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Champagne oder Champagner?

Ein Flasche Wein, die nicht 'Champagne' heissen darf. Keystone

Zwar treten die bilateralen Verträge Schweiz - EU am 1. Juni in Kraft. Doch in der Champagner-Geschichte wird weiter gestritten.

Die Geschichte schien vergessen. Doch das Schweizer Dorf der unbeugsamen Weinbauern, 1424 Champagne VD, beugt sich der hohen Politik nicht. Die Waadtländer wollen ihren Wein weiterhin “Vin de Champagne” nennen, weil er aus Champagne kommt.

Da ist aber das mächtige Frankreich. Der westliche Nachbar der Schweiz will die Bezeichnung “Champagne” nur für seinen Schaumwein gelten lassen, der in der französischen Region gleichen Namens hergestellt wird.

Sture Grande Nation

Die Schweiz gab in den Verhandlungen zu den bilateralen Verträgen nach. Denn an der “Champagnerfrage” drohten die Verhandlungen zu scheitern. Frankreich drohte, das Landwirtschafts-Abkommen nicht zu ratifizieren, wenn das Schweizer Dorf Champagne auf seine Weinetikette nicht verzichte.

Die Schweizer Delegation versuchte in den Verhandlungen zu retten, was nicht zu retten war. Das Schweizer Zugeständnis sollte soweit gehen, dass die Beschriftung “Champagne” nur noch ganz klein, als Adresse des Waadtländer Herstellers aufgeführt werden sollte.

Schweiz musste nachgeben

Frankreich blieb kompromisslos. Keine Erwähnung des geschützten Namens auf Schweizer Weissweinflaschen. So gab die Schweiz dann endgültig nach, um die Abkommen nicht zu gefährden.

Doch das renitente Weindörfchen Champagne VD lässt nicht locker. Bilaterale Verträge hin oder her. Die Winzer wollen an ihrer Weinbezeichnung festhalten. Dafür sind sie bereit, vor den europäischen Gerichten zu kämpfen.

Und der Féchy?

Es gibt aber auch den umgekehrten Fall, schrieb ein Leser-Briefschreiber vor einiger Zeit im Zürcher “Tages Anzeiger”. Die meisten Weingeniesser kennen sicher den waadtländischen Spitzenwein “Féchy” (Appellation controllée). Wer aber kennt das gleichnamige kleine Weindorf in Savoyen in Frankreich?

Dort werde auch “Féchy” produziert und erst noch mit Chasselas-Trauben. Niemand rege sich darüber auf, auch die Weinbauern in Féchy nicht.

Der Leser-Briefschreiber: “Ich hoffe, dass die Franzosen schliesslich auch so tolerant sein werden und das kleine Dorf Champagne VD mit seinem Namen auf den Weinflaschen gewähren lassen.”

Weit gefehlt! Vielleicht sind Asterix und Obélix für einmal Helvetier, und die Franzosen die Römer.

Urs Maurer

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