Betrüger nutzen Sturmgeschädigte in La Chaux-de-Fonds aus
Scheinunternehmer bieten zu überrissenen Preisen ihre Dienste bei Aufräum- und Reparaturarbeiten an. Die Polizei hat schon Anzeigen erhalten und warnt vor den Praktiken.
Am 24. Juli zieht ein heftiges Unwetter über La Chaux-de-Fonds im Kanton Neuenburg hinweg. Bilder zeigen, wie stark der Sturm innert kürzester Zeit gewütet hat. Jetzt, zehn Tage danach, verdeutlichen die Zahlen in der Bilanz der Behörden das Ausmass der Schäden.
4500 Gebäude wurden bei dem Unwetter beschädigt. Das sind rund 64% aller Gebäude in La Chaux-de-Fonds. Ausserdem hat der Sturm eine Waldfläche von 700 Hektaren in Mitleidenschaft gezogen. Dementsprechend aufwendig sind die Aufräumarbeiten. Die Einsatzkräfte arbeiten am Limit, seit Mittwoch unterstützt sie sogar die ArmeeExterner Link.
Die Ausnahmesituation machen sich auch Betrüger zunutze. Das berichtet der Westschweizer SRG-Sender RTSExterner Link. Demnach würden Scheinunternehmer durch die Stadt fahren und ihre Dienste für Aufräumarbeiten oder etwa Reparaturen an Dächern anbieten. Dabei würden sie rücksichtslos vorgehen.
Ohne Erlaubnis aufs Dach gestiegen
Katia Droz aus La Chaux-de-Fonds schilderte am Westschweizer Radio und Fernsehen RTS, wie die Scheinunternehmer auf ihr Grundstück eindrangen. «Sie sind direkt auf unser Dach gestiegen, ohne um Erlaubnis zu fragen. Das ist also sehr dreist», sagte sie im Interview. Ihre Schwester habe die Leute dann weggeschickt. Droz findet es erstaunlich, dass in so kurzer Zeit Betrüger aktiv geworden sind.
So gut wie bei Droz gehen nicht alle Vorfälle aus. Wie RTS berichtet, sind andere Betroffene schon um mehrere tausend Franken erleichtert worden – für Aufräum- oder Reparaturarbeiten, die schlussendlich gar nicht durchgeführt wurden. Deswegen seien bei der Polizei seit letzter Woche rund 30 Anzeigen eingegangen.
Polizei patrouilliert in Quartieren
Die Polizei überwacht darum bestimmte Quartiere von La Chaux-de-Fonds genauer und kontrolliert verdächtige Fahrzeuge. Polizist Patrick Siron warnte, dass sich die Betrüger als offizielle Behördenvertreter oder Unternehmer ausgeben würden.
«Sie verlangen häufig Barzahlungen und überrumpeln die Leute», sagt er. Die Neuenburger Gebäudeversicherung ECAP rät darum, nur mit bekannten Handwerksbetrieben zusammenzuarbeiten und die Arbeiten erst nach Abschluss zu bezahlen – wenn eine ordentliche Rechnung vorliegt.
Laut RTS hat die Polizei schon drei mutmassliche Täter in diesem Zusammenhang verhaftet. Die Aktivitäten hätten in den letzten Tagen schon wieder abgenommen.
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