Schweizer Bahnen reagieren auf Hitze
SBB-Personal und –Material sowie Passagiere leiden unter der Hitze. Klima-Anlagen in älteren SBB-Führerständen sollen den hitzegeplagten Lok-Führern künftig Erleichterung bringen.
Zudem erfordern hitzebedingte Störungen Anpassungen beim Rollmaterial.
Über fünfzig Prozent der im Personenverkehr eingesetzten SBB-Loks verfügen bereits über eine Klimaanlage. In den nicht-klimatisierten Führerständen steigt die Temperatur in diesen heissen Sommertagen teils auf über 50 Grad.
Nun werden laut den Schweizerischen Bundesbahnen die Führerstände aller Nahverkehrszüge sowie 280 Loks von SBB Cargo für 28 Mio. Franken mit Klimaanlagen ausgerüstet.
Rollmaterial leidet
Die gegenwärtige Hitze bringt aber nicht nur das Personal, sondern auch das Rollmaterial zum Schwitzen. Die hohen Temperaturen setzen primär der Intercitylok Re 460 zu.
Die hochsommerlichen Temperaturen hätten die Schienen verbogen und mit vielen Klimagerät-Ausfällen zu technischen Ausfällen geführt, sagte Paul Blumenthal, Leiter Personenverkehr SBB vor den Medien in Olten.
So hatte die grosse Hitze vor kurzem das Bahngleis zwischen Cham und Rotkreuz verformt. Die Schienen wurden auf einer Länge von rund 50 Metern verbogen. Die SBB-Linie Luzern-Zürich musste unterbrochen werden.
Kein desolater Zustand
Auch kam es zu mehr Verspätungen und Spannungen als üblich, hiess es von Seiten der SBB. Den Anstrengungen aller SBB-Mitarbeitenden sei es zu verdanken, das keine Zugsausfälle zu verzeichnen seien.
Die ausserordentlichen Bedingungen brachten auch fahrzeugtypische Schwachstellen zutage. Von einem desolaten Zustand der Flotte könne aber keine Rede sein, betonten die SBB-Verantwortlichen.
Der Rollmaterialservice der SBB habe sofort reagiert mit dem Ziel, die Defekte rasch zu beheben. Partnerbahnen wie die BLS und die Industrie helfen bei den nötigen Reparatur-Arbeiten mit.
Kritik der Gewerkschaften
Die Personalverbände kritisieren, die Probleme beim SBB-Flottenunterhalt seien nicht nur hitzebedingt. Der Schweizerische Eisenbahner-Verband (SEV) fordert mehr Personal und bezeichnet den geplanten Stellenabbau bei den SBB als «völlig inakzeptabel».
Das Personal sei längst jenseits des Limits. Es stelle sich die Frage, ab wann die Sicherheit gefährdet sei, teilte der SEV mit.
Schöner Sommer führt zu Hochbetrieb
Das heisse Sommerwetter hat für die Bahnen aber auch gute Seiten: Laut Blumenthal bescheren die schönen Tage den SBB Frequenzen wie in den besten Expo-Tagen.
Die SBB-Flotte sei bis an die Grenzen ausgelastet, was für den Rollmaterial-Unterhalt – neben der Vorbereitung für die
Verzicht auf Panorama-Wagen
Die SBB verzichten zurzeit auf den Einsatz ihrer vier Panorama-Wagen in Italien. Grund sind Stromprobleme auf dem dortigen Streckennetz. Deshalb werden die Panorama-Wagen vorübergehend durch zusätzliche 1.-Klass-Wagen ersetzt.
«Sobald die Hitzewelle vorbei ist, werden wir die Panorama-Wagen wieder einsetzen», heisst es bei den SBB.
Bahn 2000
Trotz der anhaltenden Hitzewelle laufen die Vorbereitungen für die 1. Etappe der Bahn 2000, die am 12. Dezember 2004 startet, auf Hochtouren.
Im Vordergrund stehen die Umrüstung der Intercity-Loks auf die neue Zugsicherung sowie die Aufrüstung der Reisezugwagen für Geschwindigkeiten bis 200 Stundenkilometer.
swissinfo und Agenturen
Die Führerstände aller Nahverkehrszüge werden klimatisiert.
280 SBB-Cargo-Loks werden mit Klima-Anlagen nachgerüstet.
Kostenpunkt: 280 Mio. Franken.
Mehr als 50% der im Personenverkehr eingesetzten SBB-Lokomotiven verfügen bereits über Klima-Anlagen.
Bis 2009 sollen zwei Drittel der Sitze in den Reisewagen klimatisiert sein.
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