Markt bestimmt Wechselkurs
Die Nationalbank lehnt die Forderung der Gewerkschaften nach einer aktiveren Wechselkurs-Politik ab. Die Probleme der Exportwirtschaft könnten damit nicht gelöst werden.
Die Schweizer Exportwirtschaft habe mehr als einmal bewiesen, dass sie sich in einem verschärften Wettbewerb anpassen könne, sagte SNB-Präsident Jean-Pierre Roth in einem Interview mit der Genfer Zeitung LE TEMPS.
Die Nationalbank verfolge eine gesamtheitliche Geldpolitik und könne nicht einen präzisen Wechselkurs zwischen Franken und Euro als Ziel festlegen, sagte Roth. Die Forderung des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds, auf einen Kurs von mindestens 1,50 Franken für den Euro hinzuwirken, sei unrealistisch.
Nicht den Teufel an die Wand malen
Der Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB) räumte allerdings ein, dass die Schweizer Exporte durch die Stärke des Frankens beeinträchtigt würden und dass der Wechselkurs in Zeiten der Abschwächung der Weltkonjunktur der empfindlichste und schmerzhafteste Parameter sei. «Aber malen wir nicht den Teufel an die Wand», mahnte Roth und erinnerte daran, dass die Exportindustrie die Möglichkeiten habe, sich dem Wettbewerbsumfeld anzupassen.
Zudem könnten die Probleme der Exportwirtschaft nicht durch die Korrektur des Wechselkurses um zwei Rappen gelöst werden. Solange die Weltwirtschaft nicht wieder anspringe, erholten sich auch die Schweizer Exporte nicht.
Laut Roth hat die SNB im Rahmen ihres Auftrags die nötigen Voraussetzungen für den Aufschwung geschaffen. Und zwar auf eine vergleichsweise aggressive und entschiedenere Art und Weise, als dies andere Notenbanken getan hätten.
Devisenmärkte sein lassen
Der oberste Währungshüter erinnerte an die Zinssenkungen im vergangenen Jahr. Eine klare Absage erteilte Roth Forderungen nach direkten Interventionen auf den Devisenmärkten. Dieses Mittel sei seit zwölf Jahren nicht mehr angewandt worden – auch nicht von anderen Notenbanken.
swissinfo und Agenturen
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