Was 2026 auf die Schweiz zukommt: der Ausblick für die Wirtschaft
Die Nachfrage im Inland schwächelt, die US-Importzölle sorgen für Unsicherheit. Es gibt noch andere Gründe, wieso die Schweizer Wirtschaft im nächsten Jahr unter Druck geraten wird.
Die Schweizer Wirtschaft blieb 2025 insgesamt stabil. Zwar wirkten sich die Zölle der Vereinigten Staaten negativ auf Schweizer Exporte aus. Doch die steigenden Löhne und die Inlandsnachfrage in der Schweiz kompensierten diese negativen Auswirkungen.
Die Binnennachfrage dürfte 2025 um 1,4% wachsen und die Arbeitslosenquote 2,9% erreichen. Die Reallöhne stiegen 2024 um 0,7%, und das Bundesamt für Statistik (BFS) geht davon aus, dass sich dieses Wachstum fortsetzen wird.
Das Bruttoinlandprodukt (BIP) dürfte 2025 zwischen 1,3 und 1,4% wachsen – entsprechend der Prognosen der Analysten und der Unsicherheiten im Zollstreit mit den USA zum Trotz.
Denn im vergangenen April kündigte die Trump-Regierung an, Schweizer Importe in die Vereinigten Staaten mit 39% zu besteuern, also deutlich höher als die geplanten Zölle auf europäische Waren.
Im November unterzeichnete die Schweiz ein Abkommen, um den Gesamtzollsatz auf 15% zu senken. Dies entspricht nun dem Niveau der Nachbarländer. Das Abkommen muss zwar noch umgesetzt werden, die Aussicht darauf dürfte aber den Uhren- und Pharmasektor etwas entlasten.
Die Schweizer Wirtschaft ist im dritten Quartal um 0,5% geschrumpft, da die ersten Zölle die chemisch-pharmazeutische Industrie belasteten. Diese ging zwischen Juli und September um 7,9% zurück.
Für 2026 erwarten Ökonom:innen ein BIP-Wachstum von knapp unter 1%. Die Gründe dafür sind der zunehmend angespannte Arbeitsmarkt und die anhaltenden Unsicherheiten rund um die Umsetzung des US-Zollabkommens.
«Eine mögliche Verschlechterung des Arbeitsmarktes im nächsten Jahr stellt ein Abwärtsrisiko für die Schweizer Wirtschaft dar», so die UBS in ihrem Ausblick für 2026.
«Wir erwarten für 2026 nur begrenzte Impulse aus dem Aussenhandel. Dieser wird wahrscheinlich durch US-Zölle gebremst, aber durch eine verbesserte deutsche Wirtschaft gestützt werden», so die Bank.
Im März 2025 änderte Deutschland seine Verfassung, um mehr für Verteidigung und Infrastruktur ausgeben zu können. Konkret: Das Land kann nun Verteidigungsausgaben über 1% unbegrenzt mit Krediten finanzieren.
Für zusätzliche Investitionen in die Infrastruktur wird ein Sondervermögen ausserhalb des regulären Haushalts von 500 Milliarden Euro geschaffen, rund 11% des Jahres-BIP, verteilt über 12 Jahre. Es wird erwartet, dass sich diese Änderungen positiv auf die Schweizer Wirtschaft auswirken.
«Das Risiko besteht darin, dass dies nicht eintritt und der fiskalische Impuls ausbleibt», sagt Alessandro Bee, Ökonom bei UBS.
Das nominale Lohnwachstum ist in den letzten zwei Jahren gestiegen und dürfte sich nun im nächsten Jahr verlangsamen.
Die Inflation sollte 2026 verhalten bleiben und unter 1% liegen.
