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Genf untersucht Flüchtlingspolitik während des zweiten Weltkriegs

Grafik Flüchtlingsbericht Genf 2. WKrieg swissinfo.ch

Rund 800 Flüchtlinge wurden von 1942 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges an der Genfer Grenze zurückgewiesen. Dies ist eine erste Schätzung der Experten, die derzeit die betreffenden Dossiers des Genfer Staatsarchives auswerten.

«Unter den Genfern hatte es nicht nur Helden, aber auch nicht nur Halunken», fasste Staatsrat Robert Cramer die Problematik am Donnerstag (14.09.) vor den Medien in Genf zusammen. Die Leute, welche die Schweizer Grenze während dieser Zeit überwachten, hätten nicht alle gleich auf die Hilfe suchenden Menschen reagiert.

Seit drei Jahren wird geforscht

Um etwas Licht in die Dunkelheit dieser Seite der Genfer Geschichte zu bringen, sind Forscherinnen und Forscher seit drei Jahren dabei, die 19’376 Dossiers auszuwerten, die im Genfer Staatsarchiv liegen. Sie betreffen 23’500 Personen, die in Genf zwischen 1942 und dem Ende des Krieges Schutz suchten.

Nach der Auswertung von zehn Prozent der Dossiers können die Forscher im Sinn einer Repräsentativerhebung sagen, dass rund acht Prozent der jüdischen Flüchtlinge an der Grenze abgewiesen wurden. Dies entspricht rund 800 Personen, wie Staatsarchivarin Catherine Santschi erläuterte.

Von diesen 800 Flüchtlingen ist von rund 100 bekannt, dass sie später aus Frankreich in die Konzentrationslager deportiert wurden. Dagegen ist laut Santschi unklar, was mit den übrigen 700 geschehen ist.

Gewisser Handlungsspielraum

Die kantonalen Behörden hatten im Bezug auf die Anweisungen aus Bern einen gewissen Handlungsspielraum. Diesen hätten sie zwar manchmal ausgenutzt, aber oft seien einfach die Instruktionen des Bundes umgesetzt worden, sagte Cramer.

Um noch mehr über die damalige Vorgehensweise an der Genfer Grenze zu erfahren, bleibt den Forschern noch genügend Material, das aber auch viel Zeit in Anspruch nimmt. So geschieht es laut Santschi oft, dass ein interessantes Dossier einen ganzen Nachmittag in Anspruch nimmt.

swissinfo und Agenturen

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