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Swisscom streicht weitere 3000 Arbeitsplätze

Der Aderlass beim Personal der Swisscom geht weiter: Weitere 3'000 Stellen oder rund 15 Prozent des Personals werden bis ins Jahr 2003 abgebaut. Der Einschnitt wurde mit dem Preiszerfall und dem Konkurrenzdruck begründet.

Der Aderlass beim Personal der Swisscom geht weiter: Der ehemalige Monopolist kündigte am Freitag (31.03.) den Abbau von weiteren 3’000 Stellen oder rund 15 Prozent des Personals bis ins Jahr 2003 an. Der Einschnitt wurde mit dem Preiszerfall und dem Konkurrenzdruck begründet. Die Gewerkschaften reagierten empört.

Nach der mehrfach geäusserten Absicht zu Kostensenkungen greift der neue Konzernchef Jens Alder nun zum Zweihänder: Er kündigte für den Zeitraum von 2001 bis 2003 den Abbau von weiteren rund 3’000 Stellen an, noch bevor die laufende, bis Ende dieses Jahres befristete Reduktion von 4’000 Stellen abgeschlossen ist.

«Die Preise werden in wichtigen Teilen unseres Geschäfts weiter fallen, und wir müssen mit gezielten Massnahmen weiter die Kosten senken – ein Stellenabbau ist damit unausweichlich», wird Alder in der Mitteilung zitiert.

Der rasante Technologie- und Strukturwandel habe im Heimmarkt Schweiz weitreichende Konsequenzen. Nach den Preissenkungen bei den Tarifen für das Festnetz von bis zu 70 Prozent im März habe sich der Kostendruck weiter erhöht. Swisscom-Sprecher Sepp Huber erinnerte zudem daran, dass das operative Ergebnis im vergangenen Jahr rückläufig gewesen sei und dieses Jahr weiter sinken dürfte.

Einzelheiten über den neuen Stellenabbau, der rund 15 Prozent des Personals entspricht, stehen laut Huber noch nicht fest. Das Unternehmen werde alles tun, um Entlassungen zu vermeiden, versicherte er. Die Modalitäten des Abbaus sollen mit den Sozialpartnern ausgehandelt werden. Der heute gültige Sozialplan ist bis Ende dieses Jahres befristet.

Auslagerung von weiteren 3’000 Stellen ?

Hinzu kommen weitere Massnahmen zur Kostensenkung und zur Fokussierung auf das Kerngeschäft, wie es in der Mitteilung heisst. Dabei komme es zu einer Auslagerung von weiteren Stellen. Die von den Gewerkschaften genannte Zahl von weiteren 3’000 Stellen wollte Huber nicht bestätigen. Entscheide seien noch nicht gefällt worden, und zudem gelte es den Stellenabbau und die Auslagerungen klar auseinander zu halten, sagte er.

Die Swisscom nahm gleichzeitig interne Strukturanpassungen vor. So werden die Bereiche Mobil- und Festnetztelefonie ab sofort gemeinsam dem Konzernleitungsmitglied Carsten Schloter unterstellt. Der Bereich Business Com wird neu dem Bereich Marketing und Verkauf unterstellt, der weiterhin von Heinz Karrer geleitet wird. Für den Aufbau des E-Commerce mit dem Internet-Provider Blue Window und der Abteilung Swisscom Directories wird eine neue Einheit E-Business gegründet, die interimistisch direkt dem Konzernchef unterstellt wird.


Gewerkschaften und SP empört

Gewerkschaften und die SP haben den angekündigten Stellenabbau bei der Swisscom scharf kritisiert. Die Gewerkschaften befürchten sogar, dass nicht nur 3’000, sondern 6’000 Arbeitsplätze gestrichen werden. Die Gewerkschaften transfair und Kommunikation reagierten empört und überrascht auf den neuen Aderlass. Sie befürchten, dass 3’000 Stellen gestrichen und weitere 3’000 ausgelagert werden.

Den Bundesrat forderten sie auf, sich als Swisscom-Mehrheitsaktionär seiner sozialen Verantwortung bewusst zu sein. Er habe die Möglichkeit, Verwaltungsrat und Konzernleitung vom allzu einseitigen und volkswirtschaftlich verantwortungslosen Shareholder-Value-Denken wegzubringen. Von der Konzernleitung wird erwartet, dass sie sofort Gespräche mit den Gewerkschaften aufnimmt. Falls ein Abbau wirklich nötig werde, müssten rasch Verhandlungen über einem neuen Sozialplan aufgenommen werden, um Entlassungen zu verhindern.

Die SP Schweiz warf der Swisscom-Leitung vor, sie habe sich zu wenig um die Umschulung ihrer Leute gekümmert und trage daher eine grosse Verantwortung für die Entlassungen.

Bundesbehörden bedauern

Das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) hat den geplanten Stellenabbau bei Swisscom bedauert. Departementssprecher Hugo Schittenhelm wies darauf hin, dass die Swisscom vom Bund verpflichtet sei, eine sozialverträgliche Arbeitsplatzpolitik zu betreiben. Schittenhelm wies im weiteren darauf hin, dass der bisher erfolgte Stellenabbau bei der Swisscom durch den Aufbau von neuen Arbeitsplätzen bei Konkurrenten habe kompensiert werden können. Auch beim nun angekündigten Stellenabbau sei davon auszugehen, dass er teilweise durch den fortgesetzten Stellenaufbau in der Branche zumindest teilweise aufgefangen werden könne.

swissinfo und Agenturen

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