Oberster Finanzbeamter des Bundes wird neuer Chef der Post
Der 54-jährige Sozialdemokrat Ulrich Gygi (Bild) wird neuer Chef der Schweizer Post. Bisher war er oberster Finanzbeamter des Bundes. Nach seiner Wahl erklärte er vor den Medien, er wolle die Post als starkes und im Volk verwurzeltes Unternehmen erhalten.
Ulrich Gygi (Bild) wechselt auf den 1. Juli von der Eidgenössischen Finanzverwaltung an die Spitze der Post. Der 54-jährige Sozialdemokrat will die Post als finanzkräftiges, unabhängiges Unternehmen erhalten, das stark im Volk verwurzelt bleibt, wie er am Montag (28.02.) nach seiner Wahl vor den Medien sagte.
Der oberste Finanzbeamte des Bundes tritt die Nachfolge von Reto Braun an, der im Januar nach kurzer und krisenbehafteter Amtszeit zu einem Informatik-Unternehmen gewechselt hat. Die Wahl des Ökonomen Gygi war allgemein erwartet worden, nachdem bekannt geworden war, dass der höchste Beamte im Finanzministerium sich um die Braun-Nachfolge beworben hatte. Er ist der dritte Postchef innerhalb von zwei Jahren.
Die Post und ihre Dienstleistungen würden von allen Bewohnern des Landes beansprucht, sagte Gygi. Dies sei Chance und Verpflichtung zugleich. Die Post müsse heute selbst im Monopolbereich mit Konkurrenz leben. Im Zusammenhang mit der geplanten Restrukturierung des Poststellennetzes wolle er nicht von Abbau sprechen.
Die Postellen seien das grosse Kapital der Post, die Strukturanpassung sei aber unabdingbar. Die neuen Bedürfnisse des Marktes müssten registriert werden. Die Schweiz sei für die Postriesen im Ausland ein attraktiver Markt. Eine Privatisierung steht für den neuen Konzernleiter aber für «mehrere Jahre» nicht auf der Agenda. Die Idee für die noch unter seinem Vorgänger ausgearbeitete Erhöhung der Posttaxen bezeichnete er als «durchdacht».
Gute Information wichtig
Gygi wird bereits vor seinem Amtsantritt an den Sitzungen von Konzernleitung und Verwaltungsrat teilnehmen. Er werde kein Mann der einsamen Entscheidungen sein. Das Personal müsse Beschlüsse durch eine gute Information nachvollziehen können. Er sei sich bewusst, dass er nicht immer gute Nachrichten überbringen könne. Da die Schweizer Post aber aus der früheren Monopolistenstellung als eine der Zuverlässigsten in Europa hervorgegangen sei, brauche er nicht alles umzukrempeln.
Gygi war Wunschkandidat des Verwaltungsrats
Es gelte auch künftig der Schweiz eine moderne, leistungsfähige Post zu erhalten, die den Spagat zwischen dem «Service au public» und dem Wettbewerb erfolgreich meistere, sagte Verwaltungsratspräsident Gerhard Fischer. Die Neuorganisation müsse weiterhin sozial verträglich ablaufen. Gygi sei der Wunschkandidat des Verwaltungsrates gewesen. Druckversuche von links oder rechts, unten oder oben habe es nicht gegeben.
Gygi könne als ruhiger und übersichtlicher Mann dem Personal wieder Ruhe und Vertrauen vermitteln. Nach der Betonung des Shareholder-value unter dem Vorgänger gelte es nun auch für mehr Zufriedenheit bei Personal und Kundschaft zu sorgen. Die Post sei das Rückgrat der Schweizer Wirtschaft und der Gesellschaft, sagte Fischer.
Gygi steht seit 1979 in den Diensten des Bundes. Als Finanzdirektor war er federführend bei der Beseitigung des Defizits im Bundeshaushalt. Eine Hauptrolle spielte er beim Gang der Swisscom an die Börse. Gygi wurden auch Ambitionen auf eine Wahl in das dreiköpfige Direktorium der Nationalbank nachgesagt. Dieses Thema sei nun vom Tisch, sagte er.
Mit der geplanten Tariferhöhung und den Plänen der Postfinance in Richtung einer Postbank wird Gygi an neben der internen Reorganisation von Beginn an auch mit anderen umstrittenen Vorhaben konfrontiert sein.
Die Gewerkschaften begrüssten die Wahl Gygis. Sie hofften, dass er den Service public verteidigen und eine gute Sozialpartnerschaft pflegen werde. Positiv reagierten auch die Parteien SP, FDP und CVP.
SRI und Agenturen
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