Presseschau vom 03.10.2002
Die Debatte um das moratoriumsfreie Gentech-Gesetz prägt heute die Kommentare der meisten Zeitungen.
Die 2:6 Kanterniederlage des FC Basel gegen ein überragendes Valencia ist ein weiteres Thema.
Allem Anschein nach haben sich im Nationalrat die forschungsfreundlichen Kreise durchgesetzt. Ein Moratorium für Gentech-Pflanzen ist vom Tisch, der Forschung werden weniger Hindernisse in den Weg gelegt, die Haftungsfrage wurde aufgeweicht.
Die BASLER ZEITUNG weiss, wem dies zu verdanken ist: «Zu verdanken ist dieser gegenüber der vorberatenden Kommission klare Schwenk der Slalompartei CVP, welche von einem Moratorium, das sie vor einem Jahr verkündet hatte, bereits wieder abwich.»
Wahrscheinlich mit den Parlamentswahlen 2003 im Visier, analysiert die BAZ: «Ob sich dieser Zickzackkurs für die Partei auszahlt, ist jedoch zweifelhaft.»
Über den Volkswillen kundig gemacht hat sich die BERNER ZEITUNG: «Über 70 Prozent der Konsumentinnen und Konsumenten wollen kein Genfood auf ihren Tellern sehen.»
Die BZ erinnert sich auch an die vom Parlament früher überwiesene Genlex-Motion: «In dieser wurde hoch und heilig eine restriktive Gesetzgebung versprochen.»
Deshalb ist das Gesetz für die BZ ein «Fall fürs Volk»: «Das Volk sollte die Möglichkeit erhalten, bei einer Referendumsabstimmung zu erklären, was es davon hält.»
Die NEUE LUZERNER ZEITUNG beschäftigt sich mit der Auseinandersetzung im Parlament. Für sie ist es «(…) aber schwierig, Sieger und Verlierer der mit Anträgen, Winkel- und Schachzügen gespickten Nationalratsdebatte zur Gen-Lex auszumachen.»
Der Berner BUND stellt fest: «Dem Gesetz wurden die meisten scharfen Zähne gezogen.» Er befürchtet weiter: «Die Verwässerung der Gen-Lex dürfte damit noch nicht abgeschlossen sein», dies im Hinblick auf die anstehenden Beratungen des generell gentechfreundlicheren Ständerates.
Der BUND wagt einen Blick in die Zukunft: «So wird es der Gen-Lex letztlich mit grosser Wahrscheinlichkeit so ergehen wie jenen Hühnern, mit denen ausländische Genforscher kürzlich experimentiert hatten: Sie hatten federlose Nachkommen.»
Die AARGAUER ZEITUNG sieht das ein wenig anders: «Widersprüchlichkeiten in der Haftungsfrage und die latente Forschungsfeindlichkeit muss der Ständerat noch ausräumen. Die Forscher brauchen keine Narrenfreiheit. Ein staatliches Korsett schränkt den Denkplatz Schweiz aber unnötig ein.»
Weinender Himmel in Valencia
Der Ausgang der Gen-Lex-Debatte scheint für den Forschungsplatz Basel recht positiv verlaufen zu sein. Die Basler Fussball-Mannschaft, der FCB, jedoch, ging gegen den spanischen Meister Valencia sang- und klanglos unter.
Die NEUE LUZERNER ZEITUNG titelt: «2:6 – FCB überfordert und überrannt.»
Der Berner BUND kommentiert: «Vom Höhenflug zum Schwimmfest.»
Und die BZ spricht von einem «Debakel für den FC Basel. Beim spanischen Meister Valencia wurden die Spieler von Trainer Christian Gross regelrecht vorgeführt (…)».
Auch der BLICK findet dafür die richtigen, knappen Worte: «Im Regen von Valencia zur Torsintflut. Basel soff beim spanischen Meister regelrecht ab – 2:6.»
Nach Konsultation der Statistiken hat der BLICK folgendes heraus gearbeitet: «0:4 nach 28 Minuten – das gabs in der Champions League erst einmal. (…) Immerhin: Eine Schmach blieb den Bebbi erspart, nämlich die höchste Champions-League-Niederlage aller Zeiten zu kassieren.»
Komplett sprachlos scheint die FCB-Niederlage die AARGAUER ZEITUNG gemacht zu haben. Sie erwähnt das Spiel mit keinem Wort.
swissinfo, Etienne Strebel
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