Entschleunigen!
"Berge.Copyright": Das gibt's nur in der Schweiz. An der Tourismusmesse in Berlin wurde die Bergsommer-Kampagne fürs laufende Jahr vorgestellt. Der Tourist soll ent- statt beschleunigen.
Allein deutsche Touristen bescheren dem Schweizer Tourismus jährlich rund 14 Mio. Logiernächte. Ein guter Drittel davon entfällt auf Bergferien. Den «Bergsommer» gibt es schon viel länger als die Wintersaison mit ihren spektakulären Schneesportarten. Meist entfallen auch deutlich mehr Einnahmen aus der Sommer- als aus der Wintersaison.
Zeitgeistiges «Entschleunigen»
In Berlin an der Internationalen Tourismusbörse (ITB) wurde am Wochenende die Kampagne für den Bergsommer der drei kommenden Jahre lanciert, in Kombination mit dem Internationalen UNO-Bergjahr 2002. Eines der Mottos heisst öko-zeitgeistig «Entschleunigen»: Das Bedürfnis nach Echtheit und intakter Natur wird immer grösser. Dem will die 3 Mio. Franken teure Kampagne Rechnung tragen.
Ökologisch wertvolle Landschaften der Schweiz sollen bekannt gemacht werden, zusammen mit den entsprechenden öffentlichen Verkehrsmitteln und Möglichkeiten zum Wandern oder Biken. Naturnahe Tipps werden mit einem blauen Enzian «gelabelt» sprich ausgezeichnet. Ferien- und Erlebnisangebote mit diesem Bild bedeuten, dass die jeweiligen Landschaften weitgehend ursprünglich geblieben sind.
Bereits 1895 12 Mio. Logiernächte
Dass die Schweiz fast schon ein Copyright für den Begriff «Berge» hat, ergibt sich aus der Geschichte. Bereits 1895 zählte man in der Schweiz 12 Mio. Logiernächte übers Jahr hinweg. Im Rekordjahr 2000 ergaben sich rund 14 Mio. Logiernächte nur für die Sommersaison. Grund genug für die Promotionsorganisation «Schweiz Tourismus», den Sommer zu lancieren.
Drei Viertel aller Überseetouristen besuchen die Schweiz im Sommer. Fragt man Deutsche nach dem Motiv eines Schweizbesuchs, antworten 46% mit «Berge», 26% mit «Zuverlässigkeit» (und 27% mit «teuer»…).
Möglichst Superlative
Das laufende UNO-Jahr der Berge kommt da wie gerufen. Auch verfügt die Schweiz als einziges Alpenland mit dem Jungfrau-Aletsch-Bletschhorn-Gebiet über ein UNESCO-Naturerbe. Und schliesslich bleibt das Matterhorn weiterhin der meistfotografierte Berg der Welt. Die Eigernordwand ist die berüchtigtste Kletterwand Europas, und die 1871 eröffnete Pilatusbahn ist die sowohl steilste als auch älteste Zahnradbahn der Welt.
Die Schweiz bietet ausserdem mit 62’000 km die weltweit grösste Dichte an Wanderwegen.
Berge zum Anklicken
Auch im Internet dreht sich vieles um Gipfel und Wipfel. Auf www.myswitzerland.com , dem Portal von Schweiz Tourismus, erschliesst sich der Bergsommer 02 in Form eines Novums: Über 30 der bedeutendsten Schweizer Aussichtspunkte können auf beweglichen 360-Grad-Panoramabildern abgerufen werden (Link «Berge 2002»). Multimedial lassen sich auch Gipfelschüsse und Filmsequenzen schweizweit anklicken, und eigene Bergfotos publizieren. Ausserdem gibt’s im Portal ein Online-Spiel «Gipfelstürmer», wo User sechs virtuelle Berge erklimmen.
Alexander P. Künzle, Berlin
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