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Senioren am Steuer: Machen Fahrtests die Schweizer Strassen sicherer?

In einer Fahrberatung können Seniorinnen und Senioren ihr Fahrkönnen überprüfen. Viele würden den Führerschein freiwillig abgeben, wenn sie sich das Fahren nicht mehr zutrauen, sagt Bea Heim.
In einer Fahrberatung können Seniorinnen und Senioren ihr Fahrkönnen überprüfen. Viele würden den Führerschein freiwillig abgeben, wenn sie sich das Fahren nicht mehr zutrauen, sagt Bea Heim. Keystone / Gaetan Bally

Autofahrer über 80 sind laut Statistik am meisten in Unfälle pro gefahrenen Kilometer verwickelt. Pro Senectute fordert regelmässige alters- und gesundheitsabhängige Fahrprüfungen.

Ende März fuhr ein 87-jähriger Autofahrer in einem Skilager in Sedrun in eine Gruppe von Schulkindern. Nach Angaben der Polizei hatte der Mann das Gaspedal mit dem Bremspedal verwechselt. Eine 47-jährige Lehrerin kam bei dem Unfall ums Leben, drei Kinder wurden verletzt, zwei von ihnen schwer.

Der Unfall wirft die Frage auf, ob die Fahrtauglichkeit älterer Menschen stärker kontrolliert werden sollte. Heute müssen Autofahrerinnen und Autofahrer in der Schweiz im Alter von 75 Jahren erstmals zu einer medizinischen Untersuchung.

Eine Ärztin oder ein Arzt prüft unter anderem Sehvermögen, Reaktionsfähigkeit und die allgemeine gesundheitliche Eignung zum Fahren. Danach muss die Kontrolle alle zwei Jahre wiederholt werden.

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Für gewisse Fälle seien zwei Jahre möglicherweise zu lange, sagt Peter Burri von Pro Senectute. Gerade bei sehr betagten Personen – wie beim Fahrer von Sedrun – könnte eine jährliche Überprüfung sinnvoll sein. «Wir wissen, dass die Fahrtüchtigkeit ab 80 Jahren deutlich abnimmt.»

Eigenverantwortung oder Eingreifen des Staats?

Das zeigen auch Zahlen des Bundesamts für Statistik: Autofahrerinnen und Autofahrer über 80 verursachen pro gefahrenem Kilometer mit Abstand am meisten Unfälle. Burri schlägt deshalb vor, künftig die Möglichkeit zu schaffen, abhängig von Alter und Gesundheitszustand auch jährliche Kontrollen anzuordnen – gegebenenfalls kombiniert mit einem Praxistest bei einer Fahrlehrerin.

Bea Heim, Co-Präsidentin von Vasos, einem Dachverband verschiedener Seniorenorganisationen mit rund 130’000 Mitgliedern, beschäftigt der tragische Unfall ebenfalls sehr. Eine Verschärfung der Kontrollen befürwortet sie dennoch nicht. Die aktuelle Regelung genüge. «Ältere Menschen spüren sehr gut, wie es ihnen geht, und übernehmen Verantwortung», sagt Heim.

Viele würden freiwillig Fahrstunden buchen oder den Führerausweis abgeben, wenn sie sich das Fahren nicht mehr zutrauen. Der Staat solle deshalb nicht stärker eingreifen. Zudem sei der Verlust des Führerscheins für Seniorinnen und Senioren ein massiver Einschnitt: «Es ist ein Verlust an Freiheit, Autonomie und Selbstbestimmung.»

Wie unabhängig ist der Hausarzt?

Nach dem Unfall stellt sich auch die Frage, ob es richtig ist, dass die Kontrollen oft beim eigenen Hausarzt oder der eigenen Hausärztin stattfinden. Besteht nicht die Gefahr, dass aufgrund der langen Bekanntschaft eher einmal ein Auge zugedrückt wird?

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Diese Gefahr gebe es tatsächlich, sagt Sébastien Jotterand, Präsident des Schweizer Hausärzteverbands. Umso wichtiger sei es, dass Ärztinnen und Ärzte ihre Rolle klar kommunizieren. «Ich bin dann nicht mehr der Vertrauensarzt», sagt Jotterand, «sondern ein Experte, der möglicherweise einen schwierigen Entscheid fällen muss».

Zudem seien die Tests standardisiert, erklärt er. Und wenn Zweifel bestehen – etwa Anzeichen einer Demenz –, werden Patientinnen und Patienten an eine Memory Clinic überwiesen und dort unabhängig beurteilt. Eine Anpassung der aktuellen Regelung brauche es aus seiner Sicht nicht. Der Beginn der Kontrollen ab 75 Jahren sei sinnvoll.

Ähnlich beurteilt es Marco Wölfli vom TCS. Der Mobilitätsclub empfehle Seniorinnen und Senioren grundsätzlich, ihr Fahrverhalten anzupassen: etwa Stosszeiten zu meiden und nur zu fahren, wenn sie sich körperlich gut fühlen. Solche kleinen Anpassungen könnten die Sicherheit bereits erhöhen, sagt Wölfli.

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