Kein Wettbewerb zwischen Bargeld und Plastik
Die Schweizer Tourismus-Branche will Gästen, die in bar und nicht mit Kreditkarte bezahlen, auch künftig keine Rabatte gewähren.
Damit bleibt etwa in Hotels die von der Wettbewerbs-Kommission verfügte Liberalisierung der Zahlungsmittel wirkungslos.
Wer bisher in der Schweiz via Kreditkarte Geld ausgab, bezahlte genau so viel, wie wenn er den Betrag in bar hingeblättert hätte. Grund für diese Gleichbehandlung der Zahlungsmittel war die so genannte «Nichtdiskriminierungs-Klausel» in den Verträgen zwischen Kreditkarten-Firmen und Händlern, wonach Plastik gegenüber Bargeld nicht «diskriminiert» werden dürfe.
Mehr Freiheit für Händler
Damit soll jetzt Schluss sein: Die Wettbewerbs-Kommission (Weko) befand am 10. Dezember, die besagte Klausel verstosse gegen das Kartellgesetz. Sie beschränke die Freiheit der Händler beim Festlegen der Preise – und sei überdies eine unangemessene Geschäftsbedingung.
Nach dem Willen der Weko dürfen die Händler künftig die Kommissionen, welche ihnen die Kreditkarten-Firmen verrechnen, auf die Kunden überwälzen – je nach Branche 2% bis 4% des Preises.
Verursacher-Prinzip
«Wer keine Kreditkarte zückt, bezahlt künftig weniger», freut sich Jacqueline Bachmann, Chefin der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS), im Interview mit swissinfo. «Bisher waren die Barzahler die Dummen. Sie mussten Karten-Kommissionen mitfinanzieren, ohne etwas von den Vorteilen der Kreditkarte zu haben.»
Mit dem Weko-Entscheid zieht die Schweiz mit Ländern wie Grossbritannien, Holland oder Schweden gleich, die bereits ähnliche Regelungen kennen. Ein europaweites Verbot der «Nichtdiskriminierungs-Klausel» gibt es bisher allerdings nicht. In zahlreichen Staaten – so auch in Deutschland oder Italien – sind Plastik- und Cash-Preise nach wie vor identisch.
Zurückhaltende Tourismus-Branche
Vor diesem Hintergrund kann nicht erstaunen, dass sich die Schweizer Tourismus-Branche wenig begeistert zeigt von der Möglichkeit, den ausländischen Gästen künftig günstigere Angebote bei Barbezahlung zu unterbreiten.
«Es wird in den Schweizer Hotels nicht zwei verschiedene Preise geben», ist Thomas Allemann vom Schweizer Hotelier-Verein überzeugt. «Dies würde nicht als Dienst am Kunden verstanden und wäre demnach wenig imagefördernd.»
Keine Bewegung in den Hotels
Tatsächlich geben sich Schweizer Hoteliers ob der neuen Möglichkeit auffällig zurückhaltend. «Der Gast kann bei uns frei wählen, ob er per Kreditkarte oder in bar bezahlen möchte. Der Preis ändert sich nicht», lautet der knappe Bescheid aus dem Grand Hotel Victoria-Jungfrau in Interlaken.
Spezielle Rabatte für Barbezahler seien kein Thema, sagt auch Sylvia Wyrsch, Direktorin des Davoser 5-Stern-Hotels Steigenberger Belvedere. «Nur gerade einer von 500 Gästen bezahlt bei uns nicht mit der Kreditkarte.».
Eigentlich würde er gerne einen Rabatt bei Barbezahlung gewähren, räumt Peter Vogel vom Comfort Inn Royal in Zürich ein. «Unsere Branche ist aber derzeit derart unter Druck, dass wir uns höhere Preise für Kartenbenützer nicht leisten können.»
Abwarten und überwachen
Die Konsumenten-Schützerin Jacqueline Bachmann mag ob diesem Befund nicht den Mut verlieren: «Jetzt warten wir einmal ab.»
Sollte sich wirklich nichts tun, werde man aktiv, sagt sie kämpferisch. Und: «Dann schicken wir eben den Preisüberwacher los!»
swissinfo, Felix Münger
Die Wettbewerbs-Kommission (Weko) hat entschieden, dass Händler künftig je nach Zahlungsmittel unterschiedliche Preise festsetzen düfen.
In der Tourismus-Branche gedenkt man derzeit jedoch nicht, von dieser neuen Möglichkeit Gebrauch zu machen.
Es herrscht der Tenor vor, dass unterschiedliche Preise für Barzahler und Kreditkarten-Kunden imageschädigend wären.
Der Grossteil der ausländischen Gäste in der Schweiz bezahlt mit Plastik.
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