Handel: Ein willkommener Deal – doch Unsicherheiten bleiben
Die Vereinbarung, die Einfuhrzölle auf 15% zu senken, wird die wichtigsten Exportgütern der Schweiz – vor allem Uhren und Pharmazeutika – entlasten. Insgesamt erwartet die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich KOF, dass die Ankündigung vom November das BIP um 0,3 bis 0,5% steigern wird. Laut KOF hat die Vereinbarung zwischen 7500 und 15’000 Arbeitsplätze im Maschinenbau in der Schweiz gerettet.
Dies ging jedoch einher mit Investitionen von insgesamt 200 Milliarden Franken durch Schweizer Unternehmen in den USA. Zudem musste sich die Schweiz dazu verpflichten, amerikanische Agrarpodukte zu importieren.
«Der neue Zollsatz bringt Erleichterung, allerdings bleiben erhebliche Belastungen und Risiken für die Schweizer Volkswirtschaft bestehen», sagte Hans Gersbach, stellvertretender Leiter der KOF, nach der Ankündigung.
Dennoch wird die Schweizer Wirtschaft weiterhin mit 15% Zöllen auf US-Importe belastet, was sich laut Schätzungen der KOF negativ auf das Schweizer BIP auswirken könnte.
«Die von den 15% betroffenen Branchen sind dieselben wie die von den 39% betroffenen», sagt Alessandro Bee, Ökonom bei der UBS.
Am stärksten von den Zöllen betroffen sind die Pharma-, Uhren-, Präzisionsinstrumenten-, Maschinenbau- und Lebensmittelindustrie.
Analysten warnen: Da sich die Pharmaindustrie in die USA verlagere, würden Investitionen in diese Industrie – und damit eine wichtige Säule des Schweizer Wachstums – fehlen. Mittelfristig werde sich dies negativ auf die heimische Wirtschaft auswirken.
Pharma: Sorgen wegen den USA
Schweizer Pharmaunternehmen entgingen 2025 zwar den US-Zöllen, doch die Branche bleibt auch 2026 im Visier der US-Regierung.
Die Trump-Regierung wird Zölle weiterhin als Verhandlungsmasse einsetzen und Druck auf die Branche ausüben, um die Arzneimittelpreise auf dem grössten Pharmamarkt der Welt zu senken.
Trotz der Unsicherheit wurden die Aktien der beiden grossen Schweizer Pharmariesen Roche und Novartis Ende 2025 beflügelt. Gründe dafür waren starke Umsätze, Übernahmen und positive Ergebnisse von Arzneimittelstudien. Die Unternehmen werden diese Dynamik voraussichtlich auch im neuen Jahr fortsetzen.
Novartis teilte Investoren im November mit, dass das Unternehmen zwischen 2025 und 2030 einen jährlichen Umsatzanstieg von 5 bis 6% erwartet. Im Oktober gab der Pharmariese seine grösste Transaktion seit zehn Jahren bekannt – 12 Milliarden US-Dollar für das US-amerikanische Unternehmen Avidity Biosciences.
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Im November verzeichneten auch die Aktien des in Basel ansässigen Konkurrenten Roche ihren besten Monat seit 1997. Dies, nachdem Roche positive Ergebnisse bei der Erprobung seines Medikaments gegen Brustkrebs bekannt gegeben hatte.
Doch die positiven Aussichten für die grössten Pharmaunternehmen der Schweiz reichen nicht aus, um die Bedenken im Inland zu zerstreuen. Der Pharmasektor ist die grösste Exportbranche der Schweiz, macht die Hälfte des Schweizer Wirtschaftswachstums und rund 45% der Exporte aus.
Unter dem Druck der USA hinsichtlich Zöllen und Arzneimittelpreisen haben sich Roche und Novartis verpflichtet, fast 75 Milliarden US-Dollar in den USA zu investieren.
In der Schweiz wächst damit die Sorge, dass hier die Investitionen zurückgehen. Zudem sieht sich die Schweiz einer wachsenden Konkurrenz durch andere attraktive Investitionsstandorte ausgesetzt, etwa China oder Dänemark.
