Neue Hinweise zu möglicher Ursache des Absturzes von Swissair-MD-11
Eine Cockpit-Leselampe könnte den Absturz der MD-11 der Swissair vom Herbst 1998 bei Halifax verursacht haben. Swissair-Techniker stiessen bereits im letzten November beim Auswechseln von Isoliermatten auf Brandspuren an diesen Installationen.
Eine Cockpit-Leselampe könnte den Absturz der MD-11 der Swissair vom Herbst 1998 bei Halifax verursacht haben. Swissair-Techniker stiessen bereits im letzten November beim Auswechseln von Isoliermatten auf Brandspuren an diesen Installationen. Untersuchungsbehörden und Hersteller wurden sofort benachrichtigt.
Swissair-Sprecher Jean-Claude Donzel bestätigte am Wochenende Medienberichte über Hitzespuren im unmittelbaren Bereich der Cockpit-Leselampen von MD-11-Maschinen. Diese seien bereits im vergangenen November beim Austausch der Isolationsmatten aus Mylar durch solche aus dem besonders feuerresistenten Tedlar entdeckt worden.
Die Halogenlämpchen lagen teilweise auf Isoliermaterial auf, was die Lüftung beeinträchtigte. In einigen Fällen seien die Matten durch die heiss gewordenen Fassungen bereits angeschmort und Teile der Fassungen verbogen gewesen. In einem Fall sei das Isolationsmaterial sogar zum Teil geschmolzen und durchgebrannt gewesen. Die Entdeckung sei unverzüglich der kanadischen Untersuchungsbehörde TSB wie auch dem Hersteller, der von Boeing übernommenen McDonnel Douglas, gemeldet worden, sagte Donzel.
Die TSB empfahl in der Folge als vorsorgliche Massnahme die Umrüstung der Leselampen in allen MD-11-Flugzeugen. Auch in den Swissair Maschinen wurde laut Donzel zwischen Lampe und Isolation Platz geschaffen, um weitere Hitzestaus zu verhindern. Die US-Luftfahrtbehörde FAA arbeitet nach eigenen Angaben zur Zeit eine so genannte «air worthiness directive» aus, eine weltweit geltende Anordnung.
Laut Donzel stellen die problematisch eingebauten Leselampen ein weiteres Element in den Untersuchungen dar. Eine Verbindung zum Brandausbruch sei aber bisher nicht festgestellt worden und die Absturzursache somit weiter unklar.
Beim Absturz des Swissair-Flugs SR-111 bei Halifax waren Anfang September 1998 alle 229 Insassen ums Leben gekommen. 16 Minuten vor der Katastrophe hatten die Piloten Rauch im Cockpit gemeldet und eine Notlandung vorbereitet.
swissinfo und Agenturen
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