CSG in heikler Gesellschaft
Die Credit Suisse Group (CSG) pflegt enge Beziehungen mit einer umstrittenen Partnerbank in Argentinien - auch via CSG-Chef Lukas Mühlemann.
Im krisengeschüttelten Argentinien sorgt derzeit ein Finanzskandal für Schlagzeilen: Im Zentrum steht die argentinische Bank Banco General de Negocios (BGN). Die BGN-Manager – die Gebrüder Carlos und José Rohm – stehen unter Verdacht, via ihre Bank über 70 Mio. Dollar illegal aus dem argentinischen Bankensystem abgezogen zu haben.
Ein weiterer Vorwurf, den die argentinische Bundesrichterin Maria Servini de Cubria gegen die beiden Brüder Rohm erhebt, lautet auf Geldwäscherei.
Carlos Rohm wurde am 23. Januar verhaftet. Sein Bruder José wird international gesucht.
CSG-Beiteiligung bei BGN
Die Schweizer Grossbank CSG besitzt über die Tochter Credit Suisse First Boston (CSFB) 23% der BGN-Aktien. Die CSFB kommt auf einen Anteil von 12% der Stimmen bei der argentinischen Bank. Weitere BGN-Grossaktionäre sind die amerikanische JP Morgan Chase und die deutsche Dresdner Bank.
Die drei Grossbanken hielten zusammen zwar drei Viertel des Kapitals, besässen jedoch nur 31% der Stimmen, sagte CSG-Sprecherin Karin Rhomberg. Die Beziehung mit der argentinischen Bank gingen auf 1970 zurück.
CSG-Konzernchef Lukas Mühlemann sitzt seit 1998 sogar persönlich im BGN-Verwaltungsrat, bestätigte Rhomberg entsprechende Medienberichte. Laut der Zürcher Zeitung «Tages-Anzeiger» gehört auch David Mulford, Chef des internationalen Geschäfts bei CSFB, dem Aufsichtsgremium an.
Mühlemann und Rohm in Zürich
Lukas Mühlemann nahm am 24. Januar gemeinsam mit dem durch internationalen Haftbefehl gesuchten José Rohm an einer BGN-Verwaltungsrats-Sitzung in Zürich teil. Dies bestätigte CSG-Sprecherin Rhomberg.
Gemäss Angaben der französischen Nachrichtenagentur afp soll José Rohm bei dieser Gelegenheit CSFB, Dresdner Bank und JP Morgan um einen 260-Millionen-Kredit ersucht haben. Die Banken seien aber nicht auf das Gesuch eingegangen.
CSG gibt sich bestürzt
Die Credit Suisse First Boston (CSFB) ist nach eigenen Angaben vom Donnerstag «überrascht und bestürzt» über die Vorwürfe gegen BGN.
Man setze alles daran, zu einer Klärung der Vorgänge beizutragen, teilte die Credit Suisse am Donnerstag weiter mit. Zu diesem Zweck sei sie in engem Kontakt mit der argentinischen Zentralbank.
Allzu überraschend dürften die Vorwürfe gegen die BGN für die CSG allerdings nicht gewesen sein: Die Eidgenössische Bankenkommission ist nämlich bereits Ende Januar von der CSG darüber informiert worden, dass die argentinische Partnerbank in unkontrollierte Geschäfte verwickelt sein könnte, wie Bankenkommissions-Sprecherin Tanja Kocher gegenüber swissinfo sagte.
Langes Sündenregister der CSFB
Durch die Beteiligung an BGN ist die CSFB einmal mehr in die negativen Schlagzeilen geraten: Bereits 1999 wurde sie nämlich in Japan wegen Behinderung einer Untersuchung der staatlichen Finanzaufsicht gebüsst. In Indien erhielt die CSFB im selben Jahr als erste ausländische Bank Börsenverbot – wegen Verdachts auf verbotene Preisabsprachen.
2001 geriet die CSFB in Neuseeland in Verdacht, Kunden zum unerlaubten Erwerb von Aktien verholfen zu haben. Und im vergangenen Januar wurde die CSFB in den USA zur Zahlung von 100 Mio. Dollar verpflichtet, weil sie bei der Zuteilung von Technologie-Aktien fragwürdige Praktiken angewendet hatte.
Trotz Haftbefehl nicht verhaftet
Der mit Interpol gesuchte José Rohm wurde nicht verhaftet, als er sich am 24. Januar in der Schweiz aufhielt. «Das Verhaftersuchen zur Auslieferung war unvollständig», erklärte Adrienne Lotz, Sprecherin des Eidgenössischen Justiz- und Polizei-Departementes (EJPD).
Die Behörden hätten deshalb ergänzende Informationen verlangt, sagte die EJPD-Sprecherin. Inzwischen habe José Rohm die Schweiz wieder verlassen.
Wie die französische Nachrichtenagentur AFP berichtete, soll sich Rohm seither in New York aufhalten.
Felix Münger und Agenturen
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