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Chemiker und Physiker für den Frieden

, (Übertragung aus dem Französischen: Charlotte Egger)

Inspektoren aus dem Labor Spiez 1984 in der Wüste von Irak, während des ersten Golfkriegs. (Labor Spiez)

Das Labor Spiez wurde 1925 gegründet, um den Menschen im Fall eines Chemiekriegs Gasmasken zu liefern. Heute gilt es als weltweit anerkanntes Kompetenz-Zentrum.

Es beteiligt sich für internationale Organisationen an der Ausbildung von Experten und schickt seine Fachleute in Konfliktregionen oder an stark verseuchte Orte, von Sibirien bis in den Irak.










Seit der Antike verbreitet der Mensch Gifte auf den Schlachtfeldern. Aber erst im Ersten Weltkrieg wird diese besonders perfide Methode zur Massenvernichtungswaffe.

Das 1899 in der Haager Konvention fest geschriebene Verbot verhindert nicht, dass die kriegsführenden Mächte 1914-1918 rund 125'000 Tonnen chemischer Produkte in die Schützengräben streuen und damit 100'000 Menschen töten und über eine Million vergiften.

Angesichts der "allgemeinen Verurteilung durch die zivilisierte Welt" verabschiedet der Völkerbund am 17. Juni 1925 das Genfer Protokoll. Dieses verbietet den Einsatz chemischer und biologischer Waffen, sagt aber nichts aus über deren Herstellung und Besitz.

1925 wird auch das Labor Spiez gegründet. Am Ufer des Thunersees, am Fusse der Berner Alpen, arbeiten seine Experten und Expertinnen laufend an Entwurf und Verbesserung von Gasschutzmasken und -kleidern.

Gas, Verstrahlung, Bakterien

6. August 1945: Mit dem Atompilz von Hiroshima fängt eine neue Ära der Bedrohung an. Zu seinen chemischen Kompetenzen (C) fügt das Labor Spiez schnell jene des atomaren Schutzes (A) bei. Zunächst für das Militär, dann auch für die Zivilbevölkerung.

Heute misst das Labor Radioaktivität und Schwermetallgehalt im Boden und in Nahrungsmitteln. Sowohl in Alltagssituationen wie in der Nähe von Atomkraftwerken oder nach einem Unfall wie in Tschernobyl.

Und vor kurzem hat man in Spiez auch damit begonnen, das Know-how im B-Bereich ausbauen. Zwar wurden biologische Waffen nie in grossem Stil eingesetzt, doch das Risiko besteht. Und wenn es einst Wirklichkeit würde, wäre es überlebenswichtig, dass das eingesetzte Virus so schnell wie möglich identifiziert werden könnte.

Premiere im Irak

Umso mehr, als seit dem Anschlag mit dem Gas Sarin in der U-Bahn von Tokio 1995 und noch viel mehr seit dem 11. September 2001 die Staaten nicht mehr das Monopol auf Massenvernichtungswaffen haben.

Das Genfer Protokoll hat den Einsatz von C-Waffen nie verhindert. Im ganzen 20. Jahrhundert sind die düsteren Spuren zu finden, mit der beachtlichen Ausnahme des Zweiten Weltkriegs. Die Furcht vor Vergeltungsschlägen hält damals die beiden Lager davon ab, auf ihre Giftlager zurückzugreifen.

Aber 1937 setzt Italien chemische Waffen in Äthiopien ein, Japan in den 1930er-Jahren in China und Ägypten in den 1960ern in Jemen. 1983 bricht der Iran-Irak-Krieg aus. Bagdad setzt Kampfgas ein (und beschuldigt Teheran, das gleiche zu tun). Auch gegen die kurdische Opposition im eigenen Land wird mit Gas vorgegangen.

Die Vereinten Nationen sind empört und schicken Beobachter an die Front. Darunter Oberst Ulrich Imobersteg, damals Chef des ABC-Kompetenzzentrums der Schweizer Armee, dem Nachbarn des Labors. Er reist 1984, 1986 und 1987 hin. Es sind die ersten Auslandeinsätze eines Spezialisten aus Spiez.

Damals gehört dies zur Politik der Guten Dienste der Schweiz. Die Schweizer Experten werden dank der Neutralität des Landes, aber auch wegen ihrer guten wissenschaftlichen Arbeit in allen Weltgegenden geschätzt.

So stellt eine durch die Armee gegründete Institution (die aber zivilen Status hat) ihre Fähigkeiten in den Dienst des Friedens. Das geht umso leichter, als Spiez immer mit gefährlichen Substanzen umgegangen ist, um zu lernen, wie man sich davor schützen kann. Nie, um daraus Waffen zu machen.

Sicherheit und Umwelt

1997, nach fast endlosen Verhandlungen, tritt schliesslich die Konvention über das Verbot von Chemiewaffen in Kraft. Und Spiez gehört zu den 12 weltweiten Referenzlabors der Organisation, die deren Anwendung überwachen soll.

Die Spiezer Experten nehmen an internationalen Missionen im Irak und im Balkan teil, auf der Suche nach chemischen Waffen, oder um sich zu versichern, dass solche vernichtet werden.

Und am Ufer des Thunersees finden sich ausländische Spezialisten in grosser Zahl zu Ausbildungskursen ein. Spiez arbeitet auch für das UNO-Umweltprogramm und für die Weltgesundheits-Organisation, wobei es namentlich die Wasserqualität in Afghanistan und Sibirien untersucht.

Und im A-Bereich arbeitet das Labor mit der Internationalen Atomenergieagentur und der Partnerschaft für den Frieden der NATO zusammen. So analysieren seine Fachleute zum Beispiel die Risiken der Bevölkerung in Kuwait und im Kosovo, wo Munition mit abgereichertem Uran eingesetzt wurde.

Fakten

Das Labor Spiez beschäftigt gut hundert Mitarbeitende vor allem in Forschung und Technik in den Bereichen Physik, Chemie und Biologie.

Sein Jahresbudget liegt bei knapp 15 Mio. Franken.

Es arbeitet im Auftrag verschiedener Bundesämter, des Aussen- und des Verteidigungsministeriums und für Privatkundschaft.

Rund 15% seiner Aktivitäten sind auslandbezogen.

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In Kürze

Bis zum Ende des Kalten Kriegs hält sich die Schweiz an ihre Doktrin der militärischen Neutralität zwischen den Blöcken der NATO (Westen) und des Warschauer-Pakts (Osten).

Ein Symbol dieser Politik ist die Bewachung der Demarkationslinie zwischen Nord- und Südkorea durch Schweizer Soldaten seit 1953.

Nach dem Zusammenbruch des Sowjetblocks tritt die Schweiz 1996 der NATO-Partnerschaft für den Frieden bei, nicht aber der NATO selbst. Ihre Soldaten erfüllen Missionen in Bosnien-Herzegowina und im Kosovo.

2002 tritt die Schweiz der UNO bei. Im Jahr danach entsendet die Armee Schweizer Offiziere zu den multinationalen Truppen in Afghanistan.

Zudem beherbergt die Schweiz in Genf drei Zentren für die Ausbildung von Militärpersonal in Bezug auf die Friedensförderung: Das Zentrum für Sicherheitspolitik, das Internationale Zentrum für humanitäre Minenräumung und das Zentrum für die demokratische Kontrolle der Streitkräfte.

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