Gnadenfrist für Sulzer Medica
Sulzer Medica erhält mehr Zeit für den in den USA angestrebten Vergleich wegen fehlerhafter Hüft- und Kniegelenke. Der Entscheid wird um zwei Monate verschoben.
Die zuständige US-Bundesrichterin hat die Frist über die Zulassung eines Vergleichs-Vorschlags von Sulzer Medica im Hüftgelenk-Debakel auf den 14. Mai 2002 verschoben. Demnach können sich betroffene Hüft- und Kniegelenk-Patienten bis zum 2. Mai 2002 entscheiden, ob sie sich dem Vergleich anschliessen wollen.
Sulzer Medica begrüsste am Freitagabend in einer Mitteilung die Fristverlängerung durch Richterin Kathleen O’Malley. Der Entscheid verschaffe dem Unternehmen Gelegenheit, den Patientinnen und Patienten die Vorzüge des Vergleichs noch vertiefter darzulegen und die Zahl der «Opt-Outs» weiter zu verringern. Das Ziel, mit dem Settlement eine faire und rasche Entschädigung aller Betroffenen zu ermöglichen, bleibe bestehen.
Der Schweizer Konzern bietet den von verschmutzten künstlichen Hüft- und Kniegelenken Geschädigten 780 Mio. Dollar (rund 1,25 Mrd. Franken) als Wiedergutmachung an. Laut Firmenangaben haben sich bislang 90% der Kläger mit diesem Vergleich einverstanden erklärt.
Sammelvergleich statt Einzelklagen
Sulzer Medica AG hatte zuvor erreicht, dass bis zum 1. Februar 2002 in den ganzen USA keine Einzelklagen mehr zugelassen werden. Bis dahin sollte ein unabhängiger Vermittler den von Sulzer Medica offerierten Vergleich unter die Lupe nehmen.
Falls der Sammelvergleich nicht zu Stande kommt, dürften auf das Unternehmen erheblich höhere Forderungen zukommen. Bisher sind 1’800 Klagen gegen den Konzern eingereicht worden. Wegen Problemen mit schlecht einwachsenden Hüft- und Kniegelenken mussten sich 3’200 Personen einer erneuten Operation unterziehen.
Lieber Gläubigerschutz
Eine Nachlass-Stundung nach Kapitel 11 des US-Konkursrechts für die Sulzer Medica-Tochter Orthopedics ist früheren Angaben zufolge noch nicht vom Tisch. Es gebe Sulzer Medica-Aktionäre, welche diesen Gläubigerschutz dem Vergleich vorzögen, hiess es in Zürich.
swissinfo und Agenturen
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