Experten schlagen rückholbare Endlagerung von Atommüll vor
Radioaktive Abfälle sollen rückholbar endgelagert werden. Eine Expertengruppe hat ein Konzept ausgearbeitet, das den Interessen der Atomindustrie und den Anliegen der Umweltverbände entgegenkommen will.
Radioaktive Abfälle sollen rückholbar endgelagert werden. Eine Expertengruppe hat ein Konzept ausgearbeitet, das den Interessen der Atomindustrie und den Anliegen der Umweltverbände entgegenkommen will.
Bei der Entsorgung von Atommüll wurde bisher weltweit das Konzept der Endlagerung bevorzugt. Dem steht heute die gesellschaftliche Forderung nach Überwachung, Kontrolle und Rückholbarkeit gegenüber, die so genannte Reversibilität.
Im Auftrag von Bundesrat Moritz Leuenberger hat deshalb eine Expertengruppe die verschiedenen Entsorgungskonzepte verglichen und ein eigenes Konzept der kontrollierten geologischen Langzeitlagerung ausgearbeitet. Der Standort Wellenberg in Nidwalden wäre nach Meinung der Expertengruppe dazu geeignet.
Das am Montag (07.02.) in Bern vorgestellte Konzept verbindet die Endlagerung mit der Möglichkeit der Reversibilität: Neben dem verschlossenen Hauptlager wird im gleichen Wirtsgestein ein überwachtes Pilotlager errichtet. Beobachtungen erlauben Eingriffe im Hauptlager und nötigenfalls die Rückholung des Atommülls.
Der Standort Wellenberg erfüllt aus Sicht der Experten auf Grund der heutigen Erkenntnisse die Anforderungen für die geologische Endlagerung und für die kontrollierte geologische Langzeitlagerung. Das Projekt sei weiterzuverfolgen, wobei das angepasste Lagerkonzept Wellenberg als Ausgangspunkt dienen könne. Die notwendigen Schritte zur Realisierung eines Sondierstollens am Wellenberg seien in die Wege zu leiten.
Das im Hinblick auf die Lagerung von hochaktiven Abfällen erkundete Wirtsgestein Opalinuston ist gemäss den Experten weiterzuverfolgen. Nach Abschluss des noch ausstehenden Entsorgungsnachweises seien die Standortcharakterisierung voranzutreiben und die Lagerplanung und Standorterkennung an die Hand zu nehmen.
Ausländische Lageroptionen stellten keinen Ersatz dar für die Suche nach einer Lösung der Entsorgung in der Schweiz. Weiter empfehlen die Experten laut Departement für Umwelt, Verkehr und Kommunikation (Uvek), schon heute sicherzustellen, dass das Entsorgungsprogramm von den Betreibern der Atomkraftwerke finanziell unabhängig ist.
Die Expertengruppe geht auf einen Beschluss des Bundesrats im Juni 1999 zurück, als der Bundesrat die Weichen für die Entsorgungspolitik stellte. Sie bekam den Auftrag, verschiedene Entsorgungskonzepte zu vergleichen und Vorschläge für das weitere Vorgehen zu erarbeiten. Sie setzte sich aus sieben Mitgliedern zusammen. Den Vorsitz hat Walter Wildi, Direktor des Instituts Forel der Universität Genf und Mitglied der Eidgenössische Kommission für die Sicherheit von Kernanlagen.
SRI und Agenturen
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