Zug wird zum Zufluchtsort für Reiche, die Dubai verlassen wollen
Auf der Suche nach einem Rückzugsort vor den Konflikten am Golf strömen Auswander:innen aus Dubai nach Zug – einem Schweizer Kanton mit nur 135’000 Einwohner:innen, der vor allem für Rohstoffhandel und Kryptowährungsunternehmen bekannt ist.
Zu dem Zustrom gehören vermögende Privatpersonen, Family Offices und Unternehmen, so der Zuger Finanzdirektor Heinz Tännler. Das Interesse habe seit dem Ausbruch des israelisch-amerikanischen Kriegs gegen den Iran zugenommen.
«Wir verzeichnen vermehrte Anfragen», sagte er. «Natürlich bedauern wir die Umstände – aber die Realität ist, dass Zug davon profitiert.»
Vermögensverwalterinnen und Banker sagen, dass Kund:innen aus Dubai, von denen viele im Rohstoff- und Finanzsektor tätig sind, nach einem stabilen europäischen Standort suchen.
«Jeder kennt Zug, auch wenn er noch nie dort war», sagt Pierre Gabris, Gründer und Geschäftsführer des Schweizer Vermögensverwalters Alpen Partners, der mehreren Kund:innen bei der Verlagerung aus dem Nahen Osten geholfen hat. «Die erste Anfrage betrifft fast immer Zug.»
Für viele Händler und Unternehmerinnen, insbesondere solche, die mit der Rolle der Schweiz auf den globalen Rohstoffmärkten vertraut sind, geniesst der Kanton einen entsprechenden Ruf, so Gabris. Er fügt hinzu, dass Alpen Partners angesichts des Marktwachstums die Eröffnung eines Büros in Zug prüfe.
Die Zahl der Bewerbungen von Kundenbetreuer:innen bei US-Banken, die auf seinem Schreibtisch landeten, habe sich seit Kriegsbeginn «vervierfacht», sagt ein in der Schweiz ansässiger Privatbankier, dessen Bank eine Niederlassung in Zug hat.
Eine andere Person berichtete, dass sie am vergangenen Wochenende einen Tag der offenen Tür für eine Zweizimmer-Mietwohnung in Zug besucht habe: «Die Schlange reichte um den Block – die Person hinter mir war an jenem Morgen aus Dubai eingeflogen.»
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Für viele potenzielle Ankommende ist die Attraktivität der Schweiz jedoch mit praktischen Einschränkungen verbunden. EU-Bürger:innen können sich aufgrund bilateraler Abkommen relativ frei bewegen, doch an eine Unterkunft zu kommen – insbesondere in Zug, südlich von Zürich – ist zur grössten Hürde geworden. Das Angebot an Mietwohnungen ist äusserst begrenzt, Immobilien werden oft innerhalb weniger Tage vergeben, und die Konkurrenz ist gross.
Nicht-EU-Bürger:innen stehen vor grösseren Hindernissen. Die Aufenthaltsbewilligung ist in der Regel an eine Anstellung, eine Firmengründung oder – für sehr Vermögende – an individuell ausgehandelte Pauschalbesteuerungsvereinbarungen mit den Kantonsbehörden geknüpft.
Diese Regelungen, die in mehreren Kantonen bestehen, ermöglichen es Einzelpersonen, eine pauschale jährliche Steuer auf der Grundlage der Lebenshaltungskosten statt des weltweiten Einkommens zu zahlen. Sie erfordern jedoch eine vorgängige Genehmigung und garantieren keinen Zugang zu besonders gefragten Standorten.
«Man kann nicht einfach auftauchen, selbst wenn man einen europäischen Pass hat. Es braucht Zeit, und man benötigt einen Arbeitsvertrag oder muss eine Firma gründen», sagt Anja Beck, Managing Partner eines Engel & Völkers-Immobilienbüros in Zug.
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Da das Angebot knapper wird, profitieren zunehmend auch andere Kantone mit flexibleren Steuerregelungen. Lugano im Tessin verzeichnet einen Anstieg der Anfragen von in Dubai lebenden Expatriates, so lokale Makler:innen.
«Seit Kriegsbeginn haben wir eine steigende Nachfrage von Ausländerinnen und Ausländern festgestellt, die in Dubai leben – Italiener, Franzosen, Schweizer, Briten», sagt Simon Incir von Engel & Völkers. «Jetzt erwägen sie, von Dubai wegzuziehen.»
Im Gegensatz zu Zug hat Lugano noch Kapazitäten. «Wir haben deutlich mehr Verfügbarkeit – rund 300 Immobilien auf dem Markt», so Incir. Er fügt hinzu, dass ausländische Einwohner:innen Pauschalsteuerabkommen aushandeln und Aufenthaltsbewilligungen relativ rasch erhalten können.
«Das ist erst die Anfangsphase. Die Leute machen Anfragen, vereinbaren Besichtigungen – wir erwarten noch mehr.»
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Übertragung aus dem Englischen mithilfe von KI: Janine Gloor
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