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Schnell von Osten nach Westen

Die Eisenbahnfahrt aus dem Tessin in die Romandie könnte eine Stunde kürzer werden. swissinfo.ch

Mit einer kurzen Bahnstrecke zwischen der Schweiz und Italien könnte die Fahrt vom Tessin in die Westschweiz stark verkürzt werden. Nun droht dem Projekt das Aus.

Das Tessin wirft dem Bund vor, seiner Umverlagerungs-Politik untreu zu werden.

Umständlich ist es heutzutage, mit dem Zug von Lugano nach Lausanne zu fahren.

Entweder fährt man nach Mailand und steigt dort auf die Simplonlinie (Mailand-Domodossola-Brig) wieder in Richtung Schweiz um.

Oder man gelangt via Bellinzona, Locarno und die Centovalli-Bahn nach Domodossola (Italien), um dort den Schnellzug in Richtung Wallis und Lausanne zu nehmen.

Umständlich und zeitaufwändig

Die zweite Variante bedingt mehrfaches Umsteigen. Und beide Varianten benötigen viel Zeit: Fast fünf Stunden dauert eine Zugreise von Lugano nach Lausanne.

Dank des Neubaus einer sieben Kilometer langen Strecke zwischen Stabio und Arcisate (Italien) könnte die Zugreise von fast fünf auf knapp vier Stunden verkürzt werden.

Die Strecke würde eine Lücke zwischen Mendrisio, Varese und Gallarate schliessen.

Grenzüberschreitende S-Bahn

Das Bahnprojekt stellt praktisch eine Verbindungs-Strecke zwischen der Gotthard- und der Simplonlinie nördlich von Mailand dar.

Es hat auch für den Regionalverkehr eine grosse Bedeutung: Es erlaubt einen schnellen Bahnanschluss des Tessins an den Flughafen Mailand-Malpensa. Die Fahrt Lugano-Malpensa würde nur noch 50 Minuten dauern.

Ausserdem würde es eine schnellere Verbindung zwischen Como und Varese via Mendrisio ermöglichen.

Für viele vorteilhaft

Zudem hätten viele Grenzgänger aus dem Raum Varese, die ins Tessin zur Arbeit kommen, eine vernünftige Alternative zu den chronisch verstopften Strassen. Stabio-Arcisate ist deshalb ein Teil des S-Bahn-Projekts Lugano-Mendriso-Varese-Malpensa.

Der Kanton Tessin, die Region Lombardei, die SBB und die italienischen Staatsbahnen (FS) haben sich bereits auf die Realisierung des grenzüberschreitenden Projekts geeinigt.

Gemeinsam finanzieren sie die Vorstudien, die sich in der Abschlussphase befinden. Kostenpunkt: Fast 1 Million Franken.

Finanzierung nicht besprochen

Doch jetzt ist die Zukunft des sicher geglaubten Projekts plötzlich in Frage gestellt: Die Schweizer Regierung hat in ihren Vorschlägen zur Sanierung der Bundesfinanzen die möglichen Kredite für die Verwirklichung der Bahnlinie Stabio-Arcisate gestrichen.

Anders gesagt: Die Finanzierung soll nicht in die Leistungsvereinbarung mit den SBB aufgenommen werden.

Tessin überrascht

«Dies hat uns sehr überrascht», erklärt Maurizio Giacomazzi, der für die Planung dieser Eisenbahnlinie zuständige Ingenieur im Tessiner Verkehrs- und Baudepartement. Allerdings räumt er ein, dass über die Finanzierung des Baus bisher nie konkret mit dem Bund gesprochen wurde.

Immerhin geht es um rund 120 Mio. Franken Schweizer Beteiligung an einem Projekt, dessen Gesamtkosten sich laut Giacomazzi auf 400 Mio. Franken belaufen.

Eigentlich hätten die Bauarbeiten im Jahr 2007 beginnen sollen. Die Bauzeit wird auf drei Jahre geschätzt.

Protest aus dem Süden

Obwohl bis zum Parlamentsentscheid über das bundesrätliche Sparprogramm nichts definitiv entschieden ist, läuten südlich des Gotthards bereits die Alarmglocken.

Der Tessiner Staatsrat hat diese Woche in einem Brief an den Bundesrat seine entschiedene Opposition gegen die allfälligen Streichpläne ausgedrückt.

Im eidgenössischen Departement für Umwelt, Verkehr und Kommunikation (UVEK) hat man durchaus ein offenes Ohr für die Proteste. Doch wenn kein Geld da ist, müsse irgendwo gespart werden. Vor allem bei Projekten, für die man noch keine Verpflichtung eingegangen ist, wie es heisst.

swissinfo, Gerhard Lob

Die geplante Bahnlinie zwischen dem Schweizer Grenzort Stabio und dem italienischen Arcisate würde die Zugfahrt von Lugano in die Westschweiz um rund eine Stunde verkürzen.

Nun will der Bundesrat das Projekt nicht finanzieren. Es fällt dem Spar-Programm zum Opfer, wenn das Parlament nicht noch interveniert.

Das Tessin hat protestiert und dem Bund vorgeworfen, sich in Sachen Verkehrspolitik gegenüber Italien unglaubwürdig zu machen.

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