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Swiss gliedert Regionalverkehr aus

Umspritzen ist angesagt: Regional- und Langstreckenverkehr gehen in Zukunft getrennte Wege. Keystone

Die Fluggesellschaft Swiss will in ihrem Überlebenskampf die Lohnkosten um 100 Mio. Franken kürzen und den Regionalverkehr in eine eigene Gesellschaft ausgliedern.

Die Tochterfirma werde unter dem Namen «Swiss Express» am Markt auftreten und ab dem kommenden Winterflugplan tätig sein.

Die Airline Swiss kehrt mit diesen Massnahmen zum Geschäftsmodell des zusammengebrochenen Swissair-Konzerns zurück. Mit der Schaffung der «Swiss Express» will die Schweizer Fluggesellschaft Swiss ihre Kosten im Regionalflugverkehr um einen Fünftel senken.

Die Lohnkosten von 1 Mrd. Franken sollen um 10% gekürzt werden. Das Topmanagement der Swiss wird auf einen Teil seines Lohnes verzichten. «Wir senken unsere Löhne per sofort um 14%», sagte Swiss-Chef André Dosé am Freitag in Basel.

Seit letztem Herbst hat die Swiss bereits den Abbau von insgesamt 1000 Stellen sowie die Straffung der Flugzeugflotte und des Streckennetzes angekündigt.

Grounding kein Thema

«Ein Grounding ist für die Swiss kein Thema. Die Gesellschaft verfügt über ausreichend liquide Mittel», sagte Swiss-Verwaltungsratspräsident Pieter Bouw am Freitag vor den Medien.

Ihre Liquidität habe sich zum Ende des ersten Quartals auf 861 Mio. Franken belaufen.

Für Ende Jahr rechne die Swiss mit einer Liquidität von rund 500 Mio. Franken, auch ohne neuen Betriebskredit und ohne zusätzliche Massnahmen.

Laut Einschätzung der Swiss seien «die Voraussetzungen für einen profitablen Betrieb nach Abklingen der vorübergehenden Krisenfaktoren vorhanden».

Die Absicht der Swiss, eine eigenständige Regionalflug-Gesellschaft zu gründen, hat am Freitag an der Börse für einen Kurssprung der Aktie gesorgt. Der Titel schoss zeitweise um über 20% in die Höhe.

Personalverbände reagieren unterschiedlich

Die ehemaligen Swissair-Piloten halten die Ausgliederung für notwendig. Laut dem Pilotenverband Aeropers ist die Struktur der «Ex-Crossair» immer noch zu gross.

Für die Pilotengewerkschaft Swiss Pilots (ehemalige Crossair-Piloten) ist die angekündigte Auslagerung des Regionalverkehrs bei der Swiss völlig absurd. Swiss-Pilots-Präsident David Bieli beklagte sich darüber, dass damit auf Crossair-Basis angestellte Piloten ausgelagert und die ehemaligen Swissair-Piloten subventioniert werden sollen.

Die Gewerkschaft des Kabinenpersonals Kapers zeigt sich nicht überrascht. «Wir sind zufrieden, dass die Swiss Massnahmen ergreift», sagte der Kapers-Verantwortliche Joel Strebel.

Zur angekündigten Senkung der Löhne um 10% in diesem Jahr wollten sich weder Kapers noch Aeropers äussern. Man warte auf die Vorschläge von Swiss, hiess es.

Nach Ansicht der Bodenpersonal-Gewerkschaft GATA löst die Ausgliederung des Regionalflugverkehrs die Probleme der Swiss nicht. Die Einsparungen durch diese Massnahme seien angesichts der hohen Verluste nur ein Tropfen auf den heissen Stein.

Bund trägt Massnahmen mit

Das Eidgenössische Finanzdepartement teilte mit, dass der Bund als Aktionär entsprechende Massnahmen mittrage. Die von der Swiss präsentierten Entscheide bewegten sich «im Spektrum dieser Erwartungen», zumal die Swiss «ausdrücklich auf die Möglichkeit weiterer Massnahmen hingewiesen» habe. Zusätzliche finanzielle Hilfe für die Swiss hatte der Bundesrat an seiner Sitzung vom vergangenen Mittwoch ausgeschlossen.

Die Regierungsparteien zeigten sich mehrheitlich erfreut über die Schritte. Man hätte jedoch schon früher handeln sollen, meinte die FDP. Für die CVP reichen die angekündigten Massnahmen der Swiss nicht aus.

Die SVP forderte eine Entflechtung vom Staat, um «Interessenkollisionen zu beseitigen und klare Verantwortlichkeiten zu schaffen». Die SP schliesslich begrüsst die Massnahmen, wirft aber die Frage auf, warum «die Option Kurzarbeit nicht entscheidungsreif» sei.

Die Schutzvereinigung Schweizer Anleger (SVSA) um den Rechtsanwalt Hans-Jacob Heitz nahm die Ankündigung positiv auf. Sie sei immer der Auffassung gewesen, dass die Regionalflotte und die Interkontinental-Flotte in zwei Profitzentren aufzuteilen seien, teilte die SVSA mit.

Zurück zum Swissair-Modell

Mit der Aufspaltung des Fluggeschäfts in einen Langstrecken- und einen Kurzstreckenbereich übernimmt die Swiss das Geschäftsmodell der einstigen Swissair und die Gepflogenheit anderer Fluggesellschaften.

Ursprünglich war geplant, das Lang- und das Kurzstreckengeschäft unter einem Dach und unter der Einheitsmarke Swiss zu betreiben. Der Swissair-Konzern hatte den Europa-Verkehr hauptsächlich der Crossair überlassen.

Auf deren Fundament wurde nach dem Grounding der Swissair im Herbst 2001 mit milliardenschwerer Starthilfe von Politik und Wirtschaft die Swiss aufgebaut.

swissinfo und Agenturen

Bei rund 4,3 Mrd. Franken Umsatz hatte die Swiss für letztes Jahr 980 Mio. Franken Verlust ausgewiesen.

Allein im vierten Quartal 2002 war ein Minus von fast 400 Mio. angefallen.

Für das erste Quartal 2003 wird erneut ein Verlust in dreistelliger Millionenhöhe erwartet.

Das Ziel, dieses Jahr in die schwarzen Zahlen zu fliegen, wurde nach weiteren Einbrüchen im Passagieraufkommen, die vor allem auf den Irak-Krieg und die Lungenkrankheit SARS zurückgeführt wurden, fallen gelassen.

In den vergangenen Tagen gab es einen Wirbel um eine Kreditlinie der Grossbanken über 500 Mio. Franken, die von der Swiss selbst gekündigt worden war.

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