300 Mio. Verlust wegen WM
Die Fussball-Weltmeisterschaft kostet die Schweizer Wirtschaft 300 Mio. Franken - dies hat ein Team der Universität St. Gallen errechnet.
Am nächsten Freitag wird alles anders: Der Anpfiff zum Spiel Frankreich – Senegal in Seoul wird weite Teile der Welt für einen Monat in den Rhythmus der Fussball- Weltmeisterschaft stürzen. Für die Schweiz heisst das: Mit sechs Stunden Zeitverschiebung fallen die Spiele in die reguläre Arbeitszeit.
Damit drängt sich die Frage auf, wie teuer die WM kommt, wenn viele Arbeitnehmer lieber auf den Fernseh-Bildschirm schauen, anstatt zu arbeiten.
Maximal-Kosten: 300 Millionen Franken
Die Antwort liefert das Forschungsinstitut für Empirische Ökonomie und Wirtschaftspolitik (FEW) der Universität St. Gallen in einer Studie, die am Freitag in der Wirtschaftszeitung «Cash» veröffentlicht wurde. Die Wissenschaftler haben errechnet, dass die WM die Wirtschaft 300 Mio. Franken kosten wird.
«Wir waren erstaunt über den hohen Betrag», erklärte Franz Jaeger, Direktor des FEW gegenüber swissinfo. Er machte allerdings eine Einschränkung: «Das ist eine Maximal-Zahl. Eine präzise Voraussage ist nicht möglich.» Denn: Wie viele Leute tatsächlich auf Kosten des Arbeitsgebers den National-Elfen zuschauen, können die Wissenschaftler nur schätzen.
Aufwändige Schätzung
Das Forschungs-Team des FEW gab jedem Spiel eiune gewisse Anzahl von Punkten, welche die Popularität des Spieles wiederspiegeln sollen. Dann wurden die vom Fernsehsender SAT1 erwarteten 10 Mio. Schweizer Zuschauerinnen und Zuschauer der Spiel-Popularität entsprechend auf die Werktage verteilt. Abgezogen wurden die nicht erwerbstätigen Personen und ein Anteil Teilzeit-Arbeitende.
Multipliziert mit zwei Stunden – der Dauer eines gesamten Spieles inklusive Pause – gibt das 5,798 Mio. Stunden Arbeitsausfall. Jede Stunde kostet gemäss dem Produktionswert des Brutto-Inland-Produktes (BIP) 51,1 Franken. Die Kosten für den Arbeitsausfall werden also rund 296 Mio. Franken betragen – oder fast 0,073% des BIP.
Ausgeklammert wurden in der Studie allerdings Faktoren wie der «erhöhte Bierkonsum» (Jaeger) oder für die WM gekauften neue Fernseher, die den Konsum wiederum ankurbeln.
Firmen sehen keinen Handlungsbedarf
Trotz des erwarteten Arbeitsausfalles scheinen nur wenige Schweizer Firmen sich Gedanken zur Handhabe der Fussball-Euphorie ihrer Angestellten gemacht zu haben.
Gemäss einer Umfrage von «Cash» haben nur Sulzer und Swiss Re Vorbereitungen getroffen. Sulzer will die Spiele in der Mittagspause auf einer Grossleinwand zeigen, bei Swiss Re können Mitarbeitende ihre Überstunden während den Spielen kompensieren.
In anderen Konzern-Zentralen besteht laut «Cash» kein Handlungsbedarf. Auch bei Nestlé und Novartis wurde swissinfo mitgeteilt, dass nichts vorbereitet worden sei.
Auch positive Faktoren
Wissenschaftler Jaeger weist trotz allem jedoch noch auf einen unbezifferbaren Faktor hin: «Eine Weltmeisterschaft ist immer etwas sehr wichtiges für die Leute. Das kann die Arbeits-Atmosphäre verbessern, die Motivation und schliesslich die Produktivität der Angestellten steigern.»
Pierre Gobet
Übertragung aus dem Französischen: Philippe Kropf
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