Der Köbi im Offside

Wo bitte geht's zur EM, Köbi Kuhn? Keystone

Er war ein (für Schweizer Verhältnisse) begnadeter Fussballspieler. Dann ein guter U-21-Trainer. Aber als Schweizer Nationalcoach wird Jakob "Köbi" Kuhn zum Problem.

Dieser Inhalt wurde am 28. November 2001 - 14:28 publiziert

Als Köbi Kuhn im August Coach der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft wurde, sprach man in der (deutschsprachigen) Schweiz vom Hoffnungsträger. Enzo Trossero, Kuhn's Vorgänger, hatte sich geweigert, deutsch zu sprechen und die Qualifikation der Schweiz für die Weltmeisterschaft in Südkore/Japan schon praktisch vergeigt. Wobei ja nicht der Trainer, sondern das Team, die Punkte sammeln muss, um zur WM zu fahren. Dann kam für die letzten Qualifikations-Spiele Kuhn.

Kuhns Aufgabe sei es, die Schweizer an die Europameisterschaft 2004 zu führen, hiess es beschwichtigend bei seiner Ernennung. Doch schon bei den WM-Qualifikationsspielen, den Niederlagen gegen Jugoslawien und der Schmach gegen die Russen, erhoben sich kritische Stimmen. Der Sympathieträger wurde zum Buhmann. Daran waren nicht nur die Niederlagen in der WM-Qualifikation schuld.

Krach mit den Stars

Köbi Kuhn spielte von 1960 bis 1977 beim FC Zürich und galt als bester Mittelfeldspieler der Schweiz. Sechs Mal wurde er mit Zürich Schweizer Meister. Dazu kommen 5 Cupsiege und 64 Länderspiele, darunter die WM-Teilnahme 1966. Zusammen mit Karl Odermatt vom FC Basel bildete Kuhn so etwas wie ein Traumduo. Auch als Nachwuchstrainer beim Schweizerischen Fussballverband konnte Kuhn überzeugen.

Dann aber als Trainer der "richtigen" Nationalmannschaft musste sich Köbi Kuhn mit den Launen der Stars herumschlagen und mit denen konnte man nicht mehr verfahren, wie mit der U-21.

Ausgerechnet mit den verdienten Spielern Henchoz (Liverpool), Sforza (Bayern München) und Chapuisat (GC, früher Borussia Dortmund) verkrachte sich Kuhn. Sie wurden von Kuhn ausgemustert. Das allein hätte wohl das Fass noch nicht zum Überlaufen gebracht. Aber die Spieler erfuhren ihre Ausmusterung durch die Presse und nicht im direkten Gespräch mit dem Team-Verantwortlichen.

Nun ist Feuer im Fussballdach. Zwar steht der SFV, der Schweizerische Fussballverband (noch) hinter seinem Coach. Doch in der Presse wird der "Köbi" mehr und mehr kritisiert. Ist ein Trainer, der derart naiv kommuniziert noch tragbar? Hat Kuhn das Recht, Entscheide dieser Tragweite in der Öffentlichkeit bekannt zu geben? Sind seine Tage als Nati-Coach bereits gezählt?

Presse hebt den Warnfinger

Die "Aargauer Zeitung" spricht schon von "lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende" und die "Basler Zeitung" findet, Kuhn habe nichts gelernt. Für die "Neue Luzerner Zeitung" ist Kuhn gefordert und für den Zürcher "Tages Anzeiger" gar überfordert.

Die in Sachen Schweizer Fussball-Nationalcoach wichtige und mächtige Boulevardzeitung "Blick" liess die Leserinnen und Leser per TED abstimmen und das Ergebnis war laut Blick "brutal". 763 finden Köbi Kuhn solle bleiben, aber 1280 denken er sei nicht der richtige Trainer für diese Nati!

Und was sagt der unsichere Kuhn zur Lage? Trotzig lässt er verlauten er gedenke nicht, sich dem Druck von aussen zu beugen.

Urs Maurer

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