastrophenszenario.»
swissinfo, Jacob Greber
Swiss transportierte im ersten Quartal 2003 2,7 Mio. Passagiere.
Der Sitzladefaktor betrug 67,9%.
Die ganze Branche leidet unter dem Irak-Krieg und SARS-Angst. Lufthansa führte Kurzarbeit ein.
Letzte Woche berief Swiss-Chef André Dosé eine Dringlichkeits-Sitzung ein.
Im März meldete Swiss einen Verlust von 980 Mio. Franken im letzten Jahr.
Im Mai soll eine neuer Businessplan veröffentlicht werden.
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