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Crossair-Saab nach dem Start bei Zürich abgestürzt – alle 10 Insassen tot

Beim Absturz einer Saab-340 der Crossair (Bild) sind am Montagabend kurz nach dem Start in der Nähe des Flughafens Zürich-Kloten alle zehn Insassen ums Leben gekommen. Über die Absturzursache ist noch nichts bekannt. Der Start verlief normal.

Beim Absturz eines zweimotorigen Linienflugzeugs Saab 340 der Crossair (Bild) sind am Montagabend kurz nach dem Start in der Nähe des Flughafens Zürich-Kloten alle zehn Insassen ums Leben gekommen. Über die Absturzursache ist noch nichts bekannt. Der Start verlief normal.

Es handelt sich um das schwerste Unglück der Schweizer Luftverkehrsholding SAirGroup seit der Katastrophe von Halifax vor 15 Monaten.

Die 33-plätzige Saab 340 der Regionalgesellschaft Crossair mit der Immatrikulation HB-AKK startete um 17.55 Uhr vom Flughafen Zürich-Kloten aus zum Kursflug LX498 nach Dresden, wie SAirGroup-Präsident und -Konzernchef Philippe Bruggisser am Abend vor den Medien in Kloten sagte.

Um 18.05 Uhr verschwand die Maschine vom Radarschirm. Siezerschellte rund zwei Kilometer nordwestlich vom Flughafen entfernt aus unbekannten Gründen auf dem Gemeindegebiet von Niederhasli. Nach Berichten von Augenzeugen ging die Maschine in einem riesigen Feuerball in Flammen auf. Polizei und Feuerwehr zogen alle verfügbaren Kräfte auf dem Flughafen und in den umliegenden Gemeinden für den Rettungseinsatz zusammen.

Das Trümmerfeld hatte eine Ausdehnung von 200 auf 300 Meter, wie der Chef der Flughafenpolizei, Bernhard Herren, sagte. Die Rettungskräfte und die Feuerwehr hätten zuerst das brennende Flugzeug löschen müssen. «Nachher mussten wir leider feststellen, dass keine Überlebenden zu bergen waren», sagte Herren. An Bord waren sieben Passagiere und drei Besatzungsmitglieder gewesen. Die Vertreter der Fluggesellschaft und der Behörden sprachen den Angehörigen der Opfer ihr tief empfundenes Beileid aus. Die Identität der Opfer wurde zunächst nicht bekannt gegeben.

Die Absturzstelle wurde weiträumig abgesperrt. Von weitem war das Trümmerfeld in hellem Scheinwerferlicht zu sehen. Auf dem Flughafen wurde umgehend das so genannte Care-Team zur Betreuung von Angehörigen aufgeboten. Für die Angehörigen wurde eine Notrufnummer (0041 1 543 67 67) eingerichtet. Laut Bruggisser war geplant, noch am Abend Mitglieder des Care-Teams nach Dresden zu fliegen, um dort die Angehörigen der Opfer zu betreuen. Auch das Büro für Flugunfalluntersuchungen im Eidgenössischen Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation wurde eingeschaltet.

Keine Angaben zur Unglücksursache

Zur Unglücksursache lagen zunächst keinerlei Informationen vor. LautAndreas Heiter von Flugsicherungsdienst Swisscontrol hob die Maschine ganz normal um 17.55 Uhr von der Piste ab. Das Wetter sei normal gewesen, und es hätten keinerlei Anzeichen bestanden, das etwas nicht in Ordnung sein könnte. Kurz nach dem Start habe die Flugsicherung den Funk- und Radarkontakt verloren und sofort Alarm ausgelöst. Beim Turboprop-Flugzeug Saab 340 handelt es sich nach den Worten von Fritz Grotz, Chef Technik bei der Crossair, um ein sehr sicheres Flugzeug. Bisher seien vier Abstürze einer Maschine dieses Typs bekannt. Die Unglücksmaschine habe 24.000 Flugstunden hinter sich gehabt.

Crossair-Chef Moritz Suter befand sich zur Zeit des Absturzes auf einem Flug nach Iran. Er wird gemäss Bruggisser am Dienstag in die Schweiz zurückfliegen.

