Bewegter Schmid an Moskauer Siegesfeier
Mit einer pompösen Militärparade hat Russland den Sieg über Hitler-Deutschland gefeiert. Auch Bundespräsident Schmid nahm an der Feier teil.
Über 50 Staats- und Regierungschefs verfolgten die Parade auf dem Roten Platz mit.
Mit einer prunkvollen, bis in jedes Detail durchinszenierten Militärparade auf dem Roten Platz hat Russland dem Kriegsende vor 60 Jahren gedacht. Neben den 7000 Soldaten, die auch Schlüsselszenen aus dem 2. Weltkrieg nachstellten, nahmen 2500 Veteranen, 80-jährige Frauen und Männer, in ihren Uniformen an der Parade teil.
Aus Angst vor Anschlägen bewachten rund 20’000 Polizisten und Militärangehörige das Zentrum Moskaus. Der russische Präsident Wladimir Putin bezeichnete in seiner Ansprache auf dem Roten Platz den Sieg über Hitler-Deutschland als «Triumph der Gerechtigkeit».
Frieden ist keine Selbstverständlichkeit
Bundespräsident Samuel Schmid, der die Schweiz vertrat, sagte am Montag in Moskau: «Mit solchen Feierlichkeiten gedenkt man nicht nur der Opfer. Man erinnert die Nachkriegs-Generation daran, dass Frieden keine Selbstverständlichkeit ist, sondern täglich neu erarbeitet werden muss.»
Zu den rund 50 Staats- und Regierungschefs, die am Morgen an der Parade zum «Tag des Sieges», wie der 9. Mai in Russland offiziell genannt wird, beiwohnten und anschliessend vom russischen Präsidenten Wladimir Putin im Kreml empfangen wurden, zählten US-Präsident George W. Bush, der französische Präsident Jaques Chirac und Chinas Präsident Hu Jintao.
Mit der Teilnahme des deutschen Kanzlers Gerhard Schröder und Japans Regierungschef Junichiro Koizumi verfolgten zum ersten Mal Vertreter ehemaliger Feindstaaten die Parade. «Es hat mich berührt, dass ehemals verfeindete Nationen sich gemeinsam an dieses Datum erinnern können», sagte Schmid.
Das Bild muss angepasst werden
Der Tag des Sieges ist in Russland einer der wichtigsten Feiertage. Kein anderes Land hat im Grossen Vaterländischen Krieg, wie die Russen den 2. Weltkrieg nennen, so viele Menschen verloren wie die Sowjetunion. Je nach Schätzung sollen bis zu 27 Millionen Menschen ihr Leben im Krieg gelassen haben.
Viele Westeuropäer seien sich gar nicht bewusst, dass die Sowjetunion am meisten Menschen verloren habe, sagte Schmid. «Das Weltbild der Nachkriegs-Generation ist geprägt von den heroischen Leistungen der Alliierten, der Befreiung der Normandie.»
Dieses Bild, das aus dem Weltbild des Kalten Kriegs stamme, müsse an die Tatsachen angepasst werden. Es gebe auf allen Seiten in der Geschichtsschreibung Punkte, die noch diskutiert werden müssten, sagte Schmid. Man solle dabei aber nicht vergessen, wie viel schon erreicht worden sei.
Parade als Selbstdarstellung
In Russland finden öffentliche Auseinandersetzungen kaum statt. Kritische Fragen, etwa zur Renaissance von Stalin als gutem Führer, werden kaum debattiert. Seit Wochen wurde das Land hingegen mit sowjetisch angehauchten Plakaten in jedem Schaufenster, Fahnen, Bannern über allen Strassen, patriotischen Kriegsfilmen auf allen Kanälen und seitenlangen glorifizierenden Artikeln in allen Zeitungen auf die Feierlichkeiten eingestimmt.
Die Parade war dennoch eher eine Selbstdarstellung der Führung als ein Fest für das Volk, sie fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Das Zentrum Moskaus wurde seit Tagen aus Angst vor Anschlägen tschetschenischer Extremisten weitgehend abgeriegelt.
Der Moskauer Bürgermeister Juri Luschkow hatte die Bevölkerung im Vorfeld aufgefordert, die Stadt über die Feiertage zu verlassen und auf die Datscha zu fahren. Obdachlose und Prostituierte waren schon vor Tagen vor die Stadt gebracht worden. Eine Massnahme, die seit der Olympiade von 1980 nicht mehr ergriffen worden ist.
Getrübte Freude
Getrübt wurde die Freude Putins durch die Abwesenheit der Staatsoberhäupter Estlands und Litauens. Sie haben die Einladung ausgeschlagen, die Präsidenten Polens und Lettlands sind mit Vorbehalten nach Moskau gereist.
Die baltischen Staaten verlangen von Moskau, die Einverleibung des Baltikums durch die sowjetischen Truppen als Okkupation anzuerkennen. Moskau weist diese Forderungen weit von sich, sowjetische Truppen hätte das Baltikum von den Nazis befreit, von einer Okkupation könne keine Rede sein.
Auch der georgische Präsident Michail Saakaschwili ist der Feier wegen Unstimmigkeiten über den Abzug russischer Truppen aus Georgien kurzfristig ferngeblieben.
Wenig begeistert zeigt sich die russische Führung von der Reise des US-Präsidenten Bush, der vor Moskau in Riga weilte und am Dienstag Georgien besuchen wird.
swissinfo, Alexandra Stark
Die Sowjetunion hat im 2. Weltkrieg bis zu 27 Millionen Menschen verloren.
Ihrer gedachte Russland am Montag anlässlich der Feierlichkeiten zum Kriegsende vor 60 Jahren.
An der Feier in Moskau nahmen über 50 Staats- und Regierungschefs teil.
Offizieller Vertreter der Schweiz war Bundespräsident Samuel Schmid.
Er traf bei dieser Gelegenheit kurz mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, dem US-Präsidenten George W. Bush und UNO-Generalsekretär Kofi Annan zusammen.
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