Arbeitslosigkeit gestiegen
93'714 Menschen waren in der Schweiz im Januar 2002 als erwerbslos gemeldet. Dies ist der höchste Stand seit Mai 1999.
Die Arbeitslosigkeit in der Schweiz hat im Januar 2002 weiter zugenommen. Die Arbeitslosen-Quote kletterte auf 2,6 Prozent, nachdem sie im Dezember 2001 noch bei 2,4 Prozent gelegen hatte.
Deutlich der Vergleich mit dem Januar 2001: Vor Jahresfrist hatte die Arbeitslosen-Quote 2,0 Prozent betragen.
Anstieg auch bei den Stellen Suchenden
Verglichen mit dem Vormonat waren 7687 Personen mehr betroffen, teilte das Staatssekretariat für Wirtschaft (seco) am Montag mit. Letztmals waren im Mai 1999 mehr Menschen in der Schweiz ohne Arbeit gewesen.
Auch die Zahl der Stellen Suchenden stieg im Januar 2002 deutlich um 8594 auf 138’443. Die gemeldeten offenen Stellen nahmen um 43 auf 9531 Stellen zu.
Saisonale und konjunkturelle Gründe
«Die Zunahme entspricht unseren Erwartungen, die wir aufgrund der Entwicklung Ende letzten Jahres hatten», sagte der Leiter der Direktion Arbeit beim seco, Jean-Luc Nordmann. Für den Anstieg seien je zur Hälfte saisonale und konjunkturelle Gründe verantwortlich.
Mehr Kurzarbeit…
Die Zukunft sei von zwei gegenläufigen Entwicklungen geprägt. Einerseits habe man eine relativ hohe Zahl von Kurzarbeit: Erfahrungsgemäss könnten aus dieser Lage Entlassungen entstehen. Insgesamt hat im vergangenen Jahre eine Verdreifachung der Kurzarbeit stattgefunden.
… aber auch bessere Konsumenten-Stimmung
Auf der anderen Seite sei die Konsumenten-Stimmung wieder besser. Dies zeige, dass die konjunkturelle Talsohle wohl erreicht sein dürfte, sagte Nordmann. Auf diesem Niveau dürfte sich die Lage einpendeln und allmählich wieder besser werden.
100’000 Arbeitslose kurzfristig möglich
«Wir rechnen im Moment noch mit rund 80’000 Arbeitslosen im Jahresschnitt», sagte Nordmann weiter. 2001 waren es noch 67’000 Personen gewesen. Allerdings ist auch Nordmann klar, dass die 80’000 eher auf der optimistischen Seite sind: Wahrscheinlich werde man etwas darüber liegen, so der Direktor.
Konkrete Aussagen könne man erst Anfang April machen, wenn die Drei-Monatszahlen vorlägen. Ob die Talsohle bei der Arbeitslosigkeit erreicht sei, sei schwierig zu sagen.
«Es ist durchaus denkbar, dass wir die psychologische Grenze von 100’000 Arbeitslosen kurzfristig überschreiten», sagte Nordmann weiter.
Gewerkschaften: Keine Besserung in nächsten Monaten
Die Befürchtung eines weiteren Ansteigens der Erwerbslosigkeit teilt auch Serge Gaillard, Sekretär des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB). Eventuell gebe es eine Entlastung ab März aus saisonalen Gründen. Eine wirkliche Besserung sei aber in den nächsten Monaten nicht in Sicht. Für Februar rechnet Gaillard mit 96’800 Arbeitslosen.
Genf mit höchster Arbeitslosen-Quote
Besonders stark ist – gegenüber dem Vormonat – die Arbeitslosigkeit in der Westschweiz und im Tessin gewachsen. Der Kanton Jura musste mit 0,6 Prozentpunkten den höchsten Anstieg (auf 3,5 Prozent) der Arbeitslosen-Quote des ganzen Landes hinnehmen. Die höchste Arbeitslosenquote der Schweiz hat der Kanton Genf mit 5,1 Prozent.
Einfluss des Swissair-Debakels
In der Deutschschweiz stieg die Quote am markantesten in den Kantonen Glarus (+0,4 Prozentpunkte), Thurgau, Schaffhausen und Zug (je +0,3 Prozentpunkte). Auch der Kanton Zürich musste erneut einen Anstieg (+0,2 Prozentpunkte) hinnehmen.
Einen Einfluss hatte die Pleite der Swissair, von der 1305 Personen arbeitslos gemeldet waren. Die Zahl Arbeitsloser von den Swissair-Zulieferbetrieben sei dagegen nicht eindeutig zu ermitteln, so Nordmann.
Gesunken ist die Arbeitslosigkeit einzig in Ob- und Nidwalden, während sie in Uri stagnierte. Die niedrigste Quote hat Appenzell Innerrhoden mit 0,6 Prozent.
swissinfo und Agenturen
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