Vorerst nur Nationalitäten der Besatzung bekannt gegeben

Am Abend gab SAirGroup-Präsident und -Konzernchef Philippe Bruggisser vorerst nur die Nationalitäten der drei Besatzungsmitglieder bekannt. Der erfahrene Kapitän stammte aus Moldavien und hatte 8’500 Flugstunden absolviert. Sein Ko-Pilot war slowakischer Nationalität mit 2’200 Stunden Flugerfahrung. Bei der Flugbegleiterin handelte es sich um eine Französin, die bisher 430 Flugstunden absolviert hatte. Die Namen könnten vorerst nicht genannt werden, da die Angehörigen noch nicht benachrichtigt seien, sagte Bruggisser. Zu den Identitäten der sieben getöteten Flugpassagiere wurden vorerst überhaupt keine Angaben gemacht

Es handelte sich um das schwerste Unglück der SAirGroup seit dem Absturz einer MD-11 der Swissair in der Nacht zum 3. September 1998 vor dem kanadischen Halifax. Damals waren alle 229 Insassen des Linienflugs New York – Genf ums Leben gekommen. Die Unglücksursache ist noch nicht bekannt.

Die Crossair ist wie die Swissair eine Tochter der SAirGroup.

Augenzeuge: «Es gab einen Riesenknall»

«Einen Riesenknall» habe es gegeben, sagte ein Augenzeuge des Crossair-Absturzes im Weiler Nassenwil. Er habe einen Feuerball gesehen, dann sei das Flugzeug abgestürzt, erklärte Heinz Brändli, der etwa 250 Meter vom Absturzort entfernt wohnt. Als das Flugzeug auf den Boden prallte, sei es noch etwa 400 Meter brennend über den Boden gerutscht, ehe es zum Stillstand gekommen sei, sagte er der Nachrichtenagentur sda. Gemäss Heinz Brändli habe es stark nach Flugbenzin gestunken.

Die Feuerwehr und die Hilfsdienste war etwa zehn Minuten nach dem Absturz vor Ort. Das Gelände sei sofort weiträumig abgesperrt worden.

Erster Verlust einer Crossair-Maschine

«Das Schlimmste, was passieren kann, ist eingetreten», sagte Crossair-Geschäftsleitungsmitglied Andre Dose der AP. Er sei sehr betroffen und sehr besorgt über das Schicksal der Passagiere und ihrer Angehörigen. Über die Zahl der Opfer konnte er vorerst keine Angaben machen. Laut Dose ist es das erste Mal in der 25-jährigen Geschichte der Crossair, dass eine Maschine verloren gegangen ist.

Unglücksmaschine Saab 340 wird ausgemustert

Die zweimotorige Turboprob-Maschine Saab 340 bietet 33 Passagieren Platz. Mit diesem Flugzeugtyp ist die Gesellschaft Crossair gross geworden. Die Crossair mustert zurzeit ihre rund ein Dutzend Saab 340 nach und nach aus; sie sind alle bereits verkauft. Ersetzt werden sie durch brasilianische Embraer-Flugzeuge.

Die Crossair «Führende Regionalfluggesellschaft Europas»

Die Luftfahrtgesellschaft Crossair, eine Tochtergesellschaft der Swissair, ist nach eigenen Angaben «die führende Regionalflug-Gesellschaft Europas». 1979 aus einem kleinen Lufttaxibetrieb entstanden, setzte sie anfänglich drei kleine
Propellerflugzeuge mit je 18 Passagierplätzen ein und flog damit von Zürich nach Nürnberg, Klagenfurt und Innsbruck. Die Gesellschaft regte den Bau neuer Flugzeugtypen an, so vor allem des Saab 340 Cityliner und des Saab 2000 Concordino. Heute fliegt die Crossair von mehreren Schweizer Flughafen über 100 Ziele in mehr als 20 europäischen, nordafrikanischen und Staaten des Nahen Ostens an.

Das Unternehmen beschäftigt mehr als 2’700 Mitarbeiter und verfügt über eine Flotte von 77 Flugzeugen. Zielpublikum der Crossair sind in erster Linie Kunden, die abseits der grossen Verkehrsströme reisen. Von mehreren Fachzeitschriften wurde das Unternehmen nach eigenen Angaben zur besten Regional-Fluggesellschaft gewählt. Seit 1989 bildet Crossair auch Piloten für andere Fluggesellschaften aus. Zum praktischen Training stehen neben Flugzeugen Flugsimulatoren für die Typen Saab 340 Cityliner und Saab 2000 Concordino zur Verfügung. Im November 1996 gab es eine spezielle Notfallübung für den Typ Saab 340 auf dem Flughafen Bern-Belpmoos.

Bischöfe kondolieren

Die Schweizerische Bischofskonferenz (SBK) sprach den Angehörigen der Absturzopfer das Beileid aus. Sie forderte alle Gläubigen in der Schweiz und in Deutschland auf, für die Opfer zu beten. Die SBK habe mit dem Bischof von Dresden Kontakt aufgenommen, teilte ihr Sprecher Nicolas Betticher mit.

SRI und Agenturen

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