Beate Uhse: Sex-Apostelin ist tot
Die deutsche Erotik-Unternehmerin Beate Uhse ist 81-jährig in einem Schweizer Spital nach einer Lungenentzündung gestorben. Uhse wurde bereits im engsten Familienkreis beigesetzt.
Wegen ihrer Produkte – Bücher, Präparate, Kondome sowie «Hilfsmittel für Mann und Frau» – stand die grosse alte Dame des internationalen Erotikbereichs über Jahrzehnte mit der Justiz auf Kriegsfuss.
Nach 1968 und den sexuellen Befreiungstheorien zeigte der Blick in einen gängigen Sexshop in einer Schweizer Stadt: Sex ist schmuddelig, verschämt – und vor allem männlich.
Uhse machte den Sex zumindest im deutschsprachigen Europa salonfähig. Sie schaffte es von der «fliegenden Händlerin» mit einer Broschüre über Schwangerschafts-Verhütung in der unmittelbaren Nachkriegszeit bis an die Spitze ihres eigenen Sex-Konzerns mit mehreren hundert Mio. Franken Jahresumsatz. Dazu gehören Versandhandel und auch unzählige Sex-Shops. 1992 zog sich Uhse zwar als aktive Unternehmerin zurück, der Name – oder wohl eher das Label – «Beate Uhse» gehört jedoch noch heute zu den bekannten des Lifestyles.
In der Schweiz erst in den 90er Jahren
In der Schweiz setzten sich die Läden erst ab 1992 durch: Nach der Inkraftsetzung des neuen, liberalisierten Sexualstrafrechts schossen die Sex-Shops wie Pilze aus dem Boden. Für Uhse als «seriöse Unternehmerin» (so betonte die Firmengründerin immer wieder) war klar, dass der Schritt in die Schweiz erst erfolgen konnte, als die Rechtslage geklärt war.
Und à propos «Sex-Shop»: Mit dem Schmuddel-Image der Hinterhaus-Läden wollte die Grande Dame nie in Zusammenhang gebracht werden. «Erotikshops» heissen denn auch die Uhse-Geschäfte, in denen Videos, Dessous und verschiedenste Utensilien nach Genre geordnet unter hellen Lampen zu finden sind. Dies in rund 20 Geschäften auch in der Schweiz – mit Umsatz in Millionenhöhe.
1999 sagte Uhse in einem Gespräch mit der Nachrichten-Agentur dpa: «Worüber ich mich am meisten freue – dass es uns in den letzten 50 Jahren gelungen ist, eine hohe nicht nur berufliche, sondern auch gesellschaftliche Akzeptanz zu erreichen.»
Sie war allerdings nicht nur akzeptiert, sondern hat mit ihren Produkten und vor allem ihrem Auftreten auch Generationen geprägt. Sicher, es ist heute nicht Alltag, im Sex-Supermarkt einzukaufen wie in einem Delikatessen-Laden – doch die Hemmschwelle ist gesunken.
Wie sich mit Internet und E-Commerce die Branche weiterentwickeln wird, lässt sich momentan noch nicht abschätzen. Denn das grosse Geld lockt nicht bloss geschäftstüchtige Sauberfrauen wie Beate Uhse.
Eva Herrmann
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