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Heidi Berger überflog mit 19 Jahren die Alpen

Heidi Berger, fotografiert zusammen mit der Brantly B.2 HB-XAZ (HAB).
Heidi Berger, fotografiert zusammen mit der Brantly B.2 HB-XAZ (HAB). Heli-Archive Bazzani - Sementina/Switzerland

Es sind 65 Jahre vergangen, seit eine junge Pilotin die Alpen überflog – am Himmel einer Schweiz, die Frauen damals noch das Stimmrecht auf Bundesebene verwehrte.

Am 25. August 1961 starteteHeidi BergerExterner Link auf dem Flugplatz Speck-Fehraltorf im Kanton Zürich mit Kurs auf Samedan im Engadin. Sie flog eineBrantly B-2Externer Link und war gerade einmal 19 Jahre alt. 65 Jahre später wird sie in den verfügbaren Quellen als die erste Frau bezeichnet, die die Schweizer Alpen mit einem Helikopter überquert hat.

Ein Rekord, der jedoch in die richtige Perspektive gerückt werden muss. Aus flugtechnischer Sicht war die Überquerung keine aussergewöhnliche Leistung. Berger, die noch wenig Erfahrung am Steuer eines Helikopters hatte, wurde von einem erfahrenen Piloten begleitet.

Aussergewöhnlich war vielmehr die Person, die am Steuer sass: eine junge Frau in einer Zeit, in der Frauen im Cockpit eines Helikopters noch eine Seltenheit waren.

Der Helikopter begann sich damals in der Schweiz als Arbeits- und Rettungsgerät zu etablieren. Die 1952 gegründete Schweizerische RettungsflugwachtExterner Link hatte sein Potenzial schon früh erkannt; im zivilen Bereich war HeliswissExterner Link (1953) in den Bereichen Transport, Luftarbeit und Rettung tätig. Anfang der 1960er-Jahre war der Helikopter somit nicht mehr nur eine technische Neuheit, sondern eine zunehmend präsente Erscheinung am Schweizer Himmel.

Vor diesem Hintergrund gewinnt die Geschichte von Heidi Berger an Bedeutung. Sie wurde 1941 in St. Gallen als Tochter des Erfinders und Helikopterbauers Hans Berger geboren und lernte eine Branche aus nächster Nähe kennen, die sich in voller Entwicklung befand.

Noch bevor sie achtzehn Jahre alt war, erwarb sie die Privatpilotenlizenz für Flugzeuge. Anschliessend absolvierte sie ihre Helikopterausbildung in Nürnberg, wo sie am 2. März 1961 die Privatpilotenlizenz erwarb; am 11. Juli bestand sie die Prüfung in Speck-Fehraltorf und erhielt zudem die Schweizer Privatpilotenlizenz Nr. 56.

Heidi Berger, fotografiert mit einem Hubschrauber vom Typ Agusta-Bell 47G3B-1, der bei Heliswiss (HAB) im Einsatz ist
Heidi Berger, fotografiert mit einem Hubschrauber vom Typ Agusta-Bell 47G3B-1, der bei Heliswiss (HAB) im Einsatz ist. Heli-Archive Bazzani – Sementina/Switzerland

Wie im Heli Archive, dem Portal für Helikopterbegeisterte des Piloten Mario Bazzani, dokumentiert ist, begann Berger wenige Monate später ihre berufliche Laufbahn. Am 20. Dezember 1961 erwarb sie die schweizerische Berufspilotenlizenz für Helikopter und begann anschliessend für Scania SA-Air Photo zu fliegen.

Sie war ausserdem Testpilotin im väterlichen Unternehmen und arbeitete später für Heliswiss, wo sie sich laut Zeugenaussagen die Wertschätzung und Sympathie von Piloten und Mechanikern verdiente. Als sie Anfang der 1970er-Jahre den Beruf als Pilotin aufgab, hatte sie über 2’500 Flugstunden gesammelt.

Hier, mehr noch als in ihrem Rekord von 1961, zeigt sich Bergers eigentliche Pionierrolle: Sie verwandelte einen ungewöhnlichen Einstieg in eine solide berufliche Laufbahn. Ein Werdegang, der vor dem Hintergrund der damaligen politischen Lage in der Schweiz noch bedeutender wird.

Im Jahr 1961 durfte eine Frau zwar beruflich einen Helikopter fliegen, aber nicht an eidgenössischen Wahlen teilnehmen: Das Frauenstimmrecht, das 1959 von fast 70% der Stimmbürger abgelehnt worden war, sollte erst 1971 eingeführt werden.

Es wäre jedoch anachronistisch, ihr politische Motive zu unterstellen: Nichts deutet darauf hin, dass Berger ihre eigene Erfahrung so interpretierte. Sie lebte ihre Leidenschaft für das Fliegen mit Einfachheit und Diskretion und interessierte sich mehr für das Fliegen als für den Ruhm.

Sie war im Übrigen nicht die erste Schweizer PilotinExterner Link: Bereits 1914 hatte Else Haugk das erste an eine Frau ausgestellte Schweizer Pilotenbrevet erhalten.

Externer Inhalt

Schwieriger ist es, ihre Präsenz im öffentlichen Gedächtnis nachzuvollziehen. Im Dezember 1962 erinnerte das Luzerner Tagblatt an sie als die erste Frau, die die Alpen mit dem Helikopter überquert hatte, und berichtete über ihre Aufnahme in die Whirly-GirlsExterner Link, den internationalen Verband der Helikopterpilotinnen (Tüchtige Fliegerin, S. 8, 21.12.1962).

Ihr Name tauchte danach in der Presse und in Luftfahrtpublikationen wieder auf, doch lässt sich nur schwer feststellen, wie regelmässig dies geschah.

Heidi Berger neben der Brantly B-2 HB-XAZ.
Heidi Berger neben der Brantly B-2 HB-XAZ.__ Helikopter Hysterie ZWO, Heinrich Dubel, 2022

65 Jahre später behält der Flug von Speck-Fehraltorf nach Samedan somit seinen symbolischen Wert, erzählt aber nur einen Teil der Geschichte.

Hinter diesem Rekord steht vor allem die Geschichte einer jungen Frau, die, ohne grosses Aufhebens darum zu machen, ihre Leidenschaft für das Fliegen schon früh zum Beruf machte und sich in einem Umfeld behauptete, das es nicht gewohnt war, eine Frau am Steuerknüppel zu sehen.

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