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Baselbieter Regierungsrat Isaac Reber tritt nach 15 Jahren zurück

Keystone-SDA

Der Baselbieter Regierungsrat Isaac Reber (Grüne) hat am Donnerstag seinen Rücktritt per Ende September 2026 angekündigt. Er war 15 Jahre lang Teil der Kantonsregierung. Die Ersatzwahl findet am 14. Juni statt.

(Keystone-SDA) «Einer kommt, einer geht», sagte Reber im Landrat in Liestal, nachdem der neue Regierungsrat Markus Eigenmann (FDP) angelobt worden war. Reber gehört seit 2011 der Regierung an und war zunächst Sicherheitsdirektor, bevor er 2019 die Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) übernahm. Er hatte dreimal das Regierungspräsidium inne.

«Bereits seit 2019 war ich der Dienstälteste», sagte der 64-jährige Reber vor dem Landrat. Das habe er irgendwann gemerkt. Mit dem Rücktritt von Monica Gschwind (FDP) sei bereits das zweite Regierungsratsmitglied vor ihm gegangen, das nach ihm gewählt worden sei. Der andere solche Magistrat war Thomas Weber (SVP).

Grüne starten Nachfolgeprozess

Die Ersatzwahl von Reber findet am 14. Juni statt, wie die Landeskanzlei mitteilte. Rebers Partei, die Grünen Baselland, haben den Nachfolgeprozess für ihren zurücktretenden Regierungsrat gestartet. Es brauche auch künftig eine grüne Stimme im Regierungsrat, heisst es in einer Mitteilung. Die Nomination erfolge nach den Fasnachtsferien.

«Wir sind parat, motiviert und personell gut aufgestellt. Es gibt mehrere qualifizierte und erfahrene Persönlichkeiten, die für eine Nachfolge in Frage kommen und bereits Interesse am Regierungsamt signalisiert haben», wird Parteipräsident Michael Durrer zitiert.

Die Parteileitung ist überzeugt, dass der freiwerdende Sitz in der Regierung mit einer «starken und breit abgestützten Kandidatur» verteidigt werden kann, wie es weiter heisst.

Seit 2011 in der Regierung

Bei den Gesamterneuerungswahlen im März 2011 schaffte Reber als erster Grüner mit einer auffälligen Wahlplakat-Kampagne den Sprung in die Baselbieter Regierung. Er verdrängte den damaligen Baudirektor Jörg Krähenbühl (SVP) aus der Exekutive.

Reber war schon 2007 zu den Regierungsratswahlen angetreten, verfehlte aber als achter von neun Kandidierenden die Wahlhürde. Der 1961 geborene Reber war vor seinem Regierungsratsmandat als Geograph und Raumplaner tätig und lebt in Sissach, wo er früher auch der Gemeindeexekutive angehörte.

Einen Erfolg an der Urne verbuchte Reber als Bau- und Umweltschutzdirektor bei der Abstimmung über das Energiegesetz im Juni 2024. Dies sieht vor, dass der Anteil erneuerbarer Energien am Gesamtverbrauch ohne Mobilität bis 20230 auf mindestens 70 Prozent gesteigert wird.

Von bürgerlicher Seite wurde Reber wegen des Dekrets zum Ausstieg aus Öl- und Gasheizungen angegriffen. Auf juristischer Ebene konnte sich Reber aber durchsetzen. Das Bundesgericht stützte das Dekret als rechtens, noch offen ist eine Initiative zu diesem Thema.

Ein Grossprojekt, das Reber während seiner Zeit als BUD-Direktor während Jahren beschäftigte, war das Herzstück. Zusammen mit Basel-Stadt machte er sich beim Bund für den S-Bahn-Tunnel mit Haltestellen zwischen dem Bahnhof SBB und dem Badischen Bahnhof stark. Im Herbst 2025 erhielt das Projekt nach einem ETH-Verkehrsgutachten einen Rückschlag, worauf beide Basel auf die Durchmesserlinie als günstigere Alternative setzten.

Rückzug der Velohochbahn

Einen Rückzieher machte Reber im Jahr 2020 bei der Holz-Velohochbahn. In Kritik geriet dieses Vorhaben, weil die Firma von Rebers damaligem Parteikollegen Klaus Kirchmayr den Studienauftrag hätte erhalten sollen. Nach Filz-Vorwürfen sistierte Reber die geplante Velohochbahn. Beim Vorhaben einer Tramverlängerung von Pratteln ins Entwicklungsgebiet Salina Raurica musste er an der Urne eine Niederlage einfahren. Die Stimmbevölkerung lehnte dies im Juni 2021 ab.

Ende 2014 sorgte Reber mit einem Personalentscheid für Aufsehen. Er wollte damals als Sicherheitsdirektor die damalige Basler Grossrätin und heutige Nationalrätin Sibel Arslan (Grüne) als Leiterin des Baselbieter Strafvollzugs anstellen. Die Anstellung war in die Kritik geraten, weil gegen Arslan damals Betreibungen vorlagen. Reber machte daraufhin seinen umstrittenen Personalentscheid rückgängig.

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