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Milzbrand-Angst erreicht auch die Schweiz

Trotz der angsteinflössenden Schutzanzügen (im Bild die Feuerwehr in Frankfurt) ist in der Schweiz Hysterie verfehlt. Keystone

Die Chemiefirma Novartis untersucht zurzeit ein unidentifiziertes Pulver, das einem Mitarbeiter in einem Brief zugeschickt wurde. Gleichzeitig haben die Behörden festgestellt, dass für den Notfall genügend Antibiotika zur Verfügung stünde.

Woher der Brief kam, den der Novartis-Mitarbeiter letzten Dienstag erhielt, ist unklar. Der Absender habe nicht eruiert werden können, das Couvert sei wahrscheinlich entsorgt worden, sagte der Sprecher des Bundesamtes für Gesundheit (BAG), Lorenz Hess.

Durch die Medieninformationen über die Milzbrandfälle (Anthrax) in den USA sensibilisiert, hat der Mitarbeiter am Sonntag seinen Vorgesetzten informiert. Er wird nun ärztlich untersucht und vorsorglich behandelt.

Am Montag traf eine weitere verdächtige Postsendung bei einer Privatperson in Basel-Stadt ein, wie der Regierungsrat mitteilte. Beim Empfänger handle es sich um keine öffentlich bekannte Person, sagte Felix Drechsler vom Informations-Dienst.

Das Couvert habe ein Pulver enthalten. Die Untersuchungen der Person und der Substanz nähmen 48 Stunden in Anspruch. Im Gegensatz zum Novartis-Fall seien beim zweiten Verdacht Couvert und Inhalt sichergestellt worden.

Kaum wahrscheinlich

Bei Novartis ist zurzeit eine Untersuchung im Gang. Es werde zudem abgeklärt, ob weitere Mitarbeiter in Kontakt mit der Substanz gekommen sind, teilte das Basler Unternehmen mit.

Auf Grund der Umstände und dem momentanen Stand der Untersuchung sei die Wahrscheindlichkeit gering, dass es sich um analoge Fälle wie in den USA handle, schreibt Novartis. Trotzdem seien die vorsorglichen Massnahmen nötig gewesen. So bald mehr über den Vorfall und Ergebnisse bekannt sei, werde die Öffentlichkeit informiert.

Behörden haben vorbeugende Massnahmen getroffen

Kurz nach dem 11. September hat der Bund eine Kommission ins Leben gerufen, die sich mit B-Waffen auseinander setzte. Unter anderem wurde geklärt, dass in der Schweiz notfalls genügend Antibiotika vorhanden wären. «Man kann sich vor einem Milzbrandbefall zwar nicht schützen, doch die Voraussetzungen für eine effektive Bekämpfung sind vorhanden», sagte Hansruedi Indermühle vom AC-Labor in Spiez. Die Schweizer Ärzte seien nach den Ereignissen in den USA nun auf das Thema sensibilisiert.

Labor zur Untersuchung von B-Waffen

Zurzeit ist auch in Diskussion, ob ein Sicherheitslabor eingerichtet werden soll. Das Projekt befindet sich in den Händen des Bundesamtes für Gesundheit und des Militärs.

Die Fachkompetenzen des Bundes müssten im so genannten B-Bereich verbessert werden, sagte der Sprecher Indermühle am Sonntag zu einem Bericht im «SonntagsBlick». In der Schweiz bestünden schon seit längerem Pläne, ein solches Labor zu bauen. Durch die jüngsten Nachrichten aus den USA über Milzbrandbefall hätten die Pläne neue Aktualität bekommen. Ein definitiver Entscheid stehe noch aus.

Zudem würde an weiteren Informationskampagnen gearbeitet, in die auch die kantonalen Polizeikorps mit einbezogen würden.

Nicht auf Panik machen

Für den Militär- und Strategie-Experten Kurt Spillmann ist die Gefahr von massiven Anschlägen auf die Schweiz gering. «Die Schweiz ist kein primäres Ziel der Al Kaida, auch wenn wir zur westlichen Zivilisation gehören», sagte er gegenüber swissinfo.

swissinfo und Agenturen

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