Einbürgerungspraxis:Hoher Ausländeranteil ist selbst verschuldet
630'000 Ausländerinnen und Ausländer erfüllen heute die Voraussetzungen zur Einbürgerung, aber nur 20'000 werden pro Jahr eingebürgert. Die Schweiz ist damit europäisch gesehen ein Sonderfall. Und hat deshalb auch einen hohen Ausländeranteil.
Das Bundesamt für Statistik (BFS) hat am Montag (06.11.) in Bern eine Studie über die Einbürgerungen in der Schweiz in den letzten 20 Jahren präsentiert. Es zeichnet darin ein heterogenes Bild mit Unterschieden nach Nationalitäten, Kantonen und Gemeinden, die nur schwer erklärbar sind.
Wie BFS-Vizedirektor Werner Haug ausführte, ist die Einbürgerungs-Ziffer mit 1,5 Prozent seit 1981 praktisch stabil. Damit tanze die Schweiz in Europa aus der Reihe. Die Voraussetzungen für eine Einbürgerung seien in der Schweiz wesentlich schwieriger zu erfüllen als in den Nachbarstaaten.
Anderseits verzichteten gerade Angehörige aus den EU-Staaten bewusst auf den Schweizer Pass. Das sei Folge der unvollständigen Integration der Schweiz in Europa, sagte Haug.
Pass gibt Sicherheit
Wer sich um den Schweizer Pass bemühe, suche vorab Sicherheit, sagte Haug. Besonders hohe Einbürgerungs-Ziffern sind bei Personen festzustellen, die aus politisch unsicheren Staaten stammen.
Personen aus dem früheren Jugoslawien und aus der Türkei lassen sich ebenfalls häufig einbürgern. Die Einbürgerungs-Ziffern sind in den letzten vier Jahren allerdings zurückgegangen. Dies deutet laut BFS auf eine zunehmende Abwehrhaltung in den Kantonen und Gemeinden hin.
Rechtsstaatlich bedenklich
In einzelnen Kantonen werden Personen aus Jugoslawien sechsmal häufiger eingebürgert als in andern, bei Personen aus der Türkei ist der Unterschied sogar eins zu zwölf.
Bei den Gemeinden variiert die Einbürgerungsziffer zwischen 2,5 und 0,4 Einbürgerungen auf 100 wohnhafte Ausländerinnen und Ausländer. Die grossen Unterschiede in der Einbürgerungspraxis seien problematisch, da es zu willkürlichen und sogar diskriminierenden Entscheiden kommen könne, schreibt das BFS.
Ein Viertel hier geboren
Fast ein Viertel der 1,5 Millionen Ausländerinnen und Ausländer in der Schweiz ist hier geboren. Bei den Kindern und Jugendlichen sind es sogar mehr als drei Fünftel. Jede vierte Eheschliessung in der Schweiz ist heute «binational».
Der Bundesrat plant für Ende Jahr eine neue Vorlage über die erleichterte Einbürgerung in der Schweiz aufgewachsener junger Ausländerinnen und Ausländer. Ein erster Vorschlag war 1994 am Ständemehr gescheitert.
swissinfo und Agenturen
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