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Drum herum, statt mitten durch Zürich

Autobahndreieck Zürich Süd: Kampfansage an die Dauerstaus in und um Zürich.

(Keystone)

Mit der Westumfahrung Zürich wird am 4. Mai das nach der NEAT grösste Bauprojekt der Schweiz in Betrieb genommen. Die vielen Bauverzögerungen haben wahrscheinlich auch zu einem besseren Resultat geführt.

Das rund vier Milliarden Franken teure Bauwerk schliesst die letzte grosse Autobahnlücke zwischen Basel und Chur. Vor allem aber soll es Zürich vom Transitverkehr entlasten.

Mit dem Durchtrennen des blau-weissen Bandes durch Bundesrat Moritz Leuenberger soll also alles besser werden.

"Die Westumfahrung Zürich entlastet zum einen die Stadt Zürich, aber auch die umliegenden Gemeinden, wie Birmensdorf oder Adliswil. Dieser Teil der Region Zürich profitiert sicher", schätzt Thomas Rohrbach, Mediensprecher des Bundesamts für Strassen (ASTRA), gegenüber swissinfo.

"Wenn der Verkehr auf gut ausgebauten und sicheren Strassen fliessen kann, entlastet das auch die Innenstadtquartiere. Der Verkehr fliesst drum herum und quält sich nicht durch die engen Strassenschluchten."

Er schränkt jedoch ein: "Verkehrsprobleme kann man mit neuen Strassen aber wahrscheinlich nur für eine gewisse Zeit lösen."

Mega-Projekt

Mit der Westumfahrung wird die Autobahn A1, Zürich–Bern, mit der Autobahn A3, Zürich–Chur, verbunden. Während 13 Jahren wurden am 10,6 Kilometer langen Autobahnstück 2,85 Milliarden Franken verbaut. 80% der Strecke verlaufen in Tunnels, der Rest besteht zum grossen Teil aus Kunstbauten.

Früher eröffnet wurden 2006 die Umfahrung Birmensdorf und 2005 die Überdeckung Entlisberg der in den sechziger Jahren gebauten A3 bei Wollishofen.

Eines der Schlüsselbauwerke der Westumfahrung ist der 4,4 Kilometer lange und über 1 Milliarden Franken teure Üetlibergtunnel. Er ist mit modernster Sicherheitsüberwachungstechnik ausgerüstet. Im Notfall kann der Verkehr sogar von der einen zur anderen Röhre umgeleitet werden.

Rund 60'000 Fahrzeuge werden den Tunnel pro Tag befahren, wenn ab dem 13. November die Verbindung zur A4 durchs Knonauer Amt Richtung Zug hergestellt wird. Damit wird zusätzlicher Verkehr aus der Zentralschweiz in Richtung Zürich fliessen, rechnen Verkehrsplaner.

25-jährige Leidensgeschichte

Die Westumfahrung und die A4 durch das Knonauer Amt sind von einer langen Leidensgeschichte geprägt. So wurde das 1971 in das Nationalstrassennetz aufgenommene Projekt durch die grundsätzliche Kritik am Autobahnbau und wegen fehlenden Geldes öfter in Frage gestellt.

Die Kritik am Strassenbau gipfelte in der so genannten Kleeblatt-Initiative, welche ein autobahnfreies Knonauer Amt verlangte. Sie wurde zwar vom Stimmvolk abgelehnt, aber die Zeit bis zur Abstimmung sowie langwierige Auseinandersetzungen um die Linienführung mit Beschwerden bis vor Bundesgericht verzögerten das Projekt um Jahrzehnte.

Positive Aspekte

"Diese rund 35 Jahre dauernde Geschichte hat auch positive Aspekte und ein positives Ergebnis. Denn eine moderne Autobahn sieht heute völlig anders aus als vor 35 Jahren", erklärt Thomas Rohrbach.

Heute orientiere man sich am Konzept der Nachhaltigkeit. Es gehe nicht nur um wirtschaftliche Kriterien, sondern auch darum, auf die Gesundheit der Menschen und der Umwelt Rücksicht zu nehmen. "Es soll also so sozial und umweltverträglich wie möglich gebaut werden. Dafür ist die Westumfahrung von Zürich ein ziemlich gutes Beispiel."

Nach der anfänglichen Euphorie hat diese kritische Auseinandersetzung mit dem Nationalstrassenbau zu einem modernen Regelwerk geführt, nach dem sich der Neu- und Ausbau der Nationalstrassen orientiert.

"Das Umweltschutzgesetz, die Lärmschutzverordnung und viele andere Auflagen wie Wildtierüberführungen oder die Reinigung der Strassenabwässer haben vor 25, 30 Jahren überhaupt noch keine Rolle gespielt", sagt Thomas Rohrbach.

swissinfo, Etienne Strebel

"West-Fest"

Eine Woche, bevor die Westumfahrung offiziell dem Verkehr übergeben wird, vom 24. bis 26. April, findet ein grosses Volksfest statt.

Beim "West-Fest" am neuen Autobahnkreuz in Wettswil treten die Rockband Gotthard, DJ Bobo, DJ Ötzi sowie ein Dutzend weiterer Bands und regionale Künstler auf.

Auch Marktstände, ein Lunapark, sportliche Attraktionen, Ausstellungen und zahlreiche Verpflegungsmöglichkeiten runden das Angebot ab.

Nicht unumstritten ist die Formel-1-Rennschau auf der Autobahn des Schweizer Rennfahrers Neel Jani. Für die Grünen eine "geschmacklose, schon fast dekadente Aktion".

Bis zu 200'000 Menschen werden zum "West-Fest" erwartet. Um den Besucherstrom zu bewältigen, setzen die SBB rund 100 Extrazüge ein. Dazu sind Busse der Zürcher Verkehrsbetriebe und der Postauto AG während rund 2500 Stunden im Einsatz.

Die Gesamtkosten des Festes betragen rund 5,5 Mio. Fr. Davon entfallen 900'000 Franken auf die Eröffnungsfeier am 23. April. Für die Übergabe der A4 im Knonauer Amt am 13. November sind 100'000 Franken budgetiert.

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Wichtige Zahlen

Länge der A3 Westumfahrung Zürich: 10,6 km
davon im Tunnel: 8,4 km

Kosten inkl. Dreieck Zürich-Süd: 2,852 Mrd. Fr.

Länge der A4 im Knonaueramt: 15,7 km
davon im Tunnel: 4,9 km

Kosten: 1,138 Mrd. Fr.

80% der Gesamtkosten von 4 Mrd. Fr. übernahm das Bundesamt für Strassen ASTRA.

Höchster Punkt: 540 m Filderen
Tiefster Punkte: 430 m Brunau und Knonau

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(swissinfo.ch)

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