Erster Rundfahrten-Sieg für Mauro Gianetti
Mauro Gianetti hat am Sonntag (28.05.) die über sechs Etappen führende Japan-Rundfahrt gewonnen. Mit diesem ersten Rundfahrten-Sieg sicherte sich der 36-jährige Tessiner den 22. Erfolg in seiner 14-jährigen Profikarriere.
Den Grundstein zum Sieg in dieser von mehreren europäischen Profiteams bestrittenen Rundfahrt legte Gianetti in der 3. Etappe, die er solo gewonnen hatte.
Es gibt wenige Radprofis, deren Karrierekurve derart extrem nach oben und unten ausschlägt wie jene von Mauro Gianetti. Nachdem er während Jahren kaum Beachtung fand, gewann er 1995 innert Wochenfrist sowohl Lüttich-Bastogne-Lüttich als auch das Amstel Gold Race.
Ein paar Monate später sürzte er an der Tour de Suisse schwer. Einige Kilometer vor dem Etappenziel in Genf geriet Gianetti, der aussen am Feld nach vorne fuhr, um einen Teamkollegen in die Sprint-Entscheidung zu führen, mit dem Vorderrad in einen Spalt, der Abwasser ableiten soll, das Velo blockierte auf der Stelle, und der Tessiner stürzt kopfvoran auf den Asphalt. Er hatte dennoch grosses Glück im Unglück. Die gebrochenen Halswirbel haben zu keinen Lähmungen geführt.
Im Herbst 1996 war Gianetti wieder ganz oben. Vor seinem Heimpublikum fuhr er bei der Strassen-WM in Lugano ein grosses Rennen und gewann die Silber-Medaille.
Im Frühling 1998 folgte an der Tour de Romandie der nächste Tiefschlag. Während der grossen Bergetappe musste Gianetti aufgeben, kollabierte in der Ambulanz und schwebte anschliessend während Tagen in Lebensgefahr. In den Medien kursierte der Verdacht, dass PFC (Perfluorcarbon) im Spiel sei, ein höchst riskantes, klinisch noch nicht ausreichend getestetes künstliches Blut.
Zwei Lausanner Ärzte klagten daraufhin gegen Unbekannt wegen fahrlässiger Körperverletzung. Gianetti selbst wies jeden Dopingverdacht von sich. La Française des Jeux, der Sponsor der französischen Sportgruppe, wollte vom Tessiner trotz eines Vertrages, der auch noch 1999 weitergelaufen wäre, nichts mehr wissen.
Doch Aufhören war für Gianetti kein Thema. Er unterschrieb einen Vertrag mit dem kleinen italienischen Rennstall «Vini Caldirola-Sidermec», um seinen Beruf weiterhin ausüben zu können.
swissinfo und Agenturen
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards
Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!
Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch