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Im Kampf gegen die Steuerflucht wurde 2000 der Turbo eingeschaltet

Bank und Bundeshaus im Spannungsfeld der Steuerflucht. Keystone

Während die grossen internationalen Treffen nicht immer die erhofften Resultate bringen, stiess der Kampf gegen die Steuerparadiese auf ein ausserordentliches Medienecho - obwohl er gar nicht auf der Tagesordnung stand.

Die drei schwarzen Listen des Forums für Finanzstabilität der G7, der Task Force «Finanzielle Massnahmen gegen die Geldwäsche» und der OECD, welche Mitte Jahr veröffentlicht wurden, haben Bern gestärkt, Vaduz dagegen kam ganz schön ins Schwitzen.

Die Schweiz ist nun anerkanntermassen ein Land, das im Kampf gegen die Grosskriminalität mit seinen Nachbarn zusammenarbeitet. Ausserdem gehören ihre neuen Bestimmungen im Kampf gegen die Geldwäscherei zu den weltweit strengsten. Sogar Hotels oder kleine Wechselstuben müssen sich Gedanken machen über ihre Kunden.

Liechtenstein dagegen ist als einziges europäisches Land sowohl von der G7, der Task Force und der OECD aufs Korn genommen worden. Das Fürstentum dürfte diese Etikette des schwarzen Schafes, welche auch eher verdächtigen Länder wie den Bahamas oder Panama anhaftet, nur mit Mühe wieder los werden.

Der Krieg gegen die Geldwäschereiländer, den die USA und die EU auf Betreiben Frankreichs gemeinsam führen, soll auch 2001 weitergehen. Stuart Eizenstat, Nummer 2 im amerikanischen Finanzministerium, hat in einem Interview mit der Financial Times angekündigt, dass nächstens einige weitere Namen auf der schwarze Liste der Task Force zu finden sein werden.

Allerdings sollten die drei Listen aufeinander abgestimmt werden. Denn wie ist es zu erklären, dass die Task Force Russland zu den Geldwäschern der schlimmsten Sorte zählt, während weder der G7 noch der OECD die Praktiken des ehemaligen Sowjetstaats zu denken geben?

Und was ist von der Haltung Frankreichs und Grossbritanniens zu halten, welche ihre Schützlinge Monaco, Andorra und die Inseln Man, Jersey und Gernsey aus der Sache herauszuhalten vermochten?

Ausserdem profitieren neue Steuerparadiese wie Mauritius und Montenegro (wo in der Freizone eine Bank in weniger als einer Woche eröffnet werden kann) davon, dass sie nicht auf der schwarzen Liste figurieren. Mit diesem Argument ziehen sie neues Kapital an!

Ian Hamel

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