Fatale Kollision
Die Schweizer Presse nimmt zum Flugzeug-Unglück über dem Bodensee die Fragen um Schuld auf, warnt aber auch vor voreiligen Schuldzuweisungen.
«Eine ganz normale Nacht. Nur wenige Flugzeuge im Luftraum über der Schweiz. Alltag, Routine. Und dann entwickelt sich diese ‚Alles-im-Griff-Situation‘ innerhalb weniger Minuten zur absoluten Katastrophe……Zwei moderne Flugzeuge prallen 11’000 Meter über dem Bodensee zusammen.»
So beschreibt die «Aargauer Zeitung» die Situation, die innert Kürze eine menschliche Tragödie auslöste. Und die «Berner Zeitung» beschreibt das, was über dem Bodensee passiert ist, als «unfassbar»:
«Uns, die hier auf der Erde stehen, kommt der Himmel unendlich gross vor. Und in dieser riesigen Weite prallen zwei vergleichsweise kleine Flugzeuge aufeinander. Unfassbar.»
Wer trägt die Verantwortung?
Warum kam der Befehl des Schweizer Fluglotsen «sofort runter» so spät, fragt das Boulevard-Blatt «Blick» auf der Titelseite:
«Lotse, Pilot oder Computer – Wer ist schuld?»
Laut der «Aargauer Zeitung» drängen sich nach diesem einzigartigen Zusammenprall Fragen nach dem Wie und Warum auf:
«Hat hier ein Mensch versagt, oder ist das Ganze eine Verkettung unglücklicher Zufälle?»
Auch die Westschweizer Zeitung «Le Temps» fragt nach der Verantwortlichkeit dieses «inexplicable manoeuvre» – dieses unerklärlichen Manövers.
Trotz der späten Warnung des Fluglotsen der Schweizer Flugsicherung Skyguide und der späten Reaktion des Piloten sei zunächst vor (vor)eiligen Schlüssen zu warnen, schreibt die «Neue Zürcher Zeitung»:
«Oft genug ergeben die komplizierten und langwierigen Untersuchungen, dass ein Unfall das Ende einer ganzen Kette von menschlichen Fehlern und/oder technischen Pannen bildet, die von keinem der mehrfach ausgelegten Kontrollsysteme rechtzeitig unterbrochen werden konnte.»
Natürlich müsse zuerst der Ausgang der Untersuchungen abgewartet werden, schreibt auch der Berner «Bund». Trotzdem:
«Das Gefühl, dass bei der Skyguide in Kloten schwere Fehler gemacht wurden, ist nicht wegzubringen.»
Flugsicherheit
Zu untersuchen sei die Rolle der Technik, denn eigentlich hätten die gemäss Vorschrift in beiden Maschinen vorhandenen Kollisions-Warngeräte diesen Gang der Ereignisse verhindern sollen, schreibt die «Basler Zeitung». Aber:
«Selbst modernste Elektronik kann versagen, und sei es nur weil die Programmierer eine abseitige Variante möglichen Geschehens übersahen.»
Das Unglück zeige einmal mehr, wie anfällig die Aviatik sei, so die «Berner Zeitung». Und es stelle sich die Frage, ob die Fliegerei über der Schweiz und Europa noch zeitgemäss organisiert sei. Die Politiker und Fluglotsen hätten aus der Luftverkehrsleitung eine Prestigefrage gemacht. Fazit der BZ:
«Bei all diesen Diskussionen wird mit der Sicherheit von Menschen ein gefährliches Spiel getrieben.»
Gaby Ochsenbein
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