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Swisscoy-Wasser auf Reisen

Wasser-Aufbereitungs-Spezialist Matthias Eggenberger (r.) mit einem deutschen Gebirgsjäger vor dem Wassertank des Camp Morina. swissinfo.ch

Als Teil der internationalen KFOR-Truppe arbeiten Schweizer Soldatinnen und Soldaten im Kosovo. swissinfo hat die Swisscoy besucht und begleitet.

«Wenn Markt ist, ist der Stau am längsten», sagt Swisscoy-Soldatin Lisa Zulauf und lehnt sich zurück. Hinter dem Steuer ihres Lastwagens sitzt sie fast doppelt so hoch wie in einem Personenwagen, aber sie kann das Ende der Kolonne nicht sehen. Sie steht mitten im täglichen Verkehrschaos: Autos, überladene Traktoren, Eselskarren und Militär-Fahrzeuge verstopfen die Strasse durch Prizren im Süd-Westen Kosovos.

Die ehemalige Flughafen-Polizistin fährt 10’000 Liter Wasser ins Deutsche Camp bei Morina, einem Grenzübergang zu Albanien. Ihr Beifahrer Matthias Eggenberger ist Spezialist für die Wasseraufbereitung: «Wir ziehen Grundwasser aus unserem Brunnen im Camp Casablanca in Suva Reka. Das Wasser ist recht schmutzig und wir bereiten es zu Trinkwasser auf.»

Die Wasser-Aufbereitung und -Versorgung ist eine wichtige Aufgabe der Swisscoy im Kosovo. Gereinigt und verteilt wird das Wasser grundsätzlich für andere KFOR-Einheiten, die keine eigenen Brunnen haben.

Kostbares Wasser

Gelegentlich geht das Wasser auch an die Zivilbevölkerung. «Als Weihnachts-Geschenk haben wir eine Ladung nach Kosovka Mitrovica gebracht», sagt Lisa Zulauf. Dabei wurde genau darauf geachtet, in der geteilten Stadt im Norden Kosovos gleich viel Wasser an die albanische wie an die serbische Bevölkerung zu verteilen, erklärt Presse-Offizier Roman Kistler. «Mitrovica ist einer der «Hot Spots» im Kosovo», ergänzt er, «aber wir hatten noch nie Probleme.»

Auch der ehemalige Maschinen-Mechaniker Matthias Eggenberger kann sich nur an angenehme Erfahrungen erinnern: «Der Austausch mit den Einheimischen ist sehr gut. Gelegentlich werden wir in die Häuser zum Tee eingeladen. Ich fühle mich wohl hier.»

Status-Symbol Deutsch

Dass der Kontakt zwischen den Soldaten und der Bevölkerung herzlich ist, weiss auch Militär-Polizist Daniel Härdi. Er arbeitet eng mit den Polizisten der «United Nations Mission to Kosovo» (UNMIK) zusammen. «Die Einwohnerinnen und Einwohner kommen auf uns zu», sagt er. «Wenn ein Jugendlicher mit uns Deutsch sprechen kann, dann steigert das sogar sein Ansehen in seiner Gruppe.»

NATO-Regeln gelten auch für die Swisscoy

Nicht alle Swisscoy-Angehörigen haben soviel Kontakt zur lokalen Bevölkerung wie die Militär-Polizisten, die oft ausserhalb des Camps arbeiten. Aber auch wenn die Swisscoy-Angehörigen draussen arbeiten, bleibt der Kontakt eingeschränkt.

So kann beispielsweise Soldat Eggenberger seiner Kollegin keinen Kaffee an einem der Stände längs der Strasse kaufen, während sie mit ihrem LKW in der Kolonne steht. «Wir dürfen nicht bei Einheimischen einkaufen gehen», sagt er. «Das finde ich schade. Aber es sind die Weisungen der Kosovo Force (KFOR) und wir halten uns daran.»

Enge Strassen, abgefahrene Reifen und Pferde

Nach fast einer Stunde im Schritt-Tempo durch den Stau kann Lisa Zulauf endlich Gas geben; Prizren liegt hinter uns. Obwohl der Verkehrs-Stau den Zeitplan durcheinander geworfen hat, lässt sie sich nicht hetzen: Die engen Strassen und die teils vereiste Fahrbahn erfordern die ganze Aufmerksamkeit von ihr und ihrem Beifahrer.

Ein besonderes Auge müssen sie auf die zivilen Fahrzeuge halten. Diese Autos sind oft in schlechtem Zustand und wegen der abgefahrenen Reifen geraten sie ins Schleudern und blockieren plötzlich die Strasse. Auch die gelegentlichen Pferdekarren muss die Swisscoy-Soldatin grosszügig umfahren.

Eisiger Schmuggel-Pass

Zur albanischen Grenze hin werden die zivilen Autos spärlicher. Dafür donnern dem Schweizer Laster gelegentlich deutsche Radschützenpanzer entgegen. Rund 100 Meter vor der eisigkalten und zugigen Passhöhe hat ein deutsches Gebirgsjäger-Bataillon sein Camp eingerichtet. Die Soldaten überwachen den Grenzübergang Morina und versuchen den Schmuggel einzudämmen.

Die deutsche Wache hinter den Sandsäcken weiss um die Ankunft des Wassers und winkt den Laster durch. Lisa Zulauf parkiert neben dem Wasser-Tank des Lagers, zieht den Reissverschluss ihrer Fleecejacke ganz hoch und begrüsst einen deutschen Soldaten mit Handschlag.

Schneller Lunch am Pass

Das Wasser-Abladen selbst erledigt ihr Kollege routiniert: Er verbindet mit schweren Schläuchen den eigenen Wassertank mit dem Silo des Camps, kontrolliert die Pumpe und wirft sie an. Die Pumpe wird fast eine halbe Stunde lang arbeiten, bis alles Wasser aus dem Lastwagen gepumpt ist.

In dieser Zeit werden sich die beiden Swisscoy-Soldaten ein spätes Mittagessen in der deutschen Kantine gönnen: Es ist bereits zwei Uhr nachmittags, die Fahrt dauerte über drei Stunden.

Wertschätzung und Respekt

Die Lieferungen der Swisscoy werden von den Deutschen geschätzt: «Wenn wir kein Wasser hätten, liefe bei uns nichts», sagt ein Deutscher. Besonders werden die Schweizer Soldatinnen und Soldaten aber menschlich geschätzt: «Die Schweizer, das sind Super-Leute. Sie kommen bei uns rein, sind immer freundlich, wir reden miteinander über Gott und die Welt und tauschen Adressen aus», fasst das ein Gebirgsjäger zusammen.

Auto-Wäsche eingefroren

Doch lange sitzen die Schweizer nicht. Sobald der LKW leergepumpt ist, geht es weiter. Es wird früh dunkel und die Strassen werden nur noch eisiger.

Obwohl sie ihren Auftrag erfüllt hat, ist Lisa Zulauf nicht restlos glücklich über den Tag: «Normalerweise hätten wir an diesem Tag den Lastwagen gewaschen. Doch es ist immer noch zu kalt dazu.»

Philippe Kropf, Suharekë

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