Die Schweiz hilft Frauen von Srebrenica
Eine Delegation der Bewegung der Mütter aus Srebrenica ist bei ihrem Besuch in der Schweiz am Mittwoch (29.11.) von Aussenminister Deiss empfangen worden. Die Schweiz unterstützt Projekte zur Identifizierung der Opfer des Massakers von Srebrenica.
Es sind mehr als fünf Jahre her seit den Massakern von Srebrenica und Zepa (11. Juli 1995), als mehrere tausend Männer von den bosnisch-serbischen Truppen und paramilitärischen Einheiten umgebracht und in Massen-Gräbern verscharrt wurden.
Bis heute würden über 10’000 Bosniaken vermisst, darunter 570 Frauen und mehr als 1’000 Minderjährige, verlautete an einer Medienkonferenz der Gesellschaft für bedrohte Völker in Bern. Erstes Ziel der «Bewegung der Mütter aus den Enklaven Srebrenica und Zepa» sei es, die Überreste der 5’300 Männer, die bis heute aus Massen-Gräbern exhumiert wurden, zu identifizieren.
Unerträgliche Situation
Bis heute sind erst 73 Personen identifiziert worden. Der Identifikations-Prozess ist sehr teuer und dauert lange. «Für uns schwerst traumatisierte Frauen und Kinder ist die Situation unerträglich», erklärte Munira Subasic, Vorsitzende der «Bewegung der Mütter aus den Enklaven Srebrenica und Zepa» in Bern. Subasic: «Wir wissen immer noch nicht, ob unsere Angehörigen unter diesen Toten sind.»
Deshalb sei es für die Delegation wichtig, die Schweiz von der Notwendigkeit einer Partizipation an der Bewältigung des schlimmsten Massakers in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs zu überzeugen, fügte sie hinzu. Zur Bewältigung gehöre auch die Verurteilung der Kriegsverbrecher. Subasic: «Wir sind die Überlebenden des Holocaust von Srebrenica, und die Verantwortlichen sind immer noch an der Macht.»
Die offizielle Schweiz hilft
Die Schweiz unterstützt den Prozess der Identifizierung der Opfer mit 100’000 Franken, gab SP-Nationalrätin Vreni Müller-Hemmi bekannt.
Angesichts des Leids der ungeklärten Fragen sei dies sehr wenig Geld, erklärte Müller-Hemmi gegenüber swissinfo. Aber es sei ein Anfang, der zeige, dass die offizielle Schweiz gemerkt habe, dass hier eine Aufgabe noch zu lösen sei. In diesem Sinne sei dies ein positives Signal auch gegenüber der nach wie vor ungelösten Situation der internen Vertriebenen in Bosnien.
Alina Kunz Popper
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