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Corona-Krise Wie Schweizer Ärzte die Triage bei Corona-Patienten vornehmen werden

Männer in Schutzanzügen tragen einen Sarg

Szene aus Italien: Männer holen ein verstorbenes Corona-Opfer ab.

(Keystone)

In Italien sind die Intensivstationen so überlastet, dass das Spitalpersonal wie im Krieg entscheiden muss, wer eine Behandlung bekommt und wer sterben gelassen wird. Auch in der Schweiz könnte es bald so weit sein. Nach welchen Kriterien entscheiden Ärztinnen und Ärzte bei uns?

Sollen in der Corona-Krise junge Kranke bevorzugt behandelt und ältere sterben gelassen werden? Sollen Mütter und Väter von kleinen Kindern zuerst an die Beatmungsmaschine kommen, damit keine Waisen zurückbleiben? Soll man einen 90-Jährigen gar nicht auf der Intensivstation pflegen, weil er ohnehin nicht mehr lange zu leben hat?

Vor solchen schwierigen Fragen verzweifeln derzeit Mediziner und Medizinerinnen in Italien. Im Nachbarland kann nur noch jeder vierte Patient, der eine künstliche Beatmung braucht, an eine Maschine angeschlossen werden. Deswegen geben Ärzte manche Patienten auf und behandeln sie nur noch palliativ.

Die Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaftenexterner Link (SAMW) schätzt aufgrund des Tempos, mit dem sich das Virus in der Schweiz verbreitet, dass es auch hierzulande zu Engpässen auf den Intensivstationen kommen wird.

Die Schweiz hat zu wenige Betten, zu wenig Beatmungsmaschinenexterner Link und zu wenig Personal für die zu erwartende Zahl von Corona-Patienten. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis auch Schweizer Spitalpersonal schwierige Entscheidungen treffen muss.

Entscheid muss gerecht sein

Die SAMW verweist auf der Website auf ihre Richtlinien zum Thema "Intensivmedizinische Massnahmen", die auch auf die Corona-Situation anwendbar seien. Diese beschreiben "zur Entlastung der Ärztinnen und Ärzte", nach welchen Kriterien eine ethisch vertretbare Triage erfolgen sollte.

Die Richtlinien stellen klipp und klar fest: Alter, Geschlecht, sozialer Status, Nationalität, Religion oder Behinderung dürfen beim Entscheid keine Rolle spielen. "Es ist wichtig, dass Triage-Entscheide nachvollziehbar und gerecht sind", schreibt die SAMW.

Ein 70-Jähriger mit guten Überlebenschancen wird an die Beatmungsmaschine angeschlossen. Eine 27-jährige Mutter, die wegen einer schweren Begleiterkrankung eine schlechte Prognose hat, wird dem Tod überlassen.

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Kurzfristige Prognose ist entscheidend

In einer Katastrophensituation haben gemäss Richtlinie diejenigen Patienten die höchste Priorität, deren Prognose mit Intensivbehandlung gut, ohne diese aber ungünstig ist. Wer auch ohne Intensivmedizin eine Chance auf Überleben hat, wird auf eine normale Station verlegt.

Patienten mit ungünstiger Prognose, die in einer Normalsituation intensiv behandelt würden, werden in Katastrophensituationen aufgegeben. Das heisst: Sie werden ausserhalb der Intensivstation palliativ betreut.

Entscheidend für die Beurteilung der Prognose ist die Wahrscheinlichkeit des Überlebens der Corona-Infektion – und nicht die mittel- oder längerfristige Lebenserwartung. Das heisst: Ein 70-Jähriger ohne Begleiterkrankungen, der mit Intensivmedizin eine gute Überlebenschance hat, wird an die Beatmungsmaschine angeschlossen. Eine 27-jährige Mutter, die wegen einer schweren Begleiterkrankung eine schlechte Prognose hat, wird dem Tod überlassen.

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