«Die Pharmaindustrie ist eine wichtige Säule der Schweizer Wirtschaft. Wenn sie weniger stark wächst oder stagniert, wird sich dies auf das gesamte Schweizer BIP auswirken», sagt Alessandro Bee, Ökonom bei UBS.
Die Branche steht im Konflikt mit der Schweizer Regierung über Regulierungsmassnahmen und Arzneimittelpreise, die ihrer Meinung nach das Investitionsklima verschlechtern. Zusätzlicher Druck aus den USA, die Arzneimittelpreise in der Schweiz anzuheben, könnte die Spannungen zwischen der Industrie und den Schweizer Gesundheitsbehörden im Jahr 2026 verschärfen.
Uhren: In China ist Erholung in Sicht
Die USA sind der grösste Markt für die Schweizer Uhrenindustrie, mit einem Anteil von rund 17% an den weltweiten Schweizer Uhrenexporten und einem Wert von 4,4 Milliarden CHF im Jahr 2024. Im Oktober gingen die Schweizer Uhrenexporte um 4,4% zurück, wobei die Lieferungen in die USA um 47% einbrachen.
Der im vergangenen Monat angekündigte Zollsatz von 15% wird der stark von Auslandslieferungen abhängigen Schweizer Uhrenindustrie daher eine gewisse Atempause verschaffen.
Dennoch hat sich die Branche bislang als widerstandsfähig erwiesen. Ein Bericht von Deloitte vom Oktober zeigt: Der Wert der exportierten Uhren zwischen Januar und August 2025 ist im Vergleich zum Vorjahr um nur 1% zurückgegangen.
Für das Gesamtjahr 2025 rechnet das Schweizer Investmenthaus Vontobel weiterhin mit einem Wachstum der Exporte in die USA von 4%.
«Der starke US-Aktienmarkt hat die negativen Auswirkungen der Zölle teilweise ausgeglichen», sagt Jean-Philippe Bertschy, Leiter Research Schweizer Aktien bei Vontobel.
«Ausserdem werden die Schweizer Uhrenhersteller nicht alle Kosten an den Endverbraucher weitergeben. Sie haben einen gewissen Spielraum, um die Zölle abzufedern», so Bertschy.
Mit Blick auf 2026 könnte sich der Markt für Luxusuhren in China erholen. Dieser hat in den letzten zwei Jahren unter einem Covid-bedingten Einbruch und einem schwachen Immobilienmarkt gelitten.
2024 tauchte der chinesische Luxusmarkt um 18 bis 20% ab, teilte das Beratungsunternehmen Bain & Co in seinem anfangs Jahr veröffentlichten Luxusbericht mit. Im selben Zeitraum gingen die Exporte von Schweizer Uhren nach China um fast 26% zurück.
Bain & Co prognostizierte in seinem Bericht für 2025, dass die Verkäufe von Luxusuhren in China um 28 bis 22% zurückgehen werden.
Analyst:innen hingegen sehen Anzeichen dafür, dass der Markt die Talsohle erreicht hat und sich im nächsten Jahr erholen könnte.
«Wir spüren eine leichte Erholung auf dem chinesischen Markt, die das Wachstum im Jahr 2026 antreiben wird», so Jean-Philippe Bertschy. «Wir erwarten dass die Exporte nach China wieder zunehmen, vor allem aufgrund eines tiefen Basiseffekts» – ist das Vorjahresniveau besonders niedrig, wirken die Zuwächse dadurch im kommenden Jahr überproportional gross.
Insgesamt haben sich Luxusuhren wie Rolex, Patek Philippe, Audemars Piguet und Cartier bisher als krisenfester erwiesen als das mittlere Marktsegment.
«Eine Handvoll Flaggschiff-Marken täuschen nach wie vor über die sehr schwierigen Rahmenbedingungen für den gesamten Schweizer Uhrensektor hinweg», sagte Bertschy in einem Kommentar nach der Veröffentlichung der Uhrenverkaufszahlen von Oktober.
Lebensmittel bleiben teuer
Aufgrund des Ausbruchs des Ukraine-Kriegs erreichten Lebensmittelpreise 2022 einen Höchststand. Danach gingen sie stetig zurück. Seit 2024 steigen die Preise für Lebensmittel jedoch wieder, denn die Wetterbedingungen waren schlecht und die Kosten für Produktionsmittel wie etwa Dünger steigen.
Laut der WirtschaftsprognoseExterner Link der Weltbank werden die Lebensmittel- und Rohstoffpreise 2026 auf dem Niveau von 2025 bleiben – die Nachfrage wächst, gleichzeitig kann aber das Angebot Schritt halten. Bessere Wetterbedingungen haben für reichliche Getreideernten und eine gute Produktion von Kakao- und Kaffeebohnen gesorgt.
Für Konsument:innen weltweit bedeutet das jedoch nicht, dass sie im Supermarkt weniger für Lebensmittel bezahlen werden. In den vergangenen zwei Jahren haben Lebensmittelunternehmen die Preise gestaffelt erhöht, um keine Kund:innen zu verlieren. Rohstoffe wie Kakao kosten noch immer fast 65% mehr als 2023.
Die Schokoladenhersteller haben darauf mit Preiserhöhungen reagiert, selbst auf die Gefahr hin, weniger Schokolade zu verkaufen.
So verteuerte etwa Lindt & Sprüngli in diesem Jahr die Preise um 15,8%, was dazu führte, dass das Absatzvolumen im ersten Halbjahr 2025 um 5% zurückging. Dennoch gelang es dem Traditionshaus, allein aufgrund der Preiserhöhungen ein organisches Umsatzwachstum von 11,2% zu erzielen.
«Eines ist klar: Das Ausmass der Preiserhöhungen, zu denen wir in diesem Jahr gezwungen waren, werden wir 2026 nicht wieder sehen», sagte Group CEO von Lindt & Sprüngli, Adalbert Lechner, bei der Präsentation des Halbjahresberichts im Juli 2025.
Um den Trend sinkender Absatzmengen wegen anhaltender Preiserhöhungen auszugleichen, haben Lebensmittelunternehmen angekündigt, dass sie Kosten senken müssen. Nestlé plant, in den nächsten zwei Jahren 16’000 Arbeitsplätze abzubauen.
Damit will der Konzern bis Ende 2027 jährliche eine 1 Milliarde Franken einsparen. Der Schokoladenhersteller Barry Callebaut hat Pläne angekündigt, Kakao-AlternativenExterner Link aus Hafer und Sonnenblumenkernen zu verwenden, um die Risiken durch volatile Kakaopreise zu senken.
Die Lebensmittelindustrie wird durch die kürzlich ausgehandelten reduzierten US-Zölle entlastet, sobald diese in Kraft treten. Die im Oktober veröffentlichten Daten für den Monat August (als die Zölle von 39% in Kraft traten) zeigen: Die Schweizer Käseexporte in die USA gingen um 55,4% zurück gegenüber einem Rückgang der weltweiten Exporte um 9,4%. Die Schweizer Käsehersteller sind jedoch weiterhin vorsichtig optimistisch, was die Prognose für 2026 angeht.
«Die Situation entwickelt sich in die richtige Richtung. Aber das ist noch nicht das Ende… wir kennen die Details noch nicht», sagt Christa Brügger von SwissMilk.
Die Senkung der US-Zölle auf 15% geht mit Zugeständnissen einher – diese ermöglichen es, feste Kontingente an amerikanischem Rindfleisch, Hühnerfleisch und Meeresfrüchten zollfrei in die Schweiz zu importieren.
Editiert von Samuel Jaberg/vm/ts. Übertragung aus dem Englischen: Aleksandra Hiltmann
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