SBB wollen in England zwei Bahnlinien betreiben
Die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) machen ernst mit ihrem England-Engagement. Sie bewerben sich zusammen mit einer englischen Partnerfirma um zwei der 25 Bahnlizenzen im privatisierten britischen Bahnmarkt.
Ein entsprechender Vertrag ist am Freitag (01.09.) in London unterzeichnet
worden.
Die Schweizerischen Bundesbahnen SBB bewerben sich gemeinsam mit «John Laing Investments Ltd.» (Laing), einer Tochterfirma der englischen Bauunternehmung «John Laing Ltd.», um die Franchisen für den Betrieb der Thames-und Wessex-Bahnnetze im Westen von London. Die Parteien haben sich zu diesem Zweck zu einer Bewerbergemeinschaft zusammengeschlossen.
Die Franchisen für beide Bahnnetze, die zusammen etwa 865 Meilen Streckenlänge und um die 300 Stationen aufweisen, werden für einen Zeitraum von 12 bis 20 Jahren vergeben. Die Bahnbehörde «Strategic Rail Authority» wird die Zuschläge voraussichtlich Mitte nächsten Jahrs sprechen, wobei finanzielle wie auch sicherheitsrelevante Faktoren den Ausschlag geben.
Bahnnetze mit Flughafenanschluss
Als wichtig erachten die SBB den Anschluss der Bahnlinien an die Flughäfen Heathrow und Gatwick. Zudem grenzen die Netze von Thames und Wessex an jenes von «Chiltern Railways Ltd.». Die SBB-Partnerin Laing ist Hauptaktionärin von dessen Eigentümerin «M40 Trains Ltd.», die ebenfalls an der Vertragsunterzeichnung beteiligt ist.
Bei einer erfolgreichen Bewerbung würden die drei Bahnnetze gemeinsam betrieben, womit beachtliche Synergien genutzt werden könnten. Die SBB bezeichnet diesen Zusammenschluss als besonders interessant, da die Bahnnetze in einer wirtschaftlich prosperierenden Region mit überlastetem Strassennetz liegen.
SBB streben «führende Rolle» in Europa an
In England seien die negativen Vorgaben als Folge der Liberalisierung des Bahnmarktes im Hinblick auf die zweite Vergabe von Konzessionen korrigiert worden, erklärte Thierry Lalive d’Epinay, Verwaltungsratspräsident der SBB Bahn AG. Die SBB wollten wachsen und sich als eine führende Personenverkehrsgesellschaft in Europa etablieren und bei der Konsolidierung des Marktes von Anfang an eine führende Rolle spielen.
England sei derzeit am besten geeignet, um in einem «sinnvollen und verkraftbaren Rahmen» in den Markt einzutreten. Die SBB genössen zudem europaweit einen ausgezeichneten Ruf, und der eigene Unternehmenswert lasse sich durch eine internationale Vermarktung erheblich steigern.
Die Expansion ins Ausland sei die einzige gewichtige Wachstumsoptionm, da der Schweizer Bahnmarkt gesättigt sei, sagte d’Epinay. Mit der Beteiligung an der Ausschreibung in England könnten die SBB nicht zuletzt firmeninternes Know-how aufbauen, um später bei einem Wettbewerb um Schweizer Bahnkonzessionen bestehen zu können.
Eisenbahner sind skeptisch
Der Schweizerische Eisenbahn- und Verkehrspersonal-Verband (SEV) beurteilte die Expansionspläne als politisch, ökonomisch wie auch strategisch verfehlt. Der Verband forderte in einer gleichentags veröffentlichten Stellungnahme die SBB-Leitung auf, die «Finger von diesem Hochrisikogeschäft zu lassen und die Hausaufgaben im eigenen Land an die Hand zu nehmen. Offensichtlich rechneten die SBB damit, dass der Bund in den kommenden Jahren die Totalliberalisierung der Bahnen nach englischem Vorbild vorantreibe. Eisenbahnpolitisch gebe es in England aber gar nichts zu lernen.
swissinfo und Agenturen
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