Schweizer in Völkerrechts-Kommission der UNO gewählt
Lucius Caflisch ist am Donnerstag in die UNO-Kommission für Völkerrecht gewählt worden. Er war unter anderem Richter am Europäischen Gerichtshof.
Der Professor für Völkerrecht ist der erste Schweizer, der in dieses 34-köpfige UNO-Gremium gewählt wurde.
Die UNO-Generalversammlung hat den Schweizer Völkerrechtler und früheren Rechtsberater des Eidg. Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) Lucius Caflisch in die UNO-Völkerrechtskommission gewählt.
Die Schweiz freue sich über die Wahl von Caflisch, teilte die Schweizer UNO-Mission in New York nach der Sitzung der Generalversammlung am Donnerstag mit. Die Schweiz messe der Arbeit der Kommission grosse Bedeutung zu.
Die Achtung und Entwicklung des Völkerrechts bildet laut der Mission einen wichtigen Bestandteil der Schweizer Aussenpolitik.
Obwohl die Schweiz in der Vergangenheit international renommierte Völkerrechtler hervorgebracht hat, war bisher noch nie ein Schweizer Mitglied im Gremium.
Seerecht, Personenminen, Strafgerichtshof
Der 69-jährige Caflisch ist Völkerrechtsprofessor am Institut Universitaire des Hautes Etudes Internationales in Genf, das er zwischen 1984 und 1990 auch geleitet hat.
In den 90er-Jahren vertrat er die Schweiz an bedeutenden internationalen Verhandlungen, wie dem Abschluss der Seerechtskonvention, dem Verbot der Personenminen und der Schaffung des Internationalen Strafgerichtshofes.
Mehr
Internationales Völkerrecht
Eine der älteren Kommission innerhalb der UNO
Zwischen 1998 und 2006 war er für das Fürstentum Liechtenstein Richter im Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.
Die Völkerrechtskommission wurde bald nach der Gründung der UNO geschaffen. Sie hat den Auftrag, die Entwicklung und Kodifizierung des Völkerrechts voranzutreiben.
Die aus 34 Mitgliedern bestehende Kommission unterbreitet ihre Vorschläge der UNO-Generalversammlung. Das Gremium tagt zwei Mal pro Jahr für fünf Wochen in Genf.
swissinfo und Agenturen
In der Schweiz sind 25 Internationale Organisationen tätig. Aber in fast all diesen Instanzen sind Schweizer als Mitglieder und Angestellte in der Minderzahl.
Zu den bekannteren Schweizern in diesen Organisationen gehören Nicolas Michel (juristischer Berater der UNO), Adolf Ogi (Sonderberater für «Sport im Dienste von Entwicklung und Frieden» im Auftrag der UNO), Carla Del Ponte (Chefanklägerin Chefanklägerin des UNO-Kriegsverbrechertribunals für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag), Walter Kälin (UNO-Menschenrechts-Ausschuss), Jean Ziegler, UNO-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung.
Kürzlich sind zwei Schweizer nicht in UNO-Positionen gewählt worden: Marc Furrer kandidierte für die Leitung der Internationalen Telekommunikations-Union (ITU), Walter Fust für die Direktion des UNO-Welternährungsprogramms.
Die Kommission für Völkerrecht wurde 1947 von der UNO-Generalversammlung gegründet. Ihre 34 Mitglieder nehmen ihren Sitz als Privatpersonen und nicht als Regierungs-Vertreter ein.
Die Kommission arbeitet Projekte im Zusammenhang mit völkerrechtlichen Fragen aus. Ideen kommen direkt aus der Generalversammlung oder aus den Gremien.
Liegt ein ausgearbeiteter Gesetzesvorschlag vor, wird üblicherweise eine internationale Konferenz zusammengerufen, um den Artikel in die eine internationale Konvention umzuformen.
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards
Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!
Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch