Hektische Zeiten im Flughafen-Pfarramt
Die Zahl der seelsorgerischen Gespräche im Zürcher Flughafen-Pfarramt mit Swissair-Angestellten ist markant angestiegen. Sie leiden unter anderem an traumatischen Symptomen.
Während der reformierte Flughafen-Pfarrer Walter Meier und sein katholischer Arbeitskollege vor dem Debakel noch drei bis fünf Mitarbeiter-Gespräche pro Tag führten, hat sich diese Zahl nun auf fünf bis zehn erhöht. Probleme bereite vor allem die Unsicherheit. «Die Mitarbeiter fragen sich, ob sie den blauen Brief nun erhalten oder nicht», sagt Meier.
Zum Teil wie gelähmt
Die Reaktionen seien sehr unterschiedlich. Während sich einige der Betroffenen bereits nach einer neuen Anstellung umsehen, könnten andere nur sehr schwer mit der Situation umgehen. Sie sind wie gelähmt und klagen teilweise über traumatische Symptome wie Appetitlosigkeit, sagt der Pfarrer. Sogar Selbstmord-Gedanken seien in den Gesprächen schon zum Vorschein gekommen
Zuhören und Hilfe vermitteln
Das Wichtigste an diesen Kriseninterventions-Gesprächen sei das aufmerksame Zuhören. «Es verliert die schwerste Bürde die Hälfte ihrer Last, wenn man davon reden kann», zitierte Meier den Schweizer Schriftsteller und Pfarrer Jeremias Gotthelf. Falls seelsorgerische Unterstützung nicht ausreiche, stellt Meier oder einer seiner Mitarbeiter den Kontakt zu ärztlicher oder therapeutischer Hilfe her.
Ein ganzes Team ist bereit
So habe sich beispielsweise eine Swissair-Angestellte nach einem Gespräch mit dem Seelsorger am späten Freitagabend entschlossen, sich in eine stationäre Therapie zu begeben.
Am Montag wurde gemäss Meier eine grosse Anzahl von Kündigungs-Schreiben verschickt. Aus diesem Grund steht vom Dienstag an ein ganzes Team von Seelsorgern bereit, um den betroffenen Angestellten emotional zur Seite stehen.
swissinfo und Agenturen
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