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Tempo 80 gegen zu hohe Ozonwerte

Seit Dienstag fährt man auf Tessiner Autobahnen nur noch mit 80 km/h (statt 120). Keystone Archive

Im Kampf gegen die hohen Ozonwerte haben die Kantone Graubünden und Tessin die Geschwindigkeitsgrenze auf Autobahnen auf 80 Stunden-Kilometer festgesetzt.

Der Bund will die Massnahme aber nicht auf das gesamte Schweizer Autobahnnetz ausdehnen.

«Man konnte nicht weiter nur zusehen … Wir mussten etwas tun!» erklärt Marcello Bernardi, Leiter der Abteilung Umwelt im Departement für Raumentwicklung des Kantons Tessin.

Wegen der langen Hitzeperiode (am Montag stieg das Thermometer in Locarno-Monti auf 37,9 Grad) lag der Ozonwert in den letzten Tagen weit über 300 Mikrogramm pro Kubikmeter. Der vom Bund festgelegte Grenzwert liegt aber bei 120 µg/m³.

Deshalb hat das Tessin beschlossen, auf den Autobahnen Tempo 80 einzuführen. Die Massnahme gilt nur für eine Woche. «Aber wenn die Hitzewelle andauert, werde ich eine Verlängerung verlangen», präzisiert Bernardi.

Wirksamkeit umstritten

Bisher folgte nur der Kanton Graubünden dem Tessiner Beispiel. Der Bund will die Massnahme dagegen nicht auf das gesamte Schweizer Autobahnnetz ausdehnen.

«Eine Geschwindigkeitsreduktion hat nur sehr begrenzte Auswirkungen auf die Ozonkonzentration», stellt Bruno Oberle, Vizedirektor des Bundesamtes für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL) fest.

«Sie hilft aber, die Bevölkerung zu sensibilisieren», fügt der Spezialist in Umweltwissenschaften bei. «Umso mehr, als im Tessin die Massnahme mit einer Verbilligung des öffentlichen Verkehrs einhergeht.»

Im Moment sieht Bern also keine Dringlichkeitsmassnahme gegen die hohen Ozonwerte vor. «Unsere Arbeit ist auf Langfristigkeit angelegt», präzisiert Oberle. «Nur damit kann etwas bewirkt werden.»

«Ein Skandal!»

«Bern legt Grenzwerte fest, tut aber nichts, wenn diese überschritten werden … Ein Skandal!», findet Adrian Schmid vom Verkehrsclub der Schweiz (VCS).

«Im Gegenteil, der Bund tut sehr viel», reagiert Oberle. «Aber das ist das Schweizer System: Die Umsetzung der Bestimmungen über die Grenzwerte liegt bei den Kantonen.»

«Ich finde das logisch. So haben die Kantonsbehörden die Möglichkeit, unter Berücksichtigung der lokalen Gegebenheiten ausserordentliche Massnahmen zu ergreifen. Im Tessin zum Beispiel sind die Ozonwerte wegen der Sonneneinstrahlung höher als andernorts.»

Jeder hat eine Lösung



In einem Punkt ist der VCS mit dem BUWAL einig: Es muss unbedingt langfristig etwas getan werden. Schmid begrüsst die Initiative der Kantone Tessin und Graubünden, findet aber, dass drastischere Massnahmen geprüft werden müssten.

Zum Beispiel eine CO2-Lenkungsabgabe oder das so genannte Roadpricing, bei dem Autofahrer eine Gebühr bezahlen müssen, wenn sie in eine Stadt einfahren.

Und die Grünen haben am Dienstag eine Steuer von einem Franken pro Liter Benzin vorgeschlagen. Das würde nach Berechnung der Grünen Partei pro Jahr fünf Milliarden Franken einbringen. Der Erlös sollte für eine Verbesserung des öffentlichen Verkehrs und zur Senkung der Abonnementspreise eingesetzt werden.

swissinfo, Marzio Pescia und Alexandra Richard
(Übersetzung: Charlotte Egger)

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