Historische Eckdaten
Eine Chronologie wichtiger Ereignisse in den Beziehungen zwischen der Schweiz, dem Völkerbund und der UNO.
1919
Am 28. April stimmt die Pariser Konferenz dem Gründungspakt für den Völkerbund zu. Sitz dieser ersten Organisation für Frieden und internationale Sicherheit wird Genf. Der neue Völkerbund hält am 15. November in der Rhonestadt seine erste Generalversammlung ab.
1920
16. Mai: Die Schweiz stimmt dem Beitritt zum Völkerbund zu. In der Volksabstimmung legen 56% der Stimmenden ein Ja in die Urne. Das Ständemehr fiel mit nur einer Stimme Unterschied sehr knapp aus.
1925
Im Oktober verabschiedet die Versammlung des Völkerbundes das «Protokoll von Genf». Dieses Dokument blieb ohne Folge. Es hatte darauf abgezielt, dass sich Staaten im Fall von Zwistigkeiten untereinander einem Schiedsgericht stellen würden, statt zu den Waffen zu greifen.
Im gleichen Monat fand in Locarno eine internationale Konferenz statt. Diese mündete in der Unterzeichnung mehrerer Abkommen, darunter der Rhein-Pakt, in dem die Grenzen zwischen Frankreich und Deutschland sowie zwischen Deutschland und Belgien bekräftigt wurden.
1929
Am 7. September wird der Grundstein gelegt für den Völkerbunds-Palast (Palais des Nations). Der Völkerbund, zu der Zeit noch im Palais Wilson untergebracht, wird 1936 in den Völkerbunds-Palast umziehen. Die letzte Sitzung des Völkerbund-Rates findet im Dezember 1939 statt – der Zweite Weltkrieg war bereits im Gange.
1945
Vertreter von 50 Staaten unterzeichnen am 26. Juni in San Francisco die Charta der Vereinten Nationen. Die Schweiz war nicht an die Gründungskonferenz der UNO eingeladen.
1946
Der Völkerbund wird am 18. April offiziell aufgelöst. Der Völkerbunds-Palast wird einige Monate später zu neuem Leben erweckt – als Europa-Sitz der Vereinten Nationen.
1955
Im Juli, erstmals seit 1945 kommen die «vier Grossen», die Siegermächte des Zweiten Weltkriegs, in Genf unter Aufsicht der UNO zusammen. Eisenhower, Eden, Faure und Boulganine sprechen über Abrüstung, europäische Sicherheit, die Wiedervereinigung Deutschlands und über Verbesserungen in den Beziehungen zwischen Ost und West.
1979
Die Abrüstungskonferenz in Genf wird zur einzigen multilateralen Institution für Verhandlungen im Bereich der Abrüstung. Sie folgte auf andere Verhandlungs-Instanzen, die ihren Sitz ebenfalls in der Rhonestadt hatten. Die Schweiz nimmt seit 1996 an den Beratungen der Abrüstungskonferenz teil.
1986
16. März: Mit einer sehr grossen Mehrheit (75%) sagt das Stimmvolk Nein zum Beitritt der Schweiz zur UNO. Auch alle Kantone hatten den Bundesbeschluss ausnahmslos verworfen.
1988
13. Dezember: Die UNO-Generalversammlung kommt für einen Auftritt von PLO-Chef Jassir Arafat in Genf zu einer Sondersitzung zusammen. Grund: Arafat ist mit einem Einreiseverbot in die USA belegt. In seiner Rede vor der Generalversammlung erklärt der Palästinenser-Führer, dass er das «Recht Israels auf eine Existenz in Frieden und Sicherheit» anerkenne.
1992
17. Mai: Mit 56% Ja stimmt das Volk dem Beitritt der Schweiz zu den Institutionen von Breton Woods (Weltbank und Internationaler Währungsfonds IWF) zu.
1994
12. Juni: Das Volk lehnt den Einsatz von Schweizer Blauhelmen für friedenserhaltende UNO-Operationen ab. Das entsprechende Bundesgesetz wird mit 57% Nein-Stimmen verworfen.
1995
5. Juli: Genf feiert 50 Jahre UNO : Unter anderem dabei sind Boutros Boutros-Ghali, Jacques Chirac, Frederik de Klerk, Jassir Arafat und Kaspar Villiger in seiner Funktion als Bundespräsident.
24. Oktober: Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs zum 50-Jahr-Jubiläum der UNO-Charta in New York. Der damalige Staatssekretär Jakob Kellenberger vertritt die Schweiz.
1998
8. September: Ein parteienübergreifendes Komitee lanciert eine Volksinitiative zum Beitritt der Schweiz zur UNO. Das Begehren wird schliesslich am 6. März 2000 bei der Bundeskanzlei eingereicht – mit 124’772 Unterschriften.
2000
Juni: Unter dem Titel «Geneva 2000» kommt die UNO-Generalversammlung erneut zu einer Sondersession im Palais des Nations zusammen. Auf der Agenda: Eine Bilanz fünf Jahre nach dem Sozialgipfel von Kopenhagen. Parallel dazu organisiert die Schweiz ein grosses, allen Aspekten der Zivilgesellschaft offenes Forum.
7. September: Adolf Ogi spricht in New York im Rahmen des UNO-Milleniumsgipfels als erster Schweizer Bundespräsident vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen.
4. Dezember: Botschaft des Bundesrates zur UNO-Initiative ans Parlament. Die Regierung spricht sich für den Beitritt des Landes zu den Vereinten Nationen aus.
2001
5. Oktober: Beide Kammern des Parlaments stimmen dem Bundesbeschluss zur Initiative über den UNO-Beitritt zu.
24. Oktober: Der Bundesrat legt das Datum für die Abstimmung auf den 3. März 2002 fest. Zudem veröffentlicht die Regierung den Text des Beitrittsgesuchs mit einer Erklärung zur Neutralität des Landes.
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