US-Preisdruck gefährdet neue Medikamente in der Schweiz
Der Geschäftsführer von Interpharma warnt: Der Preisdruck aus den USA verhindere neue Medikamente in der Schweiz.
Die Pharmaindustrie ist der Wirtschaftsmotor der Schweiz. Geht es der Pharmaindustrie schlecht, sinken die Steuereinnahmen der Schweiz, sagt René Buholzer, Geschäftsführer von Interpharma, dem Verband der forschenden Pharmaindustrie. Und: Der Preisdruck aus den USA verhindere neue Medikamente in der Schweiz, warnt er.
Interpharma ist der Verband der forschenden pharmazeutischen Firmen der Schweiz und vertritt 23 hiesige Pharmafirmen. Der Verein mit Sitz in Basel wurde 1933 gegründet.
René Buholzer ist seit 2017 Geschäftsführer von Interpharma. Zuvor war er unter anderem während mehr als zehn Jahren Global Head of Public Policy and Sustainability der Grossbank Credit Suisse und Mitglied der Geschäftsleitung von Economiesuisse.
SRF News: Warum braucht eine so mächtige Branche politische Unterstützung durch eine Arbeitsgruppe «Lifesciences-Standort» des Bundes?
René Buholzer: Weil es uns bedeutend schlechter geht, als es scheint. Ohne bessere Rahmenbedingungen wird der Pharmastandort Schweiz schrumpfen.
Eine aktuelle Analyse zeigt, dass wir bis 2040 kleiner sein könnten als heute. Das hätte massive Auswirkungen auf die Steuereinnahmen im ganzen Land.
Hören Sie das SRF-Interview mit René Buholzer:
Sie warnen davor, dass neue, innovative Medikamente in der Schweiz fehlen. Eine neue Untersuchung von InterpharmaExterner Link soll das belegen?
Wir waren selbst überrascht, wie schnell es ging. Eine neue Auswertung zeigt: Ein Drittel der Medikamente, die von der Arzneimittelbehörde Swissmedic bereits zugelassen wurden, werden gar nicht mehr für die Vergütung durch die Krankenkassen eingereicht.
Sie setzen diese Entwicklung in Verbindung mit der US-Politik?
Die USA haben ein internationales Referenzpreissystem eingeführt. Das heisst, sie schauen bei der Preisfestsetzung direkt auf einen Korb von Ländern, zu dem auch die Schweiz gehört.
Unser Preis wird damit zur Referenz für den amerikanischen Markt. Ein tiefer Preis in der kleinen Schweiz würde die Einnahmen im riesigen US-Markt massiv schmälern.
Dieser Trend ist aber nicht neu. Schon seit Jahren kommen nicht alle in Europa zugelassenen Medikamente auch in die Schweiz.
Das ist korrekt. Die Entwicklung ist langfristig, weil das Bundesamt für Gesundheit (BAG) seit Jahren einen stärkeren Fokus auf Kostensenkung als auf Versorgungssicherheit legt.
Aber die Situation hat sich mit der neuen Preispolitik der USA, die auf unsere Preise schaut, massiv verschärft und beschleunigt das Problem extrem.
Heisst das, die Pharmabranche fordert in der Arbeitsgruppe des Bundes konkret höhere Medikamentenpreise?
Um die Versorgung sicherzustellen, kann es aufgrund der geänderten globalen Lage höhere Preise brauchen. Für die Finanzierung sind wir offen.
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Um die Preise zu senken, will die Politik mit der Revision der Krankenversicherungsverordnung Rabatte ermöglichen. Warum wehren Sie sich dagegen?
Das wäre in der alten Welt eine Lösung gewesen. Aber die USA verlangen neu explizit den Nettopreis, also den Preis nach Abzug aller Rabatte. Damit ist das Instrument wirkungslos.
Wenn wir einen zu tiefen Nettopreis haben, verzichten die Firmen lieber auf den kleinen Schweizer Markt, als eine Preissenkung im riesigen US-Markt zu riskieren.
Als ein Lösungsvorschlag der Arbeitsgruppe ist in den Medien von einem Fonds die Rede, bei dem beispielsweise die Kantone höhere Preise für neue Medikamente finanzieren sollen. Ist das in Ihrem Sinn?
Wir müssen die Sorge um die Höhe der Krankenkassenprämien ernst nehmen. Deshalb sind wir offen für jede Art von Finanzierungslösung. Das kann ein Fonds sein, Einsparungen bei patentabgelaufenen Medikamenten oder eine andere Aufteilung der Kosten.
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