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Aufatmen für ABB

Asbest war bis in die 70er Jahre ein oft verwendetes Material. Keystone Archive

Ein US-Gericht hat den in monatelangen Verhandlungen ausgearbeiteten Asbest-Vergleich über 1,2 Mrd. Dollar zwischen dem schwedisch-schweizerischen Elektrotechnik-Konzern ABB und den mehr als 100'000 amerikanischen Klägern abgesegnet.

Ein langes Seilziehen findet damit sein Ende.

Thomas Schmidt, Sprecher des ABB-Konzerns, bestätigte den Gerichtsentscheid, den ein Anwalt des Unternehmens, David Austern, am Montag in New York mitgeteilt hatte.

ABB-Sprecher Schmidt wollte sich am Montagabend aber zum Inhalt des Vergleiches noch nicht äussern. «Unsere Rechtsabteilung ist im Augenblick dabei, das Dossier zu überprüfen, erklärte er.

Noch Vorbehalte

Laut der richterlichen Entscheidung in Wilmington im US-Bundesstaat Delaware muss ABB im Falle von zwei Firmen noch Zusatz-Informationen liefern, bevor der Vergleich definitiv gutgeheissen wird.

Der ABB-Sprecher sagte, der Konzern sei über die Verfügung des Gerichts sehr erfreut und werde die zusätzlichen Informationen rasch liefern.

Weitergehende Forderungen abgewendet

Bei dem Vergleichsbetrag war zunächst die Rede von 1,2 Mrd. Dollar gewesen. Die Gesamtsumme schliesst Gebühren sowie Gerichts- und Anwaltskosten ein.

Mit dem nun vorliegenden Vergleich kann die hoch verschuldete ABB den Schadenersatz für Asbest-Opfer begrenzen und damit weitergehende Forderungen abwenden.

ABB könne sich jetzt auf das Hauptgeschäft konzentrieren, sagte Chris Burger von der Bank Vontobel gegenüber swissinfo. «Das Asbest-Problem hatte zwar keine direkten Auswirkungen auf das operative Geschäft, doch hat es Unsicherheit geschaffen», so Burger.

«Die Verschuldung ist für ABB das grössere Problem als der Asbest-Vergleich», erklärte der Vontobel-Banker gegenüber swissinfo.

«Chapter 11» – Gläubigerschutz

Die von den Asbest-Klagen betoffene US-Tochtergesellschaft Combustion Engineering (CE) hatte im Februar Antrag auf Gläubigerschutz nach Kapitel elf des US-Konkursrechtes gestellt.

ABB hatte Combustion 1990 übernommen. Das Unternehmen hatte früher Heizkessel für Kraftwerke hergestellt und dabei das gesundheits-schädigende Asbest eingebaut.

Derzeit ist Combustion praktisch stillgelegt. Die Firma verfügt aber noch über Immobilien, die im Konkursverfahren verkauft werden sollen.

Der Asbest-Vergleich ist auch mit dem für den Schuldenabbau notwendigen Verkauf der Division Öl, Gas und Petrochemie verknüpft. ABB verhandelt mit drei Interessenten über den Verkauf, der bis Ende des Jahres über die Bühne gehen soll.

Damokles-Schwert

Der ABB-Konzern, der 1988 aus der Schweizer BBC und der schwedischen Asea AB entstanden ist, kam 2002 bei einem Umsatz von 18,3 Mrd. Dollar auf einen Rekordverlust von 787 Mio. Dollar.

Die Asbest-Klage hing lange wie ein Damokles-Schwert über dem ABB-Konzern und behinderte auch die geplante Veräusserung von Konzernteilen. Dadurch verzögerte sich auch die Reduzierung der Schulden, für welche die Verkaufserlöse gedacht waren.

Im Mai hatte sich ABB-Konzernchef Jürgen Dormann am Swiss Economic Forum in Thun optimistisch gezeigt, dass die Finanzmärkte ABB nach der Regelung der Asbest-Fälle wieder mehr Beachtung schenken dürften. Die Verunsicherung der Anleger durch die hängige Klage resultierte in einer schwachen Börsenperformance.

Das schlingernde Schiff stabilisieren

ABB-CEO Dormann möchte die Schulden von momentan 8,156 Mrd. Dollar bis Ende Jahr auf 6,4 Mrd. Dollar drücken. Dabei soll ihm der Verkauf der Öl-, Gas- und Petrochemie-Division helfen.

Als weitere Sparmassnahme ist ein Personalabbau von aktuell rund 135’000 Beschäftigten auf gegen 100’000 geplant.

Die Asbest-Affäre hatte letztes Jahr den freien Fall der ABB-Aktien ausgelöst. Der Kurs sank damals von 15 Franken auf einen Allzeit-Tiefststand von 1,21 Franken.

swissinfo und Agenturen

Asbest-Vergleich: 1,2 Mrd. Dollar

Mehr als 100’000 Kläger und Klägerinnen

2002: ABB-Rekordverlust von 787 Mio. Dollar

Momentane ABB-Schulden: 8,156 Mrd. Dollar

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