Bedeutende archäologische Funde in Liestal
Archäologen haben in Liestal rund 7'500 Jahre alte steinzeitliche Keramikscherben und Feuerstein-Werkzeuge entdeckt. Es handelt sich um die frühesten bekannten Hinweise auf eine sesshafte Bevölkerung in Mitteleuropa.
Kantonsarchäologe Jürg Tauber wertete die Funde vom Baselbieter Kantons-Hauptort am Mittwoch als «sensationell». An einem frisch angelegten Strassenbord fand man zuerst regelmässige Klingen und Lamellen aus Silex (Feuerstein). Ihre Bearbeitungs-Technik erinnere an Funde der Spätphase der Mittleren Steinzeit.
In der Folge fand man eine etwa 2 Zentimeter lange asymmetrische Pfeilspitze aus Silex und einen knapp 9 Zentimeter langen Meissel aus geschliffenem Felsgestein. Solche Funde seien typisch für die früheste Phase der Jungsteinzeit (etwa 5500 v.Chr.).
Gar eine «eigentliche Sensation» sei eine rund 7 Zentimeter lange, mit Einstichen verzierte Keramik-Scherbe. Solche Keramik wird nach einem Fundort in der Normandie Typ «La Hoguette» genannt. Die Herkunft dieses Keramik- und Verzierungsstils wird aus dem Bereich der spanisch-französischen Mittelmeerküste angenommen.
Zweiter Nachweis in der Schweiz
Im Frankreich und Deutschland kommt diese Keramik öfters zusammen mit der älteren «Linearband-Keramik» vor. Die nach dieser typischen Keramik benannte Kultur stammt ursprünglich aus dem Donauraum. Sie erreichte in der zweiten Hälfte des 6. Jahrtausends v.Chr. den Rhein, wo sie auf die ansässige «La Hoguette»-Kultur stiess.
Mit der Entdeckung dieser «ausserordentlich bedeutenden» Fundstelle gelang der zweite «La Hoguette»-Fundnachweis in der Schweiz. Die andere Fundstelle liegt im Kanton Neuenburg. Der Liestaler Fund liefert zudem laut Tauber einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der Neolithisierung der Westschweiz.
Zur Zeit wird die Grabung fortgesetzt. Bisher konnten weitere der typisch verzierten Scherben geborgen werden. Daneben finden sich Silexobjekte, kleine Knochen-Fragmente und Holzkohle. Eine Datierung mit Hilfe des radioaktiven Kohlenstoffs 14C ist noch vorgesehen.
swissinfo und Agenturen
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