Luzern, die Stadt des Friedens
Mit einer internationalen Konferenz gedenkt die Stadt Luzern des 100-jährigen Jubiläums des Internationalen Friedenskongresses von 1905.
Die Veranstaltung soll daran erinnern, dass der Kampf für den Frieden nicht beendet ist: Noch immer leiden Hunderte Millionen Menschen täglich unter Kriegen.
Nach Jahrtausenden von Kriegen und Massakern entstanden in den letzten, von aggressivem Nationalismus und kriegerischem Imperialismus geprägten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts in Europa zahlreiche Friedensbewegungen.
Sie setzten sich aus einem breiten politischen Spektrum zusammen, das von Anhängern des Liberalismus bis zu Sozialisten und Anarchisten reichte. Die Pazifisten erhoben ihre Stimme immer stärker mittels Schriften, Kundgebungen und Kongressen.
Im September 1905 kamen so 400 Delegierte aus 16 Nationen – hauptsächlich aus Europa, aber auch aus den USA und China – zum 14. Internationalen Friedenskongress in Luzern zusammen.
Pazifistische Tradition
100 Jahre später gedenkt Luzern mit einer zweitägigen internationalen Konferenz für Frieden und Sicherheit des historischen Ereignisses, das damals internationale Aufmerksamkeit erregt hatte.
«Es handelt sich um ein wichtiges Erbe, das gebührend gefeiert werden sollte», sagt Ahmed M. El Ashker, Präsident des Vereins «Lucerne Initiative for Peace and Security» (LIPS). «Auch heute ist das Thema Frieden immer noch von grosser Aktualität», so der Organisator der Konferenz zu swissinfo.
Bereits 1902 gründeten Luzerner Pazifisten, darunter der Industrielle Jan Bloch, ein Kriegs- und Friedensmuseum – das erste der Welt.
Die neutrale und demokratische Schweiz war in diesen Jahren zu einer Art Plattform für internationale Friedensbewegungen geworden. Viele von ihnen hatten ihren Sitz in der Schweiz.
Nicht von ungefähr waren drei der ersten vier Friedensnobelpreisträger Schweizer Staatsbürger: Henri Dunant (1901), Gründer des Roten Kreuzes, sowie Elie Ducommun und Charles Albert Gobat (1902).
Kalter Krieg friert Pazifismus ein
«Die Schweiz kann sicher als Friedensland bezeichnet werden», erklärt El Ashker. «Denken wir nur daran, dass das Land in den letzten 150 Jahren keine Kriege mehr geführt hat; oder denken wir an seine Neutralitätspolitik oder an das Rote Kreuz.»
«Aber vielleicht gewöhnt man sich in der Schweiz zu leicht daran, im Frieden zu leben, dies als selbstverständlich zu betrachten», sagt der LIPS-Präsident.
Die Friedenskonferenz in Luzern will daran erinnern, dass nach über einem Jahrhundert pazifistischer Bewegungen heute immer noch ein grosser Teil der Menschheit an den Folgen von Kriegen leidet.
«Von der russischen Revolution 1917 bis zum Fall der Berliner Mauer 1989 hat die ideologische Trennung zwischen Ost und West viele pazifistische Bestrebungen eingefroren», sagt Professor Markus Furrer, Historiker an der Universität Freiburg, gegenüber swissinfo.
«Jede Debatte war geprägt vom Schema Links gegen Rechts. Deshalb war es nicht leicht, für den Frieden zu kämpfen. Im Westen wurde man als Pazifist sofort als Kommunist beschimpft, im Osten als Kapitalistenfreund.»
Weniger Naivität
Historisch gesehen hat der Pazifismus nach dieser langen Zäsur heute teilweise den Geist seiner Gründer wiedererlangt.
Heute – so wie auch 1905 – herrschen nicht mehr Ideologien vor. Der Pazifismus ist durch eine Art von Idealismus ersetzt worden, in dem sich sehr unterschiedliche Denkströmungen finden, die nicht sofort instrumentalisiert oder polarisiert werden.
«Gleichzeitig gibt es aber auch grosse Unterschiede zum damaligen Pazifismus», sagt Furrer. «Vor einem Jahrhundert herrschte bei den Pazifisten viel Naivität. Viele von ihnen dachten damals, mit ein bisschen Propaganda, ein paar guten Zeitungsartikeln oder mit entsprechenden Schulbüchern könnte man die Leute friedlich stimmen.»
Heute habe der Pazifismus eine viel komplexere Dimension, «ich würde sagen eine wissenschaftliche», so Furrer. «An Friedenskonferenzen wie jener in Luzern sind Dutzende von Organisationen präsent, die sich mit ausgefeilten und wissenschaftlichen Argumenten für den Frieden einsetzen.»
swissinfo, Armando Mombelli
(Übertragung aus dem Italienischen: Jean-Michel Berthoud)
1901: Henri Dunant, Gründer des Roten Kreuzes, erhält den ersten Friedensnobel-Preis.
1902: In Luzern wird das erste weltweite Friedensmuseum eröffnet.
1905: In der helvetischen Stadt findet der 14. Weltfriedens-Kongress statt.
2005: Luzern organisiert zum 100. Geburtstag des Kongresses eine internationale Konferenz über Frieden und Sicherheit.
Die Internationale Friedenskonferenz «Visionen zu Frieden und Sicherheit. Luzern 1905-2005» findet am 22. und 23. September 2005 statt.
Organisiert wird sie von der Luzerner Initiative für Frieden und Sicherheit (LIPS).
Die Veranstaltung wird vom Bund, dem Kanton und der Stadt Luzern sowie von verschiedenen Nichtregierungs-Organisationen und privaten Sponsoren unterstützt